Wie Lehrlinge sich auf die Zukunft vorbereiten

Projekt Zukunftsschmiede Berufsschule : Wie Lehrlinge sich auf die Zukunft vorbereiten

Das Projekt Zukunftsschmiede Berufsschule beschäftigt zurzeit fünf Berufsschulklassen in der Region. Die Schüler haben sich unter anderem für Nachhaltigkeit ins Zeug gelegt. Um drei der Projektteile geht es heute.

Es ist ein Bild, das man nicht jeden Tag zu sehen bekommt: Das Auto auf der Hebebühne wirkt auseinandergepflückt, fast der ganze Motor fehlt, der Kofferraum steht offen und gewährt Einblicke in den lückenhaften Innenraum. In der Werkstatt der Trierer Berufsbildenden Schule Gestaltung und Technik (BBS GuT) arbeiten Schüler an dem Projekt „Das Wir ist größer als das Ich: Umbau eines benzinbetriebenen Audi A2 zu einem Elektrofahrzeug“. Der Umbau des Autos ist Teil des Projekts Zukunftsschmiede Berufsschule (siehe Info), das derzeit fünf Berufsschulklassen in der Region beschäftigt. Im November 2018 haben die fünf Klassen für ihre Projektideen einen Preis der Nikolaus Koch Stiftung erhalten.

Einer der betreuenden Fachlehrer, Thomas Brach, erklärt, dass Schüler aus vielen Fachbereichen an dem Projekt mitarbeiten. Man brauche Leute zum Biegen des Metalls, zum Zeichnen der Pläne und zum Anschließen der Elektrik. „Die Idee für den Umbau kam von den Schülern. Das Auto haben wir über die Handwerkskammer bekommen.“ Beim Umrüsten eines Autos müsse man mehr beachten, als man zunächst vermutet, erläutert Brach. Beispielsweise müsse man den dann überflüssig gewordenen Benzintank ausbauen. Das helfe auch dabei, den Wagen leichter zu machen.

Unterstützung gibt es nicht nur von der Nikolaus Koch Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), die das Projekt Zukunftsschmiede Berufsschule begleiten, sondern auch von mehreren regionalen Firmen. „Die Bremsen und die Federn für das Auto wurden zum Beispiel von Betrieben hier aus der Umgebung gespendet“, sagt Brach. Und laut dem Fachlehrer sind die Schüler mit großer Motivation dabei, denn in der Schulzeit lässt sich das Projekt nicht komplett bewältigen. „Die Schüler kommen freitags nach der Schule her und arbeiten daran weiter. Man könnte fast sagen, es ist zu einer Art Hobby geworden“, sagt er und lacht. Außerdem versuche das Lehrerkollegium, auf einem Youtube-Kanal das Projekt zu dokumentieren, um Eltern und alle, die es interessiert, auf dem Laufenden zu halten.

Pia Paulus (19) ist in der Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin und hilft beim Umbau des Autos mit. „Ich habe vorne geholfen auszumessen und habe ansonsten überall angepackt, wo es etwas zu helfen gab“, sagt sie. Ihr Mitschüler, Johannes Schuler (21) macht die gleiche Ausbildung. „Ich bin seit dem Winter neu hier dabei und finde das Projekt cool. Ich bin in der Gruppe für den Motoreinbau.“ Mark Asselborn (17) sorgt dafür, dass es in dem Auto nicht kalt wird: „Ich helfe dabei, den Zuheizer für die Klimaanlage einzubauen.“

Die BBS GuT Trier ist die einzige Schule, an der zwei Projekte der Zukunftsschmiede Berufsschule vertreten sind. Ein paar Räume weiter begutachtet Thomas Brachs Kollege Jan Roor, ebenfalls Fachlehrer, den Aufbau seiner Schüler. Momentan arbeite die Klasse im Bereich der Regeltechnik auch noch an einem anderen Projekt, an dem die Schüler mithilfe eines Modells lernen, wie man mit der Regelungstechnik eines Heizkessels umgeht und ihn ordnungsgemäß verdrahtet.

Das Projekt „Smart School – Laborraum 4.0“, das von der DKJS und der Nikolaus Koch Stiftung begleitet wird, sei aber dazu da, sich mit Smart Home Technik auseinanderzusetzen. „Unter einem Projekt zu Smart Home kann man sich zum Beispiel vorstellen, dass man per Fernsteuerung das Fenster zuhause aufmacht und sich dann als Folge die Heizung automatisch runterdreht.“ Die Schüler seien derzeit allerdings im Rahmen ihres Blockunterrichts nicht in der Schule, sondern in den jeweiligen Betrieben, um das bisher im Projekt angeeignete Wissen umzusetzen.

An der Berufsschule in Saarburg dreht sich das Projekt hauptsächlich um Holz. Bei „Mein digitales Gesellenstück-Modell in 3D“ entwerfen die Lehrlinge ihr eigenes Möbelstück. Das wird zusätzlich zu den schriftlichen Prüfungen dann als Abschlussprüfung kurz vor dem Berufseinstieg bewertet. Die Besonderheit: Die Möbelstücke wurden bei der Bewertung durch den Gesellenprüfungsausschuss nicht nur als Zeichnung vorgestellt, sondern als digitales 3D-Stück. Studiendirektor Hans Löber beschreibt das Szenario mit einem Grinsen im Gesicht: „Die Schüler und Prüfer konnten sich mit sogenannten Virtual Reality-Brillen die Entwürfe in 3D ansehen. Da haben manche, die während der Präsentation vorbeigelaufen sind, schon etwas komisch geguckt.“

Während der Entwicklung der Möbelstücke habe die Klasse mit der Hochschule Trier zusammengearbeitet. Nach einem Besuch der Schüler an der Hochschule entstand eine Kooperation mit zwei Studenten, die die Lehrlinge in ihrer Arbeit unterstützten. Löber sagt: „Die Zusammenarbeit mit den Studenten hat den Schülern auch einen Motivationsschub gegeben.“ Da die Kooperation so gut geklappt habe, wolle die Schule nun gemeinsam mit der Hochschule an einem Folgeprojekt arbeiten.

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