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Wie LivEye aus Föhren europaweit Großbaustellen überwacht

Unternehmen : Sicherheit bis in den letzten Winkel

Das Unternehmen LivEye aus Föhren ist europaweit in der Überwachung von Großbaustellen im Einsatz.

Im LivEye Monitoring Center im Industriepark Region Trier in Föhren läuft alles zusammen. Im Neubau in der Europa-Allee haben speziell geschulte Sicherheitsexperten auf den vielen Bildschirmen alle Objekte in der Region, in Deutschland und Europa im Blick, wo LivEye seine Video-Überwachungssysteme installiert hat. „Bewachung von temporären Risikozonen mit mobilen Videoüberwachungsanlagen“, nennt das Firmenchef Marc Thurn. Er war vor 20 Jahren einer der Gründer des Sicherheitsunternehmens UTS, das sich seit 2012 auf die Überwachung von Großbaustellen spezialisiert hat. 2019 entstand daraus LivEye als eigenständiges Unternehmen.

Die Leitstelle in Föhren ist 24 Stunden an 365 Tagen und Nächten im Jahr besetzt, die Mitarbeiter überwachen parallel zahllose Großprojekte, aber auch kleinere Firmen und Flächen. Dazu zählen oder zählten unter anderem das temporäre riesige VW-Fahrzeuglager auf dem Rollfeld am neuen Flughafen Berlin, Windkraftanlagen zum Beispiel in Schweden, die Großbaustellen von Arla in Pronsfeld und Dr. Oetker in Wittlich-Wengerohr, die ehemalige US-Housing in Bitburg, Baustellen am Gotthard-Pass in den Alpen oder die DFB-Akademie in Frankfurt. „Wir können einen digitalen Zaun aus mobilen Überwachungssystemen um Gebäude und Flächen aufbauen“, sagt Thurn.

Zur LivEye-Technologie gehören hochauflösende Kamerasysteme auf bis zu acht Meter hohen Masten, die mobil sind und einen Bereich von bis zu 200 Meter komplett überwachen – auf Baustellen genauso wie bei Großveranstaltungen, in Häfen oder beim Aufstellen von Windrädern oder Großfotovoltaikanlagen. Die Kameramasten können entweder an eine normale 230-Volt-Leitung angeschlossen werden oder können mit Aggregat und Akkubetrieb gemietet werden, und dann bis zu drei Monate ohne weitere Betankung genutzt werden – auch an Orten, wo es keinen Strom gibt, wie zum Beispiel Steinbrüchen oder Gleisbaustellen.

Die Mitarbeiter in der Leitstelle sind aber nicht nur passive Beobachter: „Im Fall eines Einbruchs können unsere Operator die Eindringlinge nicht nur polizei-verwertbar aufzeichnen, sondern sie mittels Liveansprache auch direkt kontaktieren“, sagt Thurn, der aus Erfahrung weiß: „Vandalismus, Diebstahl und Sabotage sorgen gerade bei Großbaustellen immer wieder für Ärger und Kosten.“

LivEye soll dabei Sicherheitslücken schließen: „Baustellen sind dynamische Orte, an denen sich ständig etwas ändert. Unsere Experten begleiten Bauprojekte durch alle Phasen mit wechselnden Standorten unserer Kameras und der passenden Videoüberwachungstechnik. Aber auch kleinere Projekte, bei denen ein Wachmann nicht rentabel wäre, können wir mit unserer Technologie während der arbeitsfreien Zeit absichern.“ Denn auch dort käme es vermehrt zu Kupferdiebstählen, würden Baumaschinen, Fahrzeuge oder Diesel entwendet.

Neben den Kamerasystemen ist es vor allem die Software, auf die man in Föhren stolz ist: „Sie unterscheidet zwischen Menschen, Tieren, Fahrzeugen und wiederkehrenden Bewegungen und verringert somit die Fehlalarmquote auf ein Minimum“, sagt Thurn, der zudem von einer „Kostensenkung um 85 Prozent im Vergleich zum herkömmlichen Wachschutz“ spricht. Um allen Datenschutzkriterien zu entsprechen, werden öffentliche Bereiche im Schwenkbereich der Kamera verpixelt, es werden nur solche Aufnahmen gespeichert, auf denen Täter zu sehen sind.

Zu den Kamerasystemen vermietet LivEye auch LED-Beleuchtungsmasten zum Beispiel für Baustellen, Veranstaltungen oder andere Großflächen, auch in unwegsamen Gelände. „Wir setzen auf energiesparende Technologie und bieten auch bei der Beleuchtung autarke Systeme an, die ohne Stromversorgung auskommen“, sagt Thurn.

Seit der Firmengründung der LivEye GmbH im Jahr 2019 ist das Unternehmen auf Expansionskurs. Neben der neuen Firmenzentrale in Föhren gibt es Filialen in Zug (Schweiz), Warschau (Polen), Dortmund, Oldenburg, München und Leipzig. Die Anzahl der LivEye-Systeme wird 2021 von 450 auf 750 erhöht.

 Liveye überwacht europaweit Baustellen
Liveye überwacht europaweit Baustellen Foto: TV/UTS

Die Föhrener haben mittlerweile eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, speziell auch für Software- und IT-Lösungen sowie eine eigene Produktion der Kamerasysteme in Polen. „Unser Vorteil ist die Mobilität der Kameramasten, die ohne großen Aufwand überall aufgebaut werden können, zudem ist dank der neuesten Kamera- und Beleuchtungstechnik die Effizienz hoch bei niedrigen Energiekosten“, sagt Thurn.