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Winzer auch in schwierigem Jahr optimistisch

Winzer auch in schwierigem Jahr optimistisch

Die rund 4000 Winzerbetriebe von Mosel, Saar und Ruwer sind nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Trier (IHK) optimistisch. Und dies, obwohl 2010 die Erntemenge doch recht dürftig ausgefallen ist.

Trier. Rund 50 Prozent weniger Ertrag musste das Weingut Kar thäuserhof von Christoph Tyrell 2010 verkraften (der TV berichtete). Wie dem Spitzenweingut aus Trier-Eitelsbach erging es im vergangenen Jahr vielen Winzern, vielleicht nicht ganz so heftig, doch immer weit entfernt von normalen Ernteerträgen: Dennoch ist die Branche mehrheitlich positiv gestimmt, wie aus dem jüngsten Konjunkturbarometer der IHK hervorgeht.
Trotz der breiten Zufriedenheit, "die Rahmenbedingungen bleiben schwierig", sagt die Kammer. "Die verfügbare Weinmenge ist knapp, und die dadurch gestiegenen Preise sorgen für Absatzprobleme. Insbesondere die Unternehmen, die im internationalen Lebensmittelmarkt agieren und im intensiven Preiswettbewerb stehen, klagen aufgrund von Lieferengpässen über Absatzeinbußen", fasst IHK-Geschäftsführer Albrecht Ehses die Auswertungen der jüngsten IHK-Branchenerhebung zusammen.
Große Unterschiede


Man müsse bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage eben stark differenzieren, denn in einigen Fällen hätten die Einkäufer im Handel in den Preisverhandlungen auch höhere Einstiegspreise akzeptiert.
Beim Direktverkauf an die privaten Kunden seien Preiserhöhungen offensichtlich leichter durchzusetzen. "Es gibt aber auch Betriebe, die ihre Preise nicht verändert haben und die in der jetzigen Phase Verluste in Kauf nehmen, um ihre Kunden zu halten oder die Regalplätze weiter zu sichern", sagt der IHK-Weinexperte Albrecht Ehses.
Hoffnung auf 2011


Moselwein-Geschäftsführer Ansgar Schmitz setzt nach dem ernteschwachen Jahrgang 2010 nun Hoffnung in den 2011er. "Geringe Erntemengen können die Winzer nur selten über den Preis abfedern", sagt er, und es sei auch nicht gut, wenn man seinen Kunden sagen müsse, dass der Jahrgang ausverkauft ist.
Die in der Wirtschaft normale Beziehung von Nachfrage und Preis lässt sich nicht so einfach auf den Weinmarkt umlegen. Ist der Ertrag in einem Jahr um 30 Prozent geringer, könne man den Preis nicht einfach um ein Drittel anheben. Dies würde ja auch bedeuten, dass man im kommenden, dann normalen Jahr den Preis wieder um 30 senkt, und das vielleicht sogar bei besserer Qualität. "Das würde kein Kunde mitmachen", erklärt ein Winzer.
Beim Fasswein hat die geringe Menge aber immerhin die Preise anziehen lassen. Ein Liter Rieslingwein von der Mosel bringt derzeit etwa 1,60 Euro bis 1,70 Euro, die Spätlese erreicht bis 1,80 Euro, und Elbling wird mit rund 1,20 Euro gehandelt. Anfang 2010 waren die Fassweinpreise noch dramatisch im Keller, sie lagen bei 80 Cent und drunter. Doch wegen der geringen 2010er-Mengen ist es am Fassweinmarkt insgesamt ruhig.
Der neue Jahrgang könnte indes den Winzern von der Menge her wieder deutlich mehr Freude bescheren. "Es gab einen sehr guten Austrieb der Reben und eine super Blüte", sagt Schmitz. Auch von den großen Frostschäden, die die Winzer in der Pfalz und in Rheinhessen traf, blieb die Mosel verschont." Von daher könnte der Jahrgang 2011 wieder einen normalen Ertrag bringen.
Weinlese beginnt deutlich früher


Auf jeden Fall beginnt die Weinlese so früh wie nie zuvor: Gestern wurden in Rheinhessen die ersten Ortegatrauben gelesen. Schon in der nächsten Woche will die Pfalz ebenfalls Trauben für den Federweißen einfahren, so früh wie nie zuvor.
An der Mosel könnte die Rieslinglese Ende September beginnen. Im IHK-Konjunkturbericht erhoffen sich die Experten durch den sogenannten Vegetationsvorsprung auch eine schnelle Entspannung am Markt. Die niedrigen Lagerbestände ließen sich mit einem normalen Ernteergebnis wieder etwas ausgleichen.
"Das würde der Weinbranche helfen, auch künftig alle Segmente vom Discounthandel bis zur Spitzengastronomie mit unseren Weinen besetzt zu halten", beschreibt IHK-Geschäftsführer Ehses die Aussichten. Für die Anbaugebiete Pfalz, Rheinhessen und Mosel sei es wichtig, im Absatz breit aufgestellt und im In- und Ausland in unterschiedlichen Preissegmenten präsent zu sein. Seit 2007 werden die Weine von Mosel, Saar und Ruwer nur noch unter dem Oberbegriff Mosel angeboten. Gut 4000 Winzer erzeugen auf etwa 9000 Hektar Anbaufläche vor allem Weißweine. Entlang der 280 Flusskilometer an Mosel, Ruwer und Saar stehen oft in Steillagen (40 Prozent) 55 Millionen Rebstöcke. Dabei dominiert mit über 60 Prozent der Riesling. Der Müller-Thurgau (Rivaner) folgt mit 14 Prozent auf Platz zwei. Immer stärker werden aber auch die Burgunder-Reben angebaut. In einem normalen Weinjahr fahren die Winzer rund 90 Millionen Liter Wein in die Keller ein. Im vergangenen Jahr aber spielte das Wetter nicht mit, die Erntemenge sank ganz erheblich auf knapp 70 Millionen Liter. hw