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"Wir können uns die Bewerber nicht backen"

"Wir können uns die Bewerber nicht backen"

Das Ausbildungsjahr 2014 ist gelaufen. Für die Wirtschaft ist die Ausgangslage recht unterschiedlich. Während das Handwerk ein Minus vermeldet, erreichten Handel, Industrie und Dienstleistungsbranchen sogar ein leichtes Plus bei den Ausbildungsverträgen.

Trier. Die Wirtschaft sucht Jugendliche. Seit Jahren haben viele Branchen Probleme, genügend motivierte und geeignete Nachwuchskräfte zu finden. "Seit 2007 haben wir in der Region einen Lehrstellenüberhang", sagt Günther Behr, für Ausbildung zuständiger Geschäftsführer bei der Handwerkskammer Trier. 1281 neue Ausbildungsverträge hat die Kammer im vergangenen Jahr für ihre Betriebe eingetragen, das ist ein Rückgang um rund acht Prozent zu 2013. Insgesamt werden derzeit im Handwerk gut 3500 junge Menschen ausgebildet.
"Leider können wir uns die Bewerber nicht backen", bedauert Behr. Dabei haben Jugendliche im Handwerk beste Chancen. "Wir hatten Ende des Jahres noch etwa 500 freie Lehrstellen", sagt Behr. Ausbildungs- und Zukunftsperspektiven seien in den Handwerksberufen außergewöhnlich gut. "Wer motiviert und interessiert ist, findet sicher interessante Angebote", meint der Experte von der HWK. Dabei spielten die Noten keine große Rolle.
IHK zufrieden


Im Bereich der IHK-Betriebe zeigt sich die Ausbildungsplatzsituation etwas besser. "Dem demografischen Wandel und dem Akademisierungstrend zum Trotz haben sich die Ausbildungszahlen im Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier positiv entwickelt", meldet die Indu-strie- und Handelskammer Trier ganz erfreut.
Eine aktuelle Erhebung der Industrie- und Handelskammer Trier zeigt, dass im vorigen Jahr 1967 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden sind. Das sind 1,2 Prozent mehr als 2013 (1943 Verträge). Insgesamt waren bei der IHK Trier zum Jahresende 5018 laufende Ausbildungsverträge verzeichnet.
"Das ist ein gutes Signal unserer Unternehmen", sagt IHK-Geschäftsführer Marcus Kleefisch. "Sie wissen, wie wichtig Ausbildung für ihren Erfolg und ihre Zukunft ist und bringen daher einen großen Einsatz für den betrieblichen Nachwuchs."
Auch wenn es sich nur um ein leichtes Plus handele, sei dies mit Blick auf die aktuell schwierigen Umstände auf dem Ausbildungsmarkt sehr beachtlich. Schließlich ziehe es immer mehr Jugendliche an die Hochschulen statt direkt in die Unternehmen, denen es - unter anderem infolge dessen - immer häufiger an qualifizierten Bewerbern mangele. Viele Schulabgänger seien nicht ausbildungsreif, oft hapere es auch am Ausbildungswillen.
"Trotzdem setzen die Unternehmen auf die duale Ausbildung, fördern leistungsfähige junge Leute, nehmen sich aber auch der schwächeren Jugendlichen an und unterstützen sie", sagt Marcus Kleefisch. Diese Entwicklung widerlege die jüngste Behauptung des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland, viele Betriebe seien nicht bereit, in Ausbildung zu investieren.
"Das ist schlichtweg falsch - nicht nur für die Region Trier. Sie kämpfen vielmehr erfolgreich darum, dass der Wirtschaft trotz allem nicht die Fachkräfte von morgen fehlen", sagt Marcus Kleefisch.
Die IHK Trier unterstütze dies beispielsweise mit Tipps zum Azubi-Marketing, schmiedet Kooperationen von Schulen und Unternehmen, hilft Jugendlichen bei der Berufswahl und rüstet sie in der Schüler-Azubi-Akademie für das Arbeitsleben.
Alle Register ziehen


Die Agentur für Arbeit begleitet die Wirtschaft bei der Nachwuchswerbung. Jüngst hat der Chef der Arbeitsagentur Trier, Heribert Wilhelmi, die Unternehmen aufgefordert, alle Register zu ziehen: "In Sachen Ausbildung wird es 2015 für die Betriebe darauf ankommen, auf den veränderten Bedingungen zu reagieren und bei den Rekrutierungswegen kreativer zu sein." Im vergangenen Jahr wurden der Arbeitsagentur durch die regionalen Unternehmen 3751 Ausbildungsstellen gemeldet, - eine breite Palette, aus denen die jungen Menschen die richtige Stelle für sich auswählen konnten.
"Um den Wunschberuf zu finden und im Bewusstsein, dass Eigeninitiative und gute Vorbereitung hierfür notwendig sind, greifen viele Mädchen und Jungen auf die Beratung und Vermittlung der Berufsberatung der Agentur zurück", sagt Wilhelmi. "Das gibt Sicherheit und Orientierung und erhöht damit natürlich auch die Chance für Jugendliche, den richtigen Weg für sich zu finden."Extra

Die gemeinsame Ausbildungsmesse von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Agentur für Arbeit und Trierischem Volksfreund, "Dein Tag, Deine Chance", kommt am Sonntag, 22. März, 14 bis 17 Uhr, nach Wittlich. Im Atrium des Cusanusgymnasiums können dort Unternehmen aus der Region für eine Ausbildung in ihrem Betrieb werben. Die Teilnahme ist für Firmen kostenlos. Voraussetzung ist aber, dass der Betrieb ausbildet. Im Mittelpunkt der sechsten Auflage von "Dein Tag, Deine Chance" steht das Speed-Dating. Hier haben Bewerber und Betriebe Gelegenheit, sich in einem kurzen Gespräch zu beschnuppern. Für Jugendliche ist dies oft das erste Bewerbungsgespräch und die Möglichkeit, dabei ohne großen Druck Erfahrung zu sammeln. Anmeldung unter E-Mail: trier.pressemarketing@ arbeitsagentur.de, kleefisch@trier.ihk.de , pkollmann@hwk-trier.de oder telefonisch Petra Kollmann, Telefon 0651/207-232, Dominique Gottwald, Telefon 0651/205-5700, und Marcus Kleefisch 0651/9777301. hw