Wird unser Bargeld bald verboten? Ökonomen dafür, Ministerin dagegen

Wird unser Bargeld bald verboten? Ökonomen dafür, Ministerin dagegen

Das Brötchen mit der Girocard bezahlen, die Zeitung mit dem Smartphone? Die Mehrheit der Deutschen hält davon nichts. Sie wollen beim Einkaufen nicht auf Bares verzichten. Banken und auch Wissenschaftler sind fürs Bargeld-Verbot – und nennen Gründe.

In Dänemark ist ab 2016 Schluss: Kleine Geschäfte und Cafés müssen keine Scheine und Münzen mehr annehmen. Andere Länder wie etwa Frankreich, Belgien oder Italien haben Höchstgrenzen für Barzahlungen eingeführt. So dürfen in Italien nicht mehr als 1000 Euro cash über die Ladentheke gehen. Alles, was darüber hinaus geht, muss mit Kreditkarte gezahlt werden. Die Deutschen jedoch lieben ihr Bargeld, wie aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor geht. Drei von vier Befragten (74 Prozent) sind dagegen , dass in Deutschland der Annahmezwang für Bargeld wegfallen würde. Die meisten Einkäufe in Deutschland werden immer noch bar bezahlt.

Ökonomen haben sich für eine Abschaffung des Bargelds ausgesprochen und damit eine heftige Debatte ausgelöst . So argumentiert Wirtschaftsweise Peter Bofinger, dass die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ohne Bares ausgetrocknet werden könnten. Geldwäsche oder Steuerhinterziehung würden deutlich schwieriger. Der Bankenverband unterstützt den Vorschlag aus einem anderen Grund: Bürger hätten ohne Bargeld keine Möglichkeit, einem negativen Zinssatz auf Einlagen durch "das vermehrte Halten von Bargeld auszuweichen".

Der rheinland-pfälzische Landesdatenschutzbeauftragte Edgar Wagner sieht eine Abschaffung kritisch: "Die Bürger müssen die Möglichkeit behalten, Dritten Einblicke in ihr Konsumverhalten zu verwehren." Auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) sagt: "Die Zeit ist nicht reif für ein Leben komplett ohne Bargeld." Zunächst müsse der Datenschutz weltweit weiterentwickelt werden. Außerdem wollten die Menschen "Konkretes für ihr Geld".

Skeptisch sind auch die Verbraucherschützer: "Bargeld muss gesetzliches Zahlungsmittel bleiben, damit ein einfacher, günstiger und anonymer Geldtransfer für alle möglich bleibt", sagt Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Mehr zum Thema

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