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„Wirtschaftsdialog China“ diskutiert die Bedeutung Chinas für regionale Unternehmen.

Handel : Wenn Container und Touristen fehlen

Lieferkettenprobleme, Menschenrechte und Partnerschaften: Der erste „Wirtschaftsdialog China“ diskutiert die Bedeutung Chinas für regionale Unternehmen.

(BP) China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner, 95 Prozent aller Solarzellen kommen mittlerweile aus China – aber wie wichtig ist China für Trier und die Region? Dieser Frage ging der erste „Wirtschaftsdialog China“ nach, eine Veranstaltung von IHK und Stadt Trier. Die Diskussionsrunde, moderiert von Volksfreund-Chefredakteur Thomas Roth, zeigte: Es gibt viele Ansätze, aber bei weitem keine Verflechtung oder gar Abhängigkeiten – und viele Kontakte sind durch die Null-Covid-Politik Chinas unterbrochen. Seit 2010 ist Xiamen Triers Partnerstadt, es gibt das Konfuzius-Institut in Trier, einen Trierer Garten in Xiamen und einen chinesischen Garten in Trier, zudem Projekte von Universität und Hochschule Trier mit Xiamen.

Für die überraschendste Zahl  sorgte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe – denn viele hielten den Trier-Tourismus von Chinesen für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor: „Der ist seit Covid zusammengebrochen, im Jahr 2021 gab es nur noch 80 Übernachtungen von Chinesen in Trier. Aber auch zur Hoch-Zeit mit 8000, 9000 Übernachtungen von Chinesen, waren das nur ein Prozent der Übernachtungsgäste in Trier“, sagte Leibe, der in Zukunft aber auf die steigende Zahl von reichen chinesischen Individualtouristen hofft.

„China ist interessiert an vielen Formen der Zusammenarbeit, aber will auch vereinnahmen. Trier hat keine großen Industrieverflechtungen mit China, allerdings ist unser Mittelstand aktiv dort“, sagte Leibe. Einer dieser Mittelständler ist der Schaltanlagenproduzent Natus. Das Unternehmen begann 2004 mit einem ersten Joint Venture in China. Seit 2010 gibt es neues Joint Venture, das laut Firmenchef Frank Natus „sehr gut läuft und mit dem wir 25 Millionen Euro Umsatz pro Jahr mit 250 Mitarbeitern erzielen. Das Geschäft läuft gut, der Austausch mit China nicht.“ Auch in seiner Funktion als Vorsitzender der Vereinigung Trierer Unternehmen sprach Natus das Hauptproblem an: „Durch die Null-Covid-Strategie nehmen die Lieferkettenprobleme kein Ende. Dabei geht es nicht nur um Bauteile und Produkte, sondern sehr stark um Rohstoffe: Viele für die Industrie nötigen seltenen Erden oder Lithium kommen aus China. Und der Ukraine-Krieg verschlimmert das noch. Bei vielen regionalen Firmen liegen die Nerven blank, denn vor allem Zulieferer bekommen existenzielle Probleme.“ 

Dem stimmte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer zu: „Die Null-Covid-Strategie der Chinesen ist eine Belastung für die Weltmärkte. Weil Lieferketten unterbrochen wurden, gingen die Preise durch die Decke. Und nach vier Monaten Krieg in der Ukraine und den daraus resultierenden Folgen steckt die regionale Wirtschaft in der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg.“ Dennoch glaubt Natus: „Weder Corona noch der Krieg werden die Globalisierung aufhalten, denn beides geht vorbei.“

Über die Verflechtung von Wirtschaft und Politik in China sprach Professorin Xenia Matschke vom Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftspolitik an der Universität Trier. Zudem stellte sie fest: „Wenn Tausende Containerschiffe vor Shanghai liegen und nicht be- oder entladen werden können, beeinträchtigt das den Welthandel enorm.“ Matschke hat daneben einen neuen Trend ausgemacht: „China ist nicht mehr so auf das Kopieren von Produkten aus wie noch 20, 30 Jahre zuvor. Denn China hat sich in Sachen Forschung unglaublich entwickelt, zum Beispiel durch eine Vielzahl hochqualifizierter Ingenieure an hochklassigen Universitäten, sie müssen nichts mehr kopieren. Wir haben im Vergleich dazu wenige Ingenieure.“ Laut Leibe gibt es jährlich elf Millionen Hochschulabsolventen in China: „Dort gibt es keinen Fachkräftemangel.“  Die chinesische Regierung hat laut Matschke ein Programm aufgelegt, um bis spätestens 2049 in zehn Schlüsseltechnologien einen Supermachtstatus zu erreichen, wie Raumfahrt, Schiffbau oder Robotik. Als Beispiel nannte die Professorin die Produktion von Solarzellen: „Da war Deutschland dank staatlicher Förderung einmal führend, nun produzieren chinesische Firmen diese Produkte aufgrund niedriger Lohn- und Energiekosten viel billiger und sind Weltmarktführer. Made in Germany kostet eben deutlich mehr als Made in China.“ Leibe sah aber auch positive Auswirkungen: „Erst durch die günstigen Preise für Solarzellen wurde die Energiewende in Deutschland möglich.“

Aber wie kann man zum Beispiel mit Blick auf das Thema Menschenrechte Druck auf China aufbauen? Dafür sieht Unternehmer Frank Natus nur einen Weg: „Wir können in China nur etwas ändern, wenn wir dort investieren – und Investitionen müssen flankiert werden von internationaler Politik. Wenn wir China mit ähnlichen Sanktionen wie aktuell Russland überziehen, gehen in Deutschland zehn Millionen Arbeitsplätze verloren.“