Zähes Ringen

SAARBURG. (sas) Die Verhandlungen um die Zukunft des Kunststoff-Unternehmens Tectro in Saarburg haben ihre heiße Phase erreicht. Nach wie vor stehen Produktionsverlagerung und Stellenstreichungen von "30 plus X" im Zentrum der Gespräche. Die Schließung des Standorts Neunkirchen scheint indes vom Tisch zu sein.

Die rund 300 Beschäftigten der Firma Tectro Kunststofftechnik in Saarburg stehen nervlich unter höchster Anspannung. Seit Wochen diskutieren Firmenleitung, Eigentümer, Betriebsrat und Gewerkschaft über die Zukunft des Werks. Dabei geht es nicht nur um den Standort in der Region Trier, sondern auch um Töchterfirmen in Neunkirchen/Saar, Hemhofen bei Erlangen und im polnischen Bydgoszcz. Der bereits vor vier Wochen von Tectro-Geschäftsführer Reiner Klar angekündigte Stellenabbau von "30 plus X" bleibt weiterhin aktuell, teilte er gesten mit. Hintergrund sind die Abwanderung und die Produktionsauslagerung von Tectro-Kunden, aber auch eines Teils der eigenen Produktion ins billigere osteuropäische Ausland. Bei Tectro hatte es in den vergangenen Jahren bereits mehrfach - meist finanziell - gekriselt, als die Mitarbeiter Stellen durch Arbeitszeitverkürzung sicherten oder ihr Urlaubsgeld der Firma als Darlehen stundeten. Das Saarburger Unternehmen stellt für Spül- und Waschmaschinen sowie für die Auto-Industrie Kunststoffteile im Spritzgieß-Verfahren her. Bislang gibt es noch keine endgültige Einigung zwischen Unternehmen und Beschäftigten. Sie war ursprünglich für den 29. Dezember angekündigt worden. Tectro-Chef Klar spricht in einer schriftlichen Mitteilung lediglich von dem Ziel, "einen innovativen Standort mit flachen Hierarchien und hoher Produktivität zu gestalten". Der Betriebsratsvorsitzende Horst Molitor hat dagegen klarere Vorstellungen: "Zuerst muss die Firma neu organisiert werden, und da wird es auch zu Entlassungen kommen. Es muss aber auch Veränderungen im Leitungsteam der Tectro geben", sagte er gestern auf Anfrage. Der Betriebsrat habe mit dem Beirat und den Eigentümern bereits eine eigene Lösung besprochen, zu denen er sich aber nicht äußern wollte. In der kommenden Woche sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Sicher ist nur: Der Standort Neunkirchen/Saar mit rund 30 Mitarbeitern soll erhalten bleiben. Auch der Einstieg eines Investors bei Tectro, über den jüngst diskutiert wurde, ist laut Klar "aktuell keine Lösung".