1. Region
  2. Wirtschaft

Zement aus Abfällen: Trierer Uni ist Teil eines Forschungsprojekts

Industrieforschung : Forschungsprojekt der Trierer Universität: Zement aus regionalem Abfall

Die Bauindustrie gehört zu den größten CO2-Produzenten weltweit, etwa durch die Zementherstellung. In einem von der EU geförderten Projekt erforschen Geologen der Universität Trier die Herstellung von Ökozement aus Abfallprodukten der Region.

() Abfälle aus dem Kies- und Sandabbau, Stäube aus der Quarzitherstellung sowie Rückstände des Kalk- und Dolomitabbaus: „In der Großregion fällt eine große Bandbreite von bergbaulichen Abfällen und industriellen Sekundärrohstoffen an, die zurzeit ungenutzt bleiben. Diese weisen jedoch teilweise ein hohes Potenzial für die Anwendung in der Zementproduktion auf“, weiß Dr. Karlis Kukemilks von der Universität Trier. Ein Grund, weshalb das Fach Geologie der Universität Trier derzeit unterschiedlichste Sekundärrohstoffe aus der Großregion zu identifizieren versucht, die vergleichbare Eigenschaften wie die herkömmlich zur Zementproduktion genutzten Karbonatgesteine aufweisen. Gelingt es, diese Kabonatgesteine künftig in der Zementherstellung zu ersetzten, könnten die hohen CO2-Ausstöße in der Bauindustrie deutlich reduziert werden. Immerhin werden acht Prozent des globalen CO2-Ausstoßes durch die Zementproduktion verursacht.

Im Rahmen des Projekts CO2REDRES sind die Forschungsarbeiten unter Federführung der Universität Luxemburg im Juli 2020 gestartet. „Aufgrund der Corona-Pandemie war es uns jedoch lange Zeit nicht gestattet, in die Abbaugruben zu fahren, um Proben zu entnehmen“, berichtet Kukemilks. Inzwischen seien Verzögerungen jedoch aufgeholt und bislang  elf vielversprechende Materialien für die Zementproduktion identifiziert.

Die Rohstoffe wurden hierfür unter anderem auf ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften sowie hinsichtlich ihrer Partikelgröße untersucht.

Die nun als vielversprechend bestimmten Sekundärrohstoffe zeichnen sich durch eine Reihe von Gemeinsamkeiten aus, die sie als geeignete Alternativmaterialien oder Zuschlagstoffe in der Zementherstellung qualifizieren. Unter anderem sind sie besonders feinkörnig und besitzen einen hohen Anteil an bestimmten Tonmineralien, wodurch eine hohe Festigkeit des Zements erreicht werden kann.

In einem zweiten Schritt soll nun geprüft werden, ob die untersuchten Materialien auch in einer für die industrielle Anwendung ausreichenden Menge zur Verfügung stehen. Dazu wird nicht nur die Verfügbarkeit der Sekundärrohstoffe untersucht, sondern auch die geologische Verbreitung ihrer Primärrohstoffe. Somit soll sichergestellt werden, dass die in der Großregion von Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien vorhandenen Rohstoffvorräte für eine nachhaltige Zementherstellung auch in Zukunft ausreichen. Die Produktion von Ökozement könnte sich somit für Unternehmen der Großregion sowohl ökologisch als auch ökonomisch bezahlt machen.

Neben den Universitäten Trier und Luxemburg sind des Weiteren die Universitäten Lüttich und Lothringen an dem Projekt beteiligt. In Lothringen werden aus den in Trier als geeignet bewerteten Materialien neue Zementzusammensetzungen und Betonrezepturen entwickelt. Darüber hinaus ist die Universität Lüttich mit der Erstellung von Ökobilanzen beauftragt, die die Umweltauswirkungen des produzierten Zements sowie die dahinterstehenden Prozesse analysieren.

Das Projekt CO2REDRES läuft noch bis zum Ende 2022. Die ersten Projektergebnisse zeigen bereits, dass die verschiedenen Sekundärrohstoffe aus der Großregion eine breite Anwendung im Baugewerbe finden können, sind die Wissenschaftler optimistsisch. Somit besteht die Möglichkeit, dass durch die Aufbereitung von Sekundärrohstoffen der Bedarf an neu geförderten Primärrohstoffen, bei deren Abbau und Verarbeitung hohe CO2-Emissionen anfallen, reduziert werden kann. Diese umweltfreundliche Alternative zur konventionellen Zementherstellung biete ein großes Potenzial für die Großregion, heißt es.