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Zittern um Jobs beginnt

Zittern um Jobs beginnt

Wird aus dem deutschen Opel ein französisches Opèl? Bei der möglichen Übernahme durch PSA sind viele Fragen offen.

Rüsselsheim/Paris (dpa) Beide haben Kultautos wie den Manta oder die Ente gebaut, beide sind Traditionsunternehmen: Doch passen PSA Peugeot Citroën und Opel überhaupt zusammen? Das Zittern um die Opel-Jobs hat begonnen. Was würde ein Zusammengehen von PSA und Opel bringen?Branchenexperten sind skeptisch. Die beiden Hersteller haben ein ähnliches Markenportfolio, beide sind vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen stark - also im vergleichsweise renditeschwachen Massengeschäft. Und sie sind ausschließlich (Opel) oder vorwiegend (PSA) in Europa aktiv. Der europäische Markt gilt aber als gesättigt. Wie eng arbeiten die Unternehmen bereits zusammen?Die 2012 vereinbarte Kooperation umfasst die Entwicklung und Produktion von drei Modellen. Die neuen Opel-Modelle Crossland und Grandland entsprechen den Peugeots 2008 und 3008. Die ersten Autos rollen gerade von den Bändern in den spanischen Städten Saragossa und Vigo sowie am Peugeot-Stammsitz Sochaux. Auch der nächste Zafira soll PSA-Gene tragen. Angeblich werden damit 1,2 Milliarden Dollar im Jahr gespart. Warum denkt General Motors jetzt an einen Verkauf?Das ist das große Rätsel. General Motors hatte sich vor acht Jahren nach langem Ringen dazu entschlossen, Opel nicht zu verkaufen und den Autobauer selbst zu sanieren. Opel schreibt zwar immer noch rote Zahlen, hat aber zuletzt deutliche Fortschritte gemacht. "Man hat zehn Jahre lang saniert, und kurz vor dem Durchbruch trennt man sich von der europäischen Sparte", sagte Schwope. Das mache wenig Sinn. Aber: Für GM-Chefin Mary Barra in Detroit sei Ertragskraft wichtiger als Größe, analysierte das Wall Street Journal . Die "Amerika zuerst"-Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump helfe GM außerdem auf dem Heimatmarkt: niedrigere Steuern und eine regulatorische Entlastung bei Umweltstandards. GM hat bereits Milliardeninvestitionen in den USA angekündigt. Welche Nachteile könnten GM bei einem Opel-Verkauf entstehen?Ohne Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall wäre GM nicht mehr in Europa vertreten, einem immer noch wichtigen und technologisch führenden Markt, der für mehr als zehn Prozent der weltweiten GM-Verkäufe steht. Außerdem spielt Rüsselsheim eine wichtige Rolle im Entwicklungsverbund von General Motors. Dieser müsste bei einem Opel-Verkauf neu organisiert werden. Wie steht PSA derzeit da?Der Konzern PSA, in den 70er Jahren entstanden nach der Übernahme von Citroën durch Peugeot, hat in den vergangenen Jahren eine harte Sanierung durchgemacht. Das Geld für einen Opel-Kauf wäre bei dem staatlich gestützten Unternehmen vorhanden: Laut Experten der Commerzbank haben die Franzosen ein Liquiditätspolster von mehr als 16 Milliarden Euro. Und Opel?Der Autobauer hat zwar auch durch Kostensenkungen Fortschritte gemacht. Beim Absatz ging es bergauf, auch wegen der preisgekrönten Kampagne "Umparken im Kopf". Opel hat es allerdings nicht geschafft, wieder schwarze Zahlen zu schreiben, auch weil viele Wagen mit hohen Preisnachlässen in den Markt gedrückt wurden. Seit 1999 hat die Adam Opel AG als GM-Europatochter keinen Gewinn mehr gemacht. Welche Folgen könnte eine Übernahme für die Opel-Standorte haben?Opel produziert in mehreren europäischen Ländern und hatte Ende 2016 rund 38 200 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in Deutschland - an den Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eise-nach. Im Falle einer Übernahme wird ein Jobabbau befürchtet - wenn Einkauf, Produktionssteuerung oder Vertrieb und Marketing zentral aus Paris geführt werden, wären Stellen doppelt. Besonders stark könnte der Stammsitz Rüsselsheim getroffen werden - hier arbeiten allein 8000 der 15 000 Beschäftigten in der Entwicklung. Es wäre nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer die Zukunft für Opel, nach einer Übergangszeit vollständig in den PSA-Produktionsverbund eingegliedert zu werden. Ob noch ein Motorenwerk in Kaiserslautern und eine vergleichsweise kleine Montage in Eisenach gebraucht würden, sei schwer zu sagen. REGIERUNG SCHALTET SICH BEI OPEL EIN

Extra

Die Bundesregierung hat sich in die Verhandlungen um eine mögliche Übernahme von Opel durch den französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën eingeschaltet. Sie pocht auf den Erhalt der deutschen Standorte und Arbeitsplätze bei dem Autobauer. Das Bundeskanzleramt, Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) führten nun Gespräche mit der französischen Regierung, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde dabei "über alle Schritte stets im Bilde sein", sagte Seibert. Zunächst seien aber die Fachminister am Zug. Eine offizielle Anfrage der PSA-Spitze für ein Gespräch mit Merkel gebe es bislang nicht. Merkel schließe ein Treffen mit PSA-Chef Carlos Tavares aber nicht aus.