Zu Besuch bei Bernd Clemens, Geschäftsführer der Clemens GmbH in Wittlich

Zu Besuch bei Bernd Clemens, Geschäftsführer der Clemens GmbH in Wittlich

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In dieser Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Unternehmen und Organisationen der Region Trier in ihrem Büro. Heute ist der TV zu Gast bei Bernd Clemens in Wittlich, Geschäftsführer der Clemens GmbH & Co KG, ein Maschinenbauunternehmen mit den Produktionsschwerpunkten Weinbautechnik und Sondermaschinenbau.

Mein heutiges Büro war früher unser Wohnzimmer. 1967 ist unsere Familie samt der Firma in die Rudolf-Diesel-Straße gezogen. Damals waren hier nur wenige Unternehmen angesiedelt. Die Straße, die heute zu den am vielbefahrensten in Wittlich gehört, war noch nicht geteert und die Großbaustelle von Dunlop wurde für meine Brüder und mich zum riesigen Abenteuerspielplatz.
Vor zehn Jahren habe ich hier mein Büro installiert. An der Einrichtung hat sich seitdem nicht viel geändert - nur die Sitzgarnitur mit rotem Sofa und zwei schwarzen Sesseln ist neu. Den Glastisch haben wir selbst gefertigt, ebenso sämtliche Edelstahlelemente an meinem Schreibtisch und den Schränken. Neu ist das Poster von Steve Jobs an meiner Tür. Sein Slogan "Think Different" passt auch zu unserem Unternehmen: Anders zu denken ist wichtig, um schneller als die Wettbewerber zu sein.
Eigentlich hat mein Arbeitsraum heute noch Wohnzimmer-Charakter. Diese Wohlfühlen-Atmosphäre ist mir wichtig. Wir haben im Unternehmen zwar viel mit Technik zu tun, aber ein rein technisch-funktionelles Büro wäre nichts für mich. Zum Wohlfühlen gehören auf jeden Fall Pflanzen sowie helle und warme Farben.
Die Gemälde an den Wänden runden die Atmosphäre ab, vor allem das Sonnenblumen-Bild. Ich liebe Gelb, deswegen sind die Wände auch in entsprechenden Tönen gestrichen.
Meist bin ich um 7 Uhr in der Firma und frühstücke auch hier. Feierabend ist um circa 18 Uhr. Dann stelle ich ebenso wie an Wochenenden und im Urlaub das Handy aus. Wenn wirklich etwas Wichtiges anliegt, bin ich über Festnetz erreichbar. Wir sollten über das Handy bestimmen und nicht das Handy über uns.
An einem Arbeitstag bin ich in allen Abteilungen der Firma präsent, zwei Tage in der Woche habe ich Außentermine. Um bei der Bürotätigkeit nicht nur zu sitzen, habe ich noch einen höhenverstellbaren Stehtisch. Dort steht eine Schüssel mit Nüssen, getrockneten Feigen und Datteln sowie eine mit Obst. Zweimal in der Woche ist das mein Mittagessen. Abends koche ich gerne zusammen mit meiner Frau - das entspannt mich, da bekomme ich den Kopf frei.
In einer Vitrine verwahre ich Mitbringsel und Geschenke von den vielen Auslandsreisen. Unser Exportanteil liegt bei 80 Prozent, entsprechend oft bin ich in der Welt unterwegs. Zu den Souvenirs gehört auch ein kleines Schachbrett: Mich faszinieren Schachbretter und -figuren - aber zum Spielen bin ich zu ungeduldig.
Auf einem Sideboard steht eine Skulptur von Kerstin Stark: Auf dem Wort "ZEIT" aus Schiefer ruhen sich kleine Bronzefiguren aus. Zeit ist sehr wichtig. Auch das Wissen, dass es noch etwas anderes neben der Firma gibt. In meinem Büro hängen zwei Kreuze, eines gehörte meinem Vater. Das Menschenbild in der Religion spielt für mich eine große Rolle - auch in meiner Funktion als Chef. Für eine gute Mitarbeiterführung muss man den Menschen mögen. Dafür ist natürlich Voraussetzung, dass man sich selbst mag. Und dafür wiederum ist es wichtig, auch einmal loslassen und abschalten zu können. Damit die Dinge, die man erlebt, in der Seele ankommen können."

Aufgezeichnet von Ariane Arndt-JakobsExtra

Seine Lehre zum Maschinenschlosser verbrachte Bernd Clemens, geboren 1959, zum Teil in der französischen Schweiz. Danach war er bei der Bundeswehr und machte eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. An der TH Karlsruhe studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und verbrachte anschließend ein Jahr in New Mexiko, USA, wo er für eine deutsche Weinfarm verantwortlich war. Danach arbeitete er vier Jahre als Werksleiter der Firma Weka Holzbau in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern), bevor er 1996 mit seinem Bruder Thomas Clemens das Familienunternehmen übernahm. Dieses wurde 1952 von den Brüdern Bernard und Matthias Clemens in Zemmer (Kreis Trier-Saarburg) gegründet. Zur Maschinenproduktion für den Weinbau und die Kellereitechnik kam 1982 der Sondermaschinenbau. 2004 wurde die Firma Clemens Hobbytec für Haus- und Gartenprodukte gegründet und im vergangenen Jahr eine Gießerei für Magnesiumguss in Eichelhardt im Westerwald übernommen. Das Familienunternehmen beschäftigt 125 Mitarbeiter, darunter 24 Auszubildende. arn www.clemens-online.com