Zufriedene Sparkassen

Nach dem Verkauf ihres Anteils an der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) können die rheinland-pfälzischen Sparkassen auch in schwierigen Zeiten einen kräftigen Gewinnanstieg verbuchen.

 Die rheinland-pfälzischen Sparkassen befinden sich derzeit in einer komfortablen Situation. TV-Foto: Archiv

Die rheinland-pfälzischen Sparkassen befinden sich derzeit in einer komfortablen Situation. TV-Foto: Archiv

Budenheim. (dpa/hw) Der Jahresüberschuss 2009 betrage laut Prognose "annähernd 200 Millionen Euro", sagte eine Sprecherin des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz am Montag anlässlich der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen in Budenheim bei Mainz. 2008 war nach ihren Angaben ein Überschuss von 91 Millionen Euro erzielt worden. Der Verband meldete zudem eine "Renaissance" des Sparbuchs.

Die Sparkassen hatten ihren 4,9-prozentigen Anteil an der größten deutschen Landesbank LBBW für 175 Millionen Euro an die baden-württembergischen Sparkassen verkauft. In welchem Maß dies zur Gewinnsteigerung beitrug, wurde zunächst nicht bekannt.

"Wir haben unsere Anteile zur rechten Zeit verkauft", sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Trier, Remigius Kühnen, dem TV auf Anfrage. Wichtig sei eben auch, dass die Sparkassen damit in Sachen LBBW nicht mehr in Haftung kommen könnten. Sein Kollege von der Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück, Gunther Wölfges, fügt hinzu: "Die rheinland-pfälzischen Sparkassen hatten nur einen kleinen Anteil und damit fast keinen Einfluss. Der Verkauf war deshalb konsequent." Die vier Sparkassen aus der Region dürften einen Verkaufserlös zwischen sechs und gut einer Millionen Euro aus ihren Anteilen erhalten haben.

Laut Verband sei der Verkauf eben nur "eine Komponente" und habe "nicht die entscheidende Rolle" gespielt, sagte eine Sprecherin. Nach ihren Angaben schlug unter anderem auch ein Plus beim Zinsüberschuss - der Differenz von Zinserträgen und -aufwendungen - zu Buche. Er stieg laut Prognose von 1,04 Milliarden Euro auf 1,14 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis vor Bewertung legte nach vorläufigen Zahlen um 20,9 Prozent auf 530 Millionen Euro zu. Die Finanzkrise habe das Verhalten der Anleger verändert, betonte der Verband. Während der Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft um ein Drittel (36,6 Prozent) auf 5,19 Milliarden Euro sank, legten die Kunden mehr Geld aufs Sparbuch: Die Spareinlagen schnellten um 22,3 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro in die Höhe. "Das klassische Sparbuch erlebte eine wahre Renaissance", sagte der Präsident des Sparkassenverbandes, Hans Otto Streuber.

Gekauft wurden fast ausschließlich festverzinsliche Wertpapiere, was der Verband ebenfalls als "ein Zeichen für das hohe Sicherheitsbedürfnis der Kunden" wertete. Wegen des Rückgangs im Wertpapiergeschäft wird damit gerechnet, dass der Provisionsüberschuss um 2,3 Millionen auf 275 Millionen Euro sinkt.

Insgesamt legten die Kundeneinlagen um 0,8 Prozent auf 40,35 Milliarden Euro zu, die Kundenkredite wuchsen um 1,7 Prozent auf 35,64 Milliarden Euro. Zum Jahresende betrug das Volumen der neu zugesagten, aber noch nicht abgerufenen Kredite für Unternehmen und Selbstständige 2,6 Milliarden Euro, was einem Plus von 4,3 Prozent entspricht. Mit diesem Zuwachs sei nach dem Einbruch der Investitionen 2009 nicht zu rechnen gewesen, sagte Streuber. Diese Entwicklung sei "der beste Beleg dafür, dass es für Kunden der Sparkassen keine Kreditklemme gibt".extra Der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz ist der Dachverband der rheinland-pfälzischen Sparkassen und eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er vertritt nach eigener Darstellung die Interessen seiner Mitglieder in bankpolitischen, kreditwirtschaftlichen und aufsichtsrechtlichen Fragen gegenüber Bund und Land. Zudem berät er seine Mitglieder und prüft die Jahresabschlüsse der Sparkassen, deren Träger Kommunen, Kreise oder Zweckverbände sind. Der 1958 gegründete Verband mit Sitz in Budenheim bei Mainz vertritt derzeit 26 Sparkassen, die Ende vergangenen Jahres 930 Zweigstellen und rund 14 000 Mitarbeiter zählten. Präsident des Verbandes ist Hans Otto Streuber. Der Verband ist einer von zwölf Sparkassen- und Giroverbänden in Deutschland. An der Spitze steht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Berlin. (dpa)