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Zukunft selbst in die Hand nehmen

Zukunft selbst in die Hand nehmen

TRIER. Fast drei Jahrzehnte führt nun der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, Hans-Hermann Kocks, die Geschäfte der Wirtschaftskammer. Doch angesichts des Jubiläums blickt der gerade 60-Jährige nur kurz zurück: "Wir stehen noch vor den größten Herausforderungen."

Die Bundestagswahl und das anschließende Geschachere der Parteien sind dem HWK-Hauptgeschäftsführer ein Gräuel. Hans-Hermann Kocks ist ein Mann klarer Worte und vor allem auch der Taten: Als er am 1. Januar 1976 an die Spitze der Handwerkskammer Trier berufen wurde, war die HWK noch ein "Kämmerlein". 25 Mitarbeiter betreuten die rund 5000 Mitglieder der HWK, ein einziger Mitarbeiter beschäftigte sich damals mit dem Thema "Wirtschaftsförderung", und das Gesamtbudget lag bei 1,6 Millionen D-Mark. Inzwischen gehört nicht nur die D-Mark der Vergangenheit an, auch die Handwerkskammer Trier hat sich nachhaltig verändert: Insgesamt 120 Mitarbeiter betreuen heute 6400 Mitglieder, das Budget hat sich mit 14 Millionen Euro jährlich rund verzwanzigfacht, und 20 Mitarbeiter sind in der Wirtschaftsförderung tätig. Aus der Kammer sind Institutionen wie das Euro Info Centre (in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer) und das Umweltzentrum oder das Kompetenzzentrum für Renovieren und Sanieren (Komzet) erwachsen. Zudem sorgen vier Berufsbildungszentren für die wichtige Aus- und Weiterbildung des Handwerker-Nachwuchses. Vor allem die Qualifikation ist Hans-Hermann Kocks ein wichtiges Anliegen. Nachdem die Handwerksordnung geändert wurde und in vielen Berufen keine Meisterqualifikation zur Führung eines Handwerksbetriebs nötig ist, hat die HWK ihre Aus- und Weiterbildungsstrukturen geändert. "Es macht keinen Sinn, den alten Zöpfen nachzuhängen. Das Handwerk darf und soll nicht das Image einer regulierten, unbeweglichen Branche haben", sagt Kocks. Doch die Qualität als entscheidendes Merkmal des Handwerks ist für Kocks unumstößlich. "Deshalb haben wir die Ausbildung auf Module umgestellt", erklärt der Hauptgeschäftsführer. Wie in einem Baukasten kann sich ein Geselle oder auch ein Unternehmer die Qualifikations-Module heraussuchen, in denen er Schwächen hat - in fachlichen oder/und betriebswirtschaftlichen Bereichen. Am Ende ist der Handwerkskammer vor allem Eins wichtig: "Unsere Mitglieder sollen so gut ausgebildet sein, dass sie am Markt bestehen können." Veränderungen sieht Hans-Hermann Kocks aber auch auf das Kammerwesen zukommen. "Wird es in einigen Jahren noch Kammern geben? Was passiert mit der Pflichtmitgliedschaft? Gibt es eine Zukunft für das gegliederte System?" Für Kocks gibt es dabei ein erklärtes Ziel: Der Standort Trier muss für beide Kammern erhalten bleiben. Zwar kann sich der HWK-Chef eine größtmögliche Zusammenarbeit mit der IHK vorstellen, die Eigenständigkeit sieht Kocks aber als ein Muss an. Sollte es aber zu "Kammerfusionen" auf Landesebene kommen, wäre Trier der große Verlierer. "Wir würden natürlich stark an politischem Einfluss einbüßen." Zudem müssten die Mitglieder mit wesentlich höheren Beiträgen rechnen. Mit einem Durchschnittsbeitrag von 233 Euro im Jahr liege man 41 Prozent unter dem Durchschnitt aller Kammern im Land und sogar 57 Prozent unter der teuersten. Für Hans-Hermann Kocks ist deshalb die Ausrichtung klar: "Wir wollen die Zusammenarbeit mit der IHK Trier in allen Bereichen ausbauen, wo das möglich ist. Je mehr Synergieeffekte wir ausnutzen können, um so stärker ist unsere gemeinsame Position." Die Ausrichtung auf die Zukunft läuft aber auch im eigenen Haus auf vollen Touren. "Wir verhandeln derzeit mit unserem Personalrat über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich", sagt der HWK-Hauptgeschäftsführer. Die schwierige wirtschaftliche Lage lässt die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen sinken, bei den Meisterkursen sind die Bewerberzahlen eingebrochen - da sieht Kocks nur die Chance, auf der Kostenseite der HWK zu reagieren. Doch bei aller Flexibilität, die die Kammer in der Vergangenheit gezeigt hat, um sich für die Zukunft fit zu machen, treibt den Hauptgeschäftsführer nun eine große Sorge. In der Steuerpolitik, beim Arbeitsrecht und in der Lohnpolitik müsse sich Deutschland ganz schnell bewegen, um der Wirtschaft die notwendigen Impulse zu geben. Doch noch bleibt für Kocks die Frage: "Wird es die deutsche Politik unter den Voraussetzungen der Wahl schaffen, die notwendigen Reformen umzusetzen?"