Zum Ersten, zum … - Fabrik unterm Hammer

Zum Ersten, zum … - Fabrik unterm Hammer

Gut zwei Jahre ruhte die ehemalige Pizzafabrik in der Niederkircherstraße in Trier im Dornröschenschlaf. Doch vor wenigen Tagen gab es wieder einmal geschäftiges Treiben. Das Trierer Auktionshaus Lämmle versteigerte das Inventar der insolventen Firma.

Trier. In den 1990er Jahren wuselten mehr als 120 Mitarbeiter in der Pizzafabrik in Trier in der Niederkircherstraße und stellten Pizzen für ganz Deutschland her. Doch das Unternehmen kam nach Verkauf und Umfirmierung immer mehr in die Schieflage. 2009 stellte die Girone Tiefkühl Spezialitäten GmbH (ehemals Peppinos Pizza) einen Insolvenzantrag - alle Rettungsversuche scheiterten, zuletzt verloren 55 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Interessenten, die den Betrieb wieder aufnehmen wollten, fanden sich nicht. Nun kam die Fabrik unter den Hammer: Spezialist für solche Aufträge ist der Trierer Auktionator Uwe Lämmle. Für einen Tag gab es so wieder geschäftiges Treiben in der Pizzafabrik. "Was ist hier mit der Stiefelwaschanlage? Warum ist die so teuer?", fragt Uwe Lämmle seinen Mitarbeiter.
Profis beim Bieten


Rund 40 Kunden scharen sich um den Auktionator, begutachten die aufgerufenen Lose skeptisch. "Die Anlage ist ziemlich neu und kaum im Einsatz gewesen", erklärt der Mitarbeiter. Mit 1500 Euro ist die Waschanlage im Versteigerungskatalog angesetzt, mit weit über 100 anderen Posten. Doch der Preis ist den Anwesenden zu hoch. Ein Bieter gibt ein kleines Gebot ab, Uwe Lämmle geht nicht auf das Angebot ein. Es wird kurz geplaudert, gescherzt und dann doch wieder geboten. Ein paar Hundert Euro bringt schließlich die Waschanlage. Lämmle führt die Auktion zügig durch, ruft hier und da die potenziellen Käufer zur Ordnung. Die Kunden kommen zum großen Teil aus der Region, aus der Verwertungsbranche. Doch auch einige Interessierte aus der Lebensmittelbranche lassen sich nicht die Chance entgehen, vielleicht ein Schnäppchen zu machen. Diese Teilnehmer kommen aus ganz Südwestdeutschland. Öffentlich reden möchte aber niemand über seine Geschäfte. Und unter den Steigernden sind viele Profis. Das zeigt sich schnell, wenn es um die besten Stücke geht. 1200, 1300, 1400 … bei manchen Teilen überschlagen sich die Angebote, die angesetzten Katalogpreise werden überboten. Kühlzellen, Spiralfroster, Käsereibe oder Soßenmischer wechseln so im Minutentakt den Besitzer. "Ich habe hier noch eine Käseschneidemaschine; wer bietet?", fragt Uwe Lämmle. "50 Euro", wirft ein Kunde ein, Lämmle geht einfach zum nächsten Posten über. Insgesamt vier Gabelstapler stehen zum Verkauf an. Die gehen "wie geschnitten Brot". Selbst die defekten Stapler bringen noch einige Hundert Euro ein, der beste Stapler bringt weit über 1000 Euro. Lämmle ist zufrieden. "Und was ist mit meinem Käseschneider?", fragt er in die Runde und stößt auf wenig Begeisterung. Ab geht es in die Werkstatt. Die steht als Komplettangebot zum Verkauf an, mit allen Werkzeugen, Kleinteilen und Maschinen. Für viele Schrotthändler ist das ein interessantes Los. Mehrere Bieter streiten sich, 4000 zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Der Bieter zieht gleich ein neues Schloss auf, damit nichts von seinem Gebot wegkommt.
Nur ein Ladenhüter



Was im Sekundentakt hier versteigert wird, hat vom Auktionshaus akribische Vorarbeit verlangt. "Die Auflistung und Bewertung nimmt einige Zeit in Anspruch. Wir sind mit unterschiedlich großen Teams schon zwei Monate an dem Projekt dran", erklärt Lämmle. Am Auktionstag sind sechs Mitarbeiter im Einsatz, registrieren die Bieter, nehmen die Gebote auf und helfen bei der Abnahme.
"Was ist mit meinem Käseschneider", ruft Uwe Lämmle noch einmal in die Runde. Ein Teilnehmer bietet 100 Euro für das Edelstahl-Stück. "Ne, dann lassen wir das stehen", meint der Auktionator. Verschenkt wird nichts. Doch das eine oder andere Schnäppchen konnten die Bieter schon erhaschen.
Das Gebäude ist nach TV-Informationen inzwischen auch zwangsversteigert. Über Käufer und Kaufpreis ist nichts bekannt.Extra

Das Auktionshaus Uwe Lämmle eröffnete 1984 und beschäftigte sich zuerst mit Kunst- und Antiquitätenhandel. Später kamen die Abwicklung von Geschäfts- und Betriebsaufgaben, Insolvenzaufgaben oder auch die Auflösung von Nachlässen dazu. Zudem ist das Unternehmen auch in der Immobilienbranche tätig. Das Auktionshaus hat insgesamt sieben Beschäftigte. hw