Zuschlag per Handy

TRIER/HANNOVER. Kommunikation zu jeder Zeit an jedem Ort beschäftigt auch Trierer Wissenschaftler. Auf der Cebit präsentieren sie eine Mobilfunk-Innovation.

Handys wachsen mit Taschencomputern zu Smartphones zusammen, die neben dem Telefonieren Informationsabrufe und die Nutzung interaktiver Angebote ermöglichen. Was liegt da näher, als eines der beliebtesten Angebote aufs Handy zu bringen: Online-Auktionen. Eine Art mobiles eBay ist "UbiBay”, das Trierer Wissenschaftler um den Informatik-Professor Peter Sturm auf der Computermesse Cebit vorstellen. Das Besondere: Die dahinter steckende Technik ermöglicht den Aufbau "spontaner” mobiler Netzwerke ohne zentrale Server. Das kann man sich so vorstellen: Jura-Student Fleißig macht sich auf den Weg zur Vorlesung. Sobald er in Reichweite des Uni-Campus kommt, nimmt sein Handy Kontakt zur lokalen Auktionsplattform "UbiBay” auf, und sein Display weist darauf hin, dass Betriebswirtschaftlerin Mandy ihre Robbie-Williams-Konzertkarte zum Schleuderpreis unters Volk bringt. Fleißig bietet mit und erhält den Zuschlag für die einzige noch erhältliche Karte. Mandy wartet an der Mensa, und Karte und Geld wechseln die Besitzer. Das örtlich begrenzte System - übrigens auch denkbar für Stadtteile oder Firmenareale - könnte nicht nur die großen Mobilfunknetze entlasten. "Vieles wird überprüfbar. Die Transaktionspartner können sich treffen und sind nicht auf Bilder von der Ware angewiesen”, sagt Sturm. " Ich würde mich nicht trauen, ein Auto über eBay zu ersteigern”, meint er - ganz zu schweigen vom Aufwand, wenn das Auto in München steht. UbiBay sieht Sturm nur als eine der möglichen Anwendungen. Denkbar seien auch Mitfahrbörsen und Online-Spiele á la "Siedler” . Die technische Herausforderung für die Wissenschaftler liegt in der Entwicklung einer geeigneten Software, um mehrere Handys spontan zu einem Netzwerk zusammenzubringen. Bisher laufen alle Verbindungen über Stationen in Mobilfunknetzwerken. Wenn aber eine "Wolke von Handys”, wie Sturm es nennt, sich selbst organisieren soll, sind die Anforderungen hoch: Da alle Handys in diesen so genannten "Multihop ad-hoc Netzwerken” miteinander kommunizieren, muss erst einmal Ordnung in "Datenstürme” gebracht werden. Und auch die Sicherheit muss stimmen. Das Projekt wird mit Drittmitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und bleibt keine graue Theorie. Auf der Cebit zeigen Sturm und sein Team einen ersten lauffähigen Prototypen des Mini-Mobilfunknetzes. Sturm ist zuversichtlich: "Das System ist locker in zwei, drei Jahren serienreif”.

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