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Zwei Firmen und 140 Jobs weg

Zwei Firmen und 140 Jobs weg

Trotz aller positiven Entwicklungen am regionalen Arbeitsmarkt gibt es auch immer wieder Rückschläge: In den kommenden Monaten werden zwei Firmen ihre Standorte ganz oder teilweise an der Mosel aufgeben. Nach TV-Informationen verlieren rund 140 Mitarbeiter dadurch ihre Jobs.

Trier. Gleich zwei Firmen in Trier stehen vor dem Aus, weil die Geschäftsführung eine Standortschließung plant. Für viele langjährige Mitarbeiter eine schwierige Situation. Sie bekommen Jobs weit weg von der Heimat angeboten. Doch für die meisten Betroffenen ist das keine Alternative, weil sie in der Region ein Häuschen haben, sie durch die Familie gebunden sind oder die Kinder hier ihre Freunde haben. Wer aber das neue Jobangebot nicht annimmt, wird arbeitslos. Erster Fall - 50 Mitarbeiter gekündigt: Der Frust bei rund 50 Mitarbeitern der Firma Tornado GmbH Handelsgesellschaft ist groß. Vor wenigen Tagen hat ihnen das Unternehmen die Möglichkeit geboten, ihre Arbeit in Bisingen in Baden-Württemberg fortzusetzen. Knapp 400 Kilometer von Trier entfernt in der Nähe von Reutlingen scheint dies allenfalls für wenige Mitarbeiter eine Alternative. "Wir haben hier jahrelang einen guten Job in Trier gemacht", ärgert sich ein langjähriger Mitarbeiter und nun werde man einfach so abserviert. In dem Schreiben, das dem TV vorliegt, teilt Geschäftsführer Helmut Preuhs seinen Mitarbeitern mit, "dass wir unseren Betrieb zum frühestmöglichen Zeitpunkt, wegen der unterschiedlichen Kündigungsfristen der Mitarbeiter aber notwendigerweise sukzessive nach Bisingen, Hinter Stöck 34, verlegen werden." Einige der Gekündigten sind mehrere Jahrzehnte bei dem Unternehmen. Nach eigenen Angaben beliefert die Tornado-Gruppe den Lebensmitteleinzelhandel auf Kommissionsbasis - hauptsächlich mit Textilien. Doch spätestens ab dem 31. Oktober wohl nicht mehr von Trier aus. Bis dahin soll die Verlegung vollständig abgeschlossen sein. Im Schreiben heißt es: "Die Mieträumlichkeiten in Trier werden gekündigt.""Obwohl wir in Trier hier gute Arbeit geleistet haben, sind wir nun die Dummen", sagt einer der Betroffenen. Nach dessen Angabe war es wohl zuerst Absicht der Geschäftsführung, den Standort in Achim-Uphusen in der Nähe von Bremen zu schließen. "Die haben aber einen Betriebsrat und so hat sich die Geschäftsführung dann entschlossen, Trier dichtzumachen", sagt ein weiterer Betroffener. "Für ein Unternehmen ist es natürlich einfacher, einen Standort zu schließen, wenn es keinen Betriebsrat gibt", sagt Rechtsanwalt Franz Kibler, Trier. Der Spezialist für Arbeitsrecht: "Ohne Betriebsrat entfällt für die Firmen in der Regel die Pflicht, einen Sozialplan zu erstellen." Der schützt Arbeitnehmer zwar nicht generell vor einer Standortverlagerung noch vor einer Kündigung, doch Betriebsrat und Unternehmen können in einem Sozialplan Härten abfedern und unter anderem auch eine Abfindungsregelung aushandeln. Bei Tornado in Trier gab es zwar keinen ordentlich gewählten Betriebsrat, aber einen sogenannten Partnerschaftsausschuss, der wohl genau wie ein Betriebsrat von den Mitarbeitern gewählt wurde. "Der Ausschuss hat auch zugestimmt, als die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren auf zwei Urlaubstage verzichtet haben, als das Urlaubsgeld gekürzt und das Weihnachtsgeld weggefallen ist", sagt ein Ex-Mitarbeiter. Je nachdem, wie ein Arbeitsgericht diese Aufgaben des Partnerschaftsausschusses bewertet, könnten daraus ähnliche Rechte entstehen. Kibler: "Es zeigt sich aber immer wieder, wie wichtig ein Betriebsrat für die Rechte der Mitarbeiter ist, und auch kurzfristig lohnt es sich, eine Wahl voranzutreiben." Ein Verantwortlicher der Tornado-Gruppe war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zweiter Fall - 90 Jobs in Gefahr:Auch die Firma Arvato Teleservice, die zur Bertelsmann-Gruppe gehört, will sich von ihrem Trie rer Standort trennen. Nach TV-Informationen haben rund 90 Mitarbeiter das Angebot, nach Herzebrock (NRW) in der Nähe von Gütersloh zu wechseln oder die Kündigung zu akzeptieren. Zwischen altem und neuem Arbeitsplatz liegen rund 360 Kilometer. Nach eigenen Angaben ist die Arvato Teleservice mit mehr als drei Millionen Reparaturen pro Jahr einer der größten Dienstleister im Mobilfunk und damit Partner für alle führenden Mobilfunkanbieter und Hersteller. In acht Ländern betreibt Arvato Teleservice Reparaturcenter mit mehr als 1400 Mitarbeitern. In Trier stehen nun die Zeichen auf Abschied. Noch vor einigen Monaten arbeiteten hier rund 150 Mitarbeiter. Viele von ihnen seien bereits "abgewandert", schildern Mitarbeiter. "Nun wurden in der vergangenen Woche rund 90 Mitarbeiter vor die Wahl gestellt nach Herzebrock zu wechseln oder den Job zu verlieren", sagt ein betroffener Mitarbeiter. Ein Unternehmenssprecher bestätigt dem TV die Pläne. "Die Teleservice-Gruppe plant, den Geschäftsbetrieb in Trier bis Ende Juni an den größten Standort der Gruppe nach Herzebrock zu verlagern", sagte er. Die Entscheidung basiere auf wirtschaftlichen Erwägungen. Der Markt für Mobilfunkreparaturen sei von einem sehr harten Preiswettbewerb geprägt. Nach TV-Informationen wurde den Mitarbeitern, die nicht wechseln werden, eine Abfindung angeboten. Meinung

Unternehmerische VerantwortungTrier verliert in den kommenden Monaten zwei Firmen, die über Jahre vielen Mitarbeitern sichere Jobs geboten haben. Rechnet man noch die jüngste Insolvenz von Mohr Ingenieur Holzbau dazu, verlieren mehr als 200 Menschen bald ihren Arbeitsplatz. Das ist ein harter Schlag für die Betroffenen. An der Standortentscheidung wird es wohl kein Rütteln geben, das ist freie unternehmerische Entscheidung. Genauso ist es aber auch unternehmerische Verantwortung, zu sehen, dass die ehemaligen Mitarbeiter nicht im Elend versinken. h.waschbuesch@volksfreund.de