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125 Millionen Euro für neues Werk in Wittlich - Benninghoven zieht um

FOTO: Klaus Kimmling
Wittlich. Jahrhundertinvestition im Industriegebiet Wengerohr Süd: Auf 330 000 Quadratmetern zwischen Dr.-Oetker-Straße, Verlängerung der Wahlholzer Straße und B 50 neu baut die Wirtgen Group nach eigenen Angaben für 125 Millionen Euro in ein neues Stammwerk des Asphaltmischanlagenherstellers Benninghoven. Sonja Sünnen

Die Erdkugel schießt auf die Menschen im Zelt zu. Der Globus rückt blitzartig näher, der Blick landet: im Industriegebiet Wengerohr-Süd, mitten auf dem Feld. Dort steht das Zelt, darin sitzen überwiegend Herren und sehen auf einer Leinwand, wie die Welt genau an dieser Stelle in Zukunft aussieht, denn 2018 soll das Gras verschwunden sein.

"Hier entsteht das weltweit größte, modernste Werk für die Produktion von Asphaltmischanlagen", hat Jürgen Wirtgen, geschäftsführender Gesellschafter der Wirtgen Group, zu der die Firma Benninghoven seit 2014 gehört, vorher verkündet. Die geladenen Gäste beim Spatenstich am Mittwochvormittag können jetzt sehen, wie das aussehen soll: Über eine Zufahrt von der B 50 neu geht's zu einem riesigen Parkplatz. Dahinter liegt ein Zentralgebäude mit fünf Etagen bei einer Breite von 91 Metern. In dem 25 Meter hohen Komplex gibt es bis zu 400 Arbeitsplätze in 110 Büros auf 12.000 Quadratmetern Fläche.

Dahinter folgt das "Herzstück": der Produktions- und Logistikbereich mit rund 60.000 Quadratmetern. Zum Vergleich: Das ist die Fläche von 500 Einfamilienhäusern zu je 120 Quadratmetern! Das ist Schritt eins. Langfristig sind Erweiterungen geplant und möglich. Immerhin rechnet man in Zukunft mit 1000 Mitarbeitern.

Aktuell habe man an den beiden jetzigen Strandorten in Mülheim und Wittlich 644. Das seien 100 mehr als vor der Übernahme durch Wirtgen.

Auch flächenmäßig wird der Industrieriese wachsen: Aktuell produziert er auf einer Gesamtbetriebsfläche von 153.000 Quadratmetern an beiden Standorten. "Wir werden die Fläche des Betriebsgeländes also mehr als verdoppeln", sagt Jürgen Wirtgen, der betont: "Wir hatten 2015 einen Umsatz von 123 Millionen Euro. Wenn wir jetzt mit 125 Millionen Euro mehr als das investieren, was wir in einem Jahr an Umsatz gemacht haben, zeigt das, dass wir an eine langfristige Perspektive glauben." Deutlich flexibler, effizienter, moderner wolle man mit dem neuen Stammwerk an einer Stelle werden, erklärt Martin Kühn von Benninghoven und: "Wir stellen unsere heutige Arbeitsweise komplett auf den Kopf." In Zukunft gelte: "Das modernste Anlagenwerk der Welt steht in Wittlich." Das zeuge von "beispiellosem Unternehmergeist und Vertrauen in die Mannschaft".

Vor dem Spatenstich, der später draußen per Countdown wie ein Raketenstart angezählt wird, kommt als Dritter auf dem Podium im Zelt Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch zu Wort: "Das ist ein Meilenstein. Das kommt nicht alle Tage vor. Weder in Wittlich, noch in Rheinland-Pfalz, noch in Deutschland." Die Stadt, die sich als Wirtschaftsmotor zwischen Trier und Koblenz verstehe, könne damit ihr Profil weiter schärfen: "Es entsteht Zukunft für Benninghoven, die Wirtgen Group, die Region, die Stadt Wittlich, die Menschen." Bei der Standortentscheidung habe man sicherlich auch in Sachen Lage gepunktet: "Der Hochmoselübergang wird noch mal einen Quantensprung bedeuten. Unsere Verkehrsanbindung ist im Herzen Europas einmalig." Genauso wie die aktuelle Entwicklung.
Zur Investition des Industrieriesen sagt Landrat Gregor Eibes: "Das ist ein Glücksfall für die Region. Wann ist man schon einmal in der Situation, dass es eine neue Ansiedlung dieser Größenordnung gibt. Das trägt auch zum guten Ruf bei, der Wittlich begleitet."

Wolfgang Port, Stadtbürgermeister Bernkastel-Kues, ist auch geladen. Er sagt: "Es ist gut, dass man im Kreis bleibt. Damit bleiben hier die Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft erhalten. Was jetzt mit dem bisherigen Gelände passiert, ist noch mit Fragezeichen zu betrachten."

Dazu gab es keine offiziellen Informationen bei der professionell durchorganisierten Veranstaltung, zu der nicht nur Firmenangehörige, andere Unternehmer, Politiker vom Stadtrat bis zum Bundestagsabgeordneten und Behördenmitarbeiter und -leiter gekommen waren.

So wurde die Bandbreite der Auswirkung der Investition deutlich. Berufsschulleiter Alfons Schmitz etwa erhofft sich mehr Schüler, die man durch den Industrieriesen dann später auch langfristig an die Region binden könne.

Und Walter Kunsmann, Vorsitzender des Wirtschaftskreises Bernkastel-Wittlich, sagte: "Das ist ein herausragendes Signal für den Wirtschaftsstandort Wittlich. Viele werden sagen: ,Donnerwetter. Wittlich hat's.'"
Ein Donnerwetter gab's nicht: Zum Spatenstich flatterte Konfetti vom Himmel.
Am Boden der Tatsachen müssen jetzt erst mal 400.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Dann folgt der Hochbau. Und Anfang 2018 ist der Umzug geplant.
Extra

Die Wirtgen Group ist ein international tätiger Unternehmensverbund der Baumaschinenindustrie mit den Marken Wirtgen, Vögele, Hamm, Kleemann, Benninghoven. Nach eigenen Angaben ist der Verbund mit seinen Stammwerken in Deutschland (drei in Rheinland-Pfalz), Technologieführer im Bereich mobiler Maschinen für Straßenbau, Straßeninstandsetzung und Gewinnung und Aufbereitung von Nutzmineralien. 2015 haben laut Pressestelle 7000 Mitarbeiter weltweit einen Umsatz von 2,25 Milliarden Euro erwirtschaftet. Benninghoven ist in der Gruppe der Spezialist für Asphaltmischanlagen und deren Komponenten. Der ehemalige Familienbetrieb hat seit 46 Jahren seinen Standort in Mülheim und seit 1990 auch in Wittlich. Der Neubau gilt als größte Einzelinvestition in der Geschichte der Wirtgen Group, um bei steigender Nachfrage die Wettbewerbsfähigkeit weltweit auszubauen und mit dem Ziel "Benninghoven zu einem global führenden Unternehmen zu machen", so eine Pressemitteilung der Gruppe. sos

FOTO: Klaus Kimmling
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