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26 Frauenparkplätze für ein besseres Sicherheitsgefühl

Stephanie Müller-Stahnke (links) und Traudel Egger machen sofern möglich Gebrauch von den Frauenparkplätzen in Wittlich. TV-Foto: Klaus Kimmling
Stephanie Müller-Stahnke (links) und Traudel Egger machen sofern möglich Gebrauch von den Frauenparkplätzen in Wittlich. TV-Foto: Klaus Kimmling
Wittlich. Wittlich wirbt mit 1500 kostenfreien Parkplätzen im Zentrum. 26 davon sind auf dem Rommelsbachparkplatz für Frauen reserviert. Sie sollen deren Sicherheitsgefühl stärken und tätliche Übergriffe wie im Extremfall eine Vergewaltigung verhindern. Das Extra-Parkangebot blockieren jedoch viele Männer. Knöllchen müssen diese aber nicht befürchten. Moritz Mais

Wittlich. In der Mitte des Rommelsbach-Parkplatzes nahe dem Stadtzentrum gibt es seit den 1990er Jahren 26 Frauenparkplätze. Egal zu welcher Tageszeit: Sie liegen günstig und sind meist belegt. So zum Beispiel mit dem Wagen einer Pleinerin, die die Plätze gezielt anfährt und häufig nutzt, denn: "Sie sind nützlich und sehr sinnvoll für Frauen."
Auch Andrea Fritsche (50) steuert sie oft an. Die Salmtalerin sagt: "Zum Bummeln ist das sehr praktisch, weil es auch noch kostenlos ist." Sie glaubt, dass das Angebot groß genug ist, und ist zufrieden damit. Die gut einsehbare Lage macht besonders in den Abendstunden Sinn: Am inneren Rand des Parkplatzes und nahe den Straßenlaternen bieten die Plätze mehr Sicherheit als jene, die weitab am Rand im Dunkeln liegen. Und bei Dunkelheit fühlen sich Frauen oft unsicher. Zu Recht. Denn auch in Wittlich gibt es Gewalt gegen Frauen. Schlimmster Fall der jüngsten Vergangenheit: Am Pfingstsamstag vergewaltigte ein Unbekannter eine 20-Jährige im hinteren Teil des Parkplatzes. Ihr Wagen stand in der Nähe des ehemaligen Bouleplatzes, weit weg von den Frauenparkplätzen.
Deren Lage ist den Befragten wichtig. Ellen Kuschina (51) aus Kröv sagt: "Besonders abends fühle ich mich hier sicherer als in den hinteren Ecken des Platzes. Denn von hier aus kann man besser auf sich aufmerksam machen." Doch auch Männer parken gerne zentrumsnah. Auf TV-Nachfrage wollten sich drei von ihnen unmittelbar nach dem Abstellen ihres Wagens nicht dazu äußern, warum sie gerade den Frauenparkplatz benutzen.
Vielleicht wissen sie, dass das nicht gerade die sogenannte feine englische Art ist, aber weiter keine Folgen für sie hat. Denn Männer begehen keine Ordnungswidrigkeit, wie man vermuten könnte. Der Grund: Frauenparkplätze sind nicht Teil der Straßenverkehrsordnung. Deshalb kann das Ornungsamt der Stadt keine Knöllchen an die Männer auf den Frauenparkplätzen verteilen. Manche von ihnen wissen ohnehin nicht, was sie da tun. "Ich hab\' das Schild gar nicht gesehen, dabei bin ich Wittlicher und parke sehr oft auf dem Parkplatz. Aber ich wusste bis jetzt trotzdem nicht, dass es so was gibt", sagt ein Autofahrer überrascht.
Außerdem wäre ihm nicht jede Fahrerin böse. Andrea Fritsche zum Beispiel reagiert tagsüber gelassen auf die "Falschparker", fordert jedoch, dass die Parkplätze abends oder im Winter ausschließlich für Frauen sein sollten. Manche würden sogar etwas für das Extra-Angebot zahlen. Womöglich spricht der Stadtrat nach seiner Sommerpause auch über dieses Thema, wenn er sich mit Gebühren für Wittlichs Parkplätze beschäftigen wird.
"Es wird eine Vereinheitlichung der Parkzeitregelung auf allen öffentlichen Parkplätzen angestrebt", sagt Ulrich Jacoby, der Pressesprecher der Stadtverwaltung. Die sogenannten Parkgroschen betreffen Frauen wie Männer.
Dazu meint eine Befragte: "Ich würde für den Parkplatz nichts zahlen, denn Wittlich hat eh schon wenig Kunden im Einzelhandel und durch eine Gebühr würde das sicherlich nicht mehr." Andrea Fritsche hat einen anderen Vorschlag: "Ich finde eine Kombination wie in anderen Städten gut: Wenn man zum Arzt muss oder etwas gekauft hat, dann stempelt man danach die Karte ab und muss nichts bezahlen." Sonst antworteten alle Befragten, dass sie auch etwas zahlen und den Parkplatz weiterhin nutzen würden.Extra

Lange gibt es sie noch nicht, in der Straßenverkehrsordnung sind sie nicht vorgesehen, und trotzdem findet man sie fast überall: Frauen- oder Mutter-Kind-Parkplätze. Diese besonders gekennzeichneten, hellen und breiteren Stellplätze für Frauen werden viel genutzt. Oft sind sie auch von Kameras überwacht. Sie liegen in gut ausgeleuchteten Bereichen von Parkhäusern, direkt am Ausgang oder nahe einer gut befahrenen Straße auf öffentlichen Parkplätzen wie in Wittlich. All das soll die Frauen insbesondere vor sexuellen Übergriffen schützen und ihr Sicherheitsgefühl stärken. mom