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Barrierefreiheit
85-Jähriger kritisiert „mangelhafte Barrierefreiheit“ in Wittlich

Hans-Günther Heinz, Landtagsvizepräsident a.D. und Ehrenbürger Wittlichs, appelliert an den Stadtrat und die Verwaltung, die Barrieren im Stadtgebiet Wittlich weiter abzubauen.
Hans-Günther Heinz, Landtagsvizepräsident a.D. und Ehrenbürger Wittlichs, appelliert an den Stadtrat und die Verwaltung, die Barrieren im Stadtgebiet Wittlich weiter abzubauen. FOTO: Christian Moeris
Wittlich. Hans-Günther Heinz ist auf einen Rollator angewiesen. Der 85-Jährige prangert die „mangelhafte Barrierefreiheit“ in der Kreisstadt Wittlich an. Von Christian Moeris

Die Stadt Wittlich ist, wenn man den Ausführungen von Hans-Günther Heinz lauscht, ein gefährliches Pflaster. Denn bei seinen täglichen Spaziergängen durchs Stadtgebiet, die der 85-Jährige stets auf einen Rollator gestützt unternimmt, stößt er immer wieder auf „halsbrecherische Hindernisse“, wie er sagt.

Das Problem Heinz ärgern insbesondere die hohen Bordsteine, „die für gehbehinderte ältere Menschen mit Rollator sowie Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen echte Barrieren darstellen.“ Das seien verkehrstechnische Gefahrenstellen, meint Heinz. „Das führt zu gefährlichen Situationen: Wenn man vom Bordstein auf die Straße möchte, kann man sich mit Hilfsmitteln wie dem Rollator oder dem Kinderwagen leicht nach vorne überschlagen.“ Wer auf der Straße stehe und den hohen Bordstein nicht überwinden könne, der sei schutzlos den Gefahren des Straßenverkehrs ausgesetzt, sagt Heinz.
Insbesondere die Bordsteine an den beiden Lieserbrücken, die zum Rommelsbachparkplatz und zur Trierer Landstraße führen, seien extrem hoch, meint der 85-Jährige. „Warum kann man die Kanten der hohen Bordsteine nicht brechen und so für eine flächendeckende Barrierefreiheit sorgen?“

Da auf der Lieserbrücke nahe des Parkplatzes Rommelsbach täglich viele Passanten unterwegs seien, könne dieser Zustand doch nicht länger hingenommen werden, meint der 85-Jährige.

„Ich appelliere an die Verwaltung und den Stadtrat, diese Gefahrenstellen zu beseitigen, damit Unfälle vermieden werden!“

Das sagt die Stadt Der Trierische Volksfreund hat die Stadtverwaltung Wittlich um eine Stellungnahme gebeten. Hat die Kreisstadt auch nach Einschätzung der Verwaltung Mängel in der Barrierefreiheit? Oder kann die Stadt die Kritik des Ehrenbürgers entkräften? Pressesprecher Rainer Stöckicht erklärt: „Bordsteinanlagen dienen einem vielschichtigen Zweck.“ Zum einen gewinne der hohe Bordstein durch die aktuellen Starkregenereignisse wieder an Bedeutung, da er bei der Entwässerung für die Wasserführung benötigt werde. Stöckicht: „Des Weiteren dienen  sie der Sicherheit von Fußgängern, insbesondere im Bereich von Kurven, damit  Fahrzeuge – insbesondere mit längerem Radstand oder Anhänger - nicht über die Gehwege fahren.“ Vor allem auf Brücken seien hohe Gehwegkappen zwingend notwendig um Fahrzeuge abzubremsen, die versehentlich von der Fahrbahn abkommen und anschließend von der Brücke stürzen könnten. In Bereich der Kreuzung Feldstraße/Altstadtbrücke, wo Heinz die Straße gerne zu seinem Café kreuzt, seit es aus Gründen der Verkehrssicherheit gar nicht erwünscht, dass Fußgänger im Kreuzungsbereich die Straße überqueren. Fußgänger sollten stattdessen den nahegelegenen Zebrastreifen aufsuchen, der nur wenige Meter entfernt liege, und dort die Straße queren. „Hier dient der kleine Umweg auch der Sicherheit!“

Dennoch räumt die Stadtverwaltung ein, dass es im Stadtgebiet einige Stellen gebe, die in Hinsicht auf Verkehrsteilnehmer mit eingeschränkter Mobilität noch nicht optimal seien. Stöckicht: „Diese werden nach und nach verbessert, für konstruktive Hinweise ist die Stadtverwaltung dankbar.“

Die Reaktion Rollatorfahrer Heinz sagt, die Erklärungen der Stadtverwaltung könne seine Kritik an der „mangelhaften Barrierefreiheit“ in Wittlich nicht entkräften. „Die Bordsteinhöhen sind zu gravierend. Auch die scharfen Kanten sind derart gefährlich, dass man sich die Knochen bricht, wenn man da runterpurzelt.“ Deshalb appelliere er weiterhin an Stadtrat und Verwaltung „diese Gefahrenstellen alsbald abzustellen“.

Ehrenbürger Hans-Günther Heinz
Ehrenbürger Hans-Günther Heinz FOTO: Christian Moeris