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Als Abt Auwach entführt wurde

Ein Denkmal ehemaliger Volksfrömmigkeit: die Wallfahrtskirche Heinzerath bei Olkenbach. Foto: privat
Ein Denkmal ehemaliger Volksfrömmigkeit: die Wallfahrtskirche Heinzerath bei Olkenbach. Foto: privat
Bausendorf-Olkenbach. Ein prächtiger figurenreicher Steinaltar schmückt die kleine Wallfahrtskirche Heinzerath bei Olkenbach. Gestiftet hat ihn der Springiersbacher Abt Johann Friedrich Auwach. Seine Geschichte ist mit dem Kloster Springiersbach verbunden. Erwin Schaaf

Bausendorf-Olkenbach. Wo der Alfbach aus den Waldschluchten der Eifel in die Ebene des Alftals mündet, steht in stiller Einsamkeit nahe Olkenbach das uralte Kirchlein Heinzerath, umgeben von einem Friedhof. Das Dörfchen, zu dem das Kirchlein einst gehörte, ist im Dreißigjährigen Krieg an der Pest ausgestorben und restlos verschwunden.
Wer durch das Portal im Westturm in den wuchtigen Innenraum der Kirche eintritt, steht staunend vor einem prächtigen figurenreichen Steinaltar und fragt sich, wie dieses feine Kunstwerk in das rustikale Kirchlein gekommen ist.
Dorf geschichte(n)


Eine Inschrift in lateinischer Sprache am Fuß des Altars teilt mit, dass der Springiersbacher Abt Johann Friedrich Auwach von Wittlich, unterstützt von dreien seiner adligen Freunde aus der Eifel, den Altar gestiftet hat. Dieser ist im Stil der Spätrenaissance gestaltet und stammt ohne Zweifel aus der Werkstatt des berühmten Trierer Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann. Die zwischen Säulen und Pilastern stehenden Statuen der Jungfrau Maria, des heiligen Bartholomäus und der heiligen Barbara bestimmen das reich dekorierte Bild des Altars, der um 1610 aufgestellt worden ist.
Ein sehr frommer Mann


Was den Abt Auwach bewogen hat, diesen prächtigen und gewiss auch teuren Altar ausgerechnet dem unscheinbaren Kirchlein Heinzerath zu stiften, wissen wir nicht. Kein Dokument lässt sich finden, das Auskunft geben könnte.
Also müssen wir in die Zeit- und Lebensverhältnisse des Abtes eintauchen, um eine Antwort zu suchen. Abt Auwach leitete die adlige Augustiner-Chorherrenabtei Springiersbach von 1593 bis zu seinem Tod 1621. Es war für ihn, der wegen seiner Frömmigkeit gerühmt war, eine schwere Zeit, da er in dauernde innere Auseinandersetzungen mit dem verweltlichten Konvent seines Klosters verwickelt war und sich nach außen hin heftiger Bedrängung durch die protestantischen Sponheimer Landesherren des Kröver Reichs, in dem die Abtei gelegen war, erwehren musste.
Um sich der Abtei zu bemächtigen, scheuten die Sponheimer nicht davor zurück, den Abt in Enkirch zu kidnappen und so lange gefangen zu setzen, bis er eine Unterwerfungsurkunde unterschrieb, die er nach seiner Freilassung jedoch sofort widerrief. Für seine Glaubensfestigkeit belohnte ihn der Papst 1606 auf Bitten des Trierer Erzbischofs mit dem Privileg, als erster Springiersbacher Abt die Mitra tragen zu dürfen.
Ein erbauliches Geschenk


Es ist denkbar, dass Abt Auwach aus einem Gelübte, abgelegt zur Rettung aus einer Notlage, und/oder aus Dankbarkeit für das Mitra-Privileg den Heinzerather Altar gestiftet hat. Wenn er sich für das kleine Kirchlein am Alfbach entschied, erklärt sich das wohl daraus, dass dieses Gotteshaus schon zu seiner Zeit eine vielbesuchte Wallfahrtskirche gewesen ist. Hier wurde der heilige Bartholomäus als Schutzpatron der für Bauern und Winzer lebensnotwendigen Haustiere verehrt. An seinem Festtag, dem 24. August, strömten von der Mosel und aus der Eifel zahlreiche Pilger nach Heinzerath; um 1900 berichten die Zeitungen von bis zu 4000. Vermutlich sollte der Auwach-Altar ein erbauliches Geschenk für die Bartholomäuspilger sein.
Der fromme Brauch, nach Heinzerath zu pilgern, hat sich bis in die 1970er Jahre gehalten. Als Denkmal ehemaliger Volksfrömmigkeit und als Heimstätte wertvoller Kunstwerke, nicht nur des Auwach-Altars, steht das Kirchlein auch heute noch hoch in Ehren und wird wie ein Kleinod behütet. Lohnenswert ist ein Besuch in Heinzerath.