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Bauer macht aus Gülle Strom und Wärme

Land- und Energiewirt Frank Mertes und Marco Wenske von agriKomp (von links) im Gespräch vor der Biogasanlage. TV-Foto: Eileen Blädel
Land- und Energiewirt Frank Mertes und Marco Wenske von agriKomp (von links) im Gespräch vor der Biogasanlage. TV-Foto: Eileen Blädel
Salmtal. Milchbauer Frank Mertes ist jetzt auch Energiewirt: Seit gut einem Monat hat er auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb in Salmtal eine Biogasanlage in Betrieb. Die produziert aus Gülle Strom und Wärme. Eileen Blädel

Salmtal. Es sei wie mit der Kuh, erklärt Frank Mertes. "Wenn sie Futter hat, ist das schon mal die Hauptsache." Der Bauer spricht von seiner Biogaskleinanlage. Und die füttert er hauptsächlich mit dem, was seine Tiere über den Tag verteilt wieder loswerden: mit Gülle und Mist. In kleinen Anteilen auch mit Futterresten.
Also Gülle - und nicht etwa der umstrittene Mais - ist auf Mertes\' Hof Rohstoff für die Energieerzeugung. Und produziert Strom und Wärme. Ausgestattet mit einem Motor mit einer Leistung von 75 Kilowatt, erzeugt die Anlage bis zu 610 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr - ausreichend für bis zu 200 Haushalte.
Größtenteils automatisiert



"Gülle ist ein wertvolles Gut", sagt Mertes. Eines, das ihm dank seiner Biogasanlage nicht verloren geht: Er versorgt damit auf seinem Hof zwei Wohnhäuser und eine Werkstatt. "Es bleibt bei uns im Betrieb: Das ist wie ein Kreislauf." Allzu viel Arbeit hat Mertes damit auch nicht, denn die Anlage läuft größtenteils automatisiert. Mit 120 Kühen und den Nachzuchten hat der Landwirt ja schon genug zu tun.
Er hätte auch in mehr Kühe investieren können, sagt er, entschied sich aber für das zweite Standbein in der Energiewirtschaft. Die ausschlaggebenden Argumente: Der niedrige Milchpreis auf der einen Seite, auf der anderen die Investitionssicherheit, die ihm das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bietet. Dieses garantiert ihm 24,5 Cent pro Kilowattstunde - auf 20 Jahre.
Und weil er sowieso ein neues und größeres Güllelager brauchte, ließ er das gleich zusammen mit der Biogasanlage auf seinem Hof errichten. Insgesamt hat er dafür etwa 620 000 Euro investiert. Die Anlage, die je nach Ausführung etwa 550 000 Euro kostet, wurde quasi fertig auf den Hof geliefert: Im Werk vorgefertigt, musste sie nur noch an das Güllesystem vom Stall angeschlossen werden. "Innerhalb von sechs Wochen war alles betriebsbereit", sagt Mertes. Seine Biogasanlage in Salmtal ist die dritte ihrer Art in Rheinland-Pfalz. In Brachtendorf (Landkreis Cochem-Zell) und in Herschberg in der Südwestpfalz steht das gleiche Modell, hergestellt von der Firma agriKomp. 700 Biogasanlagen hat das Unternehmen bis heute größtenteils in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland, verkauft. Regionalvertriebsleiter Marco Wenske erklärt: "Wir sind überzeugt von einer dezentralen Stromversorgung für Deutschland. Wenn die kleinen Anlagen vernetzt werden, könnten sie die großen Kraftwerke ersetzen." Und auch Mertes hat die Zukunft im Blick: Der 45-Jährige, der den Hof seines Vaters vor zehn Jahren übernommen hat, hat selbst drei Söhne.