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Bauprojekt am ehemaligen Missionshaus bewegt die Wittlicher

150 Bürger, von denen sich 25 zu Wort melden, dazu Informationen von Bürgermeister und Investor: Kommunikativ war die Einwohnerversammlung in St. Paul. Die Mehrheit begrüßt die Pläne zur künftigen Nutzung des ehemaligen Missionsgeländes und dessen Umgebung. Einige dagegen tun sich schwer mit den Bauvorhaben im Außenbereich. Von unserer Redakteurin Sonja Sünnen

Wittlich. Auf dem Altar steht ein Laptop. Die Kirchenbänke ringsum füllen sich. Die Menschen blicken nicht auf die von Werner Persy gemalte Geschichte des Apostels Paulus hinterm Altar, sondern auf eine Leinwand. Sie füllt der Rechner mit Bildern, Zahlen, Schrift: Mit dem Computer können alle in die Zukunft schauen, und genau die interessiert die 150 Besucher.

Sie wollen sich über die Pläne auf dem 27 Hektar großen Gelände informieren, das alle nennen wie den Namensgeber des Gotteshauses: St. Paul. Die Frage ist für manchen: Sind die Investorenpläne zur Zukunft von St. Paul nebst Umgebung vereinbar mit städtebaulichen Grundsätzen, die klar eine Konzentration auf die Innenentwicklung fordern und eben keine neue Bebauung außerhalb bestehender Orte?

Wohnbebauung ist von Interesse



Dabei richtet sich die Kritik besonders auf die Fläche, die für Wohnbebauung für bis zu 400 Menschen gedacht ist und bislang unter dem Stichwort "Mehrgenerationendorf oder -park" lief. Genau dieser Begriff fällt am Donnerstagabend zunächst lange nicht. Planer Hans-Peter Stolz spricht jetzt lieber von "Projektentwicklung mit Nutzern und individueller Bebauung" und Investor Hans-Jürgen-Lichter von "modernen Wohnformen". Das betrifft im zweiten Bauabschnitt, über den der Stadtrat noch zu entscheiden hat, laut Stolz 8,2 Hektar (brutto).

Zudem gehören 5,6 Hektar für die geplante Klinik für traditionelle chinesische Medizin dazu. Die meisten der rund 25 Fragen der Bürger beschäftigen sich mit der Wohnbebauung. Die einen kritisierten das "Neubaugebiet auf der grünen Wiese", das nicht dem Flächennutzungsplan entspreche, die anderen lobten das Konzept - auch in seiner Gesamtschau - als zukunftsweisend. Um die nicht vorgesehene Wohnbebauung und ihre möglichen Folgen abzumildern, kommt der Vorschlag, andere noch zur Bebauung vorgesehene Flächen wieder heraus zu nehmen. Deutlich wird auch, dass ´durch den Mix der weiteren neuen Nutzungen, die Infrastruktur auf der Gesamtfläche, genau diese Form des Wohnens keineswegs in irgendeinen Ortskern übertragbar ist.

"Anderswo wäre der Witz weg", sagt dazu Planer Stolz. Eine Zuhörerin sagt: "Wir haben in Oldenburg händeringend nach Investoren für so ein Projekt gesucht. Wittlich kann sich nur glücklich schätzen." Sie erhält Applaus.

EXTRA

PROJEKT ST. PAUL



Pläne: Pforte zu Eifel und Mosel nennt Hans-Jürgen Lichter St. Paul. Im Bau ist der 25 000 Quadratmeter Klostergarten, ins Ex-Missionshaus ziehen ein Arzt, ein Physiotherapeut, ein Psychologe, eine Apotheke, ein Sanitätshandel sowie die Kreishandwerkerschaft ein. Dazu entsteht ein Vier-Sterne-Hotel mit 50 Zimmern/Suiten plus Restaurant und Wellnessbereich, dahinter ein weiteres Restaurant mit Vinothek und Biergarten. Die Seniorenresidenz mit 98 Betten ist im Bau ebenso wie Pfadfinderhaus. Die Landwirtschaft ist neu für zehn Jahre an die JVA vermietet. Bald soll im Ex-Schwesternwohnheim das Kinderhaus für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen eröffnet werden, ein Tierarzt hat 1300 Quadratmeter gekauft, eine Kita ist geplant. Im zweiten Bauabschnitt entsteht das Wohngebiet nebst TCM-Klinik. sos