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Bei "Anna Juppes" geht's weiter

Ein vertrautes Bild. Leo Konrad, dessen Frau Marlene das Geschäft bis Anfang des Jahres führte, an der Kasse. Am 31. Juli machte er die letzte Abrechnung. Angela Simon führt das Geschäft unter neuem Namen ab heute weiter. TV-Foto: Martina Klein
Ein vertrautes Bild. Leo Konrad, dessen Frau Marlene das Geschäft bis Anfang des Jahres führte, an der Kasse. Am 31. Juli machte er die letzte Abrechnung. Angela Simon führt das Geschäft unter neuem Namen ab heute weiter. TV-Foto: Martina Klein
Ein Lebensmittelgeschäft in einem kleinen Ort wie Minderlittgen hat schon seltenheitswert. 1931 eröffneten Anna und Karl Konrad ihr "Kolonialwaren-geschäft Konrad", das bis heute besteht. Von unserer Mitarbeiterin Martina Klein

Minderlittgen. Auf den Dörfern hatten die meisten Familien und deren Häuser früher "Hausnamen". Wenn man zum Lebensmittelgeschäft Konrad wollte, dann ging man zu "Anna Juppes". Zuckersteinchen für einen Pfennig, Hefe für fünf Pfennig, Schulbücher und Pinnen (dicke Schuhnägel) konnte man früher dort kaufen.

"Im Laden stand auch eine Tonne mit frischen Heringen. Verlangte ein Kunde nach Fisch, hatte es plötzlich niemand mehr eilig, ihn zu bedienen", erinnert sich Josef Konrad, der Sohn, mit einem Augenzwinkern an den typischen Geruch. 1931 gründete Anna Konrad mit ihrem Mann Karl das "Kolonialwarengeschäft Karl Konrad". "Meine Mutter war eine Geschäftsfrau bis in die Haarspitzen", so Josef Konrad weiter.

Bis 1957 befand sich der Laden in einem Zimmer im Haus. Im gleichen Jahr baute Karl Konrad, ein Stellmacher, eine neue Werkstatt. Die alte, die sich unmittelbar am Haus befand, wurde umgebaut, und das Geschäft zog dort ein.

Hier findet man auch heute noch den 40 Quadratmeter großen Laden. Ab 1973 pachtete Familie Graf für etwa 17 Jahre das Geschäft, bis es dann 1990 von Marlene Konrad, die den Laden leitete, und ihrem Mann Leo Konrad weitergeführt wurde. Außer Kurzwaren fand der Kunde von frischen Äpfeln bis Zeitungen alles, was man zum Leben braucht. Täglich gab es frisches Brot und Brötchen. "Samstags gingen mehr als 400 Brötchen weg", so Leo Konrad.

Schnell- und Fertiggerichte, von der jüngeren Kundschaft oft gewünscht, bot Konrad eher weniger an, dafür fast alles für die frische Zubereitung.

Am 31. Juli war der letzte Tag für Leo Konrad, der den Laden zum Schluss allein weiter führte. Leicht war diese Entscheidung nicht, sagt Konrad, aber er freut sich auf seinen verdienten Ruhestand.

Die Kunden können aber weiterhin in Minderlittgen einkaufen gehen. Ab heute übernimmt Angela Simon das Geschäft.

Auch Hildegard Schmitt, langjährige Mitarbeiterin, bleibt den Kunden erhalten.