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In Wittlich bekommen alle etwas

FOTO: klaus kimmling
Wittlich. Bei den Tafeln in der Säubrennerstadt und in Cochem gibt es keinen Aufnahmestopp für Ausländer.

(red/will) „Die Bedürftigkeit der Person zählt – nicht die Nationalität oder Religion!“ Unter diesem Motto verfährt die Wittlicher Tafel derzeit bei der Ausgabe der Lebensmittel. Hintergrund ist die derzeit deutschlandweite Diskussion um die Vorgehensweise der Essener Tafel, die einen Aufnahmestopp für ausländische Mitbürger verhängt hat (der TV berichtete mehrfach).

Frank Zenzen, Direktor des Caritasverbands Mosel-Eifel-Hunsrück, der Träger der Tafel in der Säubrennerstadt ist, warnt davor, die Vorgänge in Essen pauschal zu verurteilen: „Wir kennen weder die genauen Hintergründe der Entscheidung noch die Gegebenheiten vor Ort, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Unsere beiden Tafeln in Cochem und Wittlich werden gegenwärtig nicht vor solche Entscheidungen gestellt.“

Die Organisationsform der beiden Tafeln ist so gestaltet, dass zurzeit noch alle Tafelkunden bedient werden können. „Alle erhalten eine Berechtigungskarte mit einer Ausweisnummer. Diese Ausweisnummer ist am Ausgabetag einer bestimmten Gruppe und Uhrzeit zugeordnet, die sich von Woche zu Woche ändert, so dass die Tafelkunden mal früher und mal später an der Reihe sind. So verhindern wir lange Warteschlangen und stellen eine gerechte Verteilung der Lebensmittel auf Dauer sicher“, sagt Anja Adam, Leiterin der Wittlicher Tafel. Selbst in der Zeit des großen Zustroms der Asylbewerber auch in die Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell gelang es, alle bei der Tafel Hilfesuchenden mit Lebensmitteln zu versorgen. Es gab in dieser Zeit dann allerdings mehr Gruppen – mit der Folge, dass jede Gruppe zweimal im Monat aussetzen musste.

Diese Ausnahmesituation ist beendet; momentan nutzen rund 350 Haushalte die Wittlicher Tafel. Bei knapp der Hälfte handelt es sich zurzeit um ausländische Mitbürger.

Frank Zenzen: „Grundsätzliches Kriterium zur Nutzung der Tafel war und ist die Bedürftigkeit der Personen –  unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit.“

„Ein Lob geht deshalb auch an unsere Tafelkunden, die verstanden haben, dass das Teilen der Lebensmittel mit anderen Bedürftigen ein Grundprinzip des Tafelgedankens ist“, sagt Anja Adam. Auch den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zollt sie großen Respekt, die sich Woche für Woche diesen Herausforderungen stellen.

„Einen Verdrängungseffekt, wie ihn die Essener Tafel beschrieben hat, gibt es in dieser Form bei der Cochemer und Wittlicher Tafel nicht und wir setzen alles daran, dass dies in Zukunft auch so bleiben wird“, sagt  Zenzen.