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Bettenfelder Jagd-Modell ist gescheitert

 Jäger müssen bestimmte Quoten erfüllen, damit der Wildbestand in einem Revier nicht übermäßig wächst. Damit sollen Wildschäden vermieden werden. Foto: dpa
Jäger müssen bestimmte Quoten erfüllen, damit der Wildbestand in einem Revier nicht übermäßig wächst. Damit sollen Wildschäden vermieden werden. Foto: dpa
Bettenfeld. 21 500 Euro Kosten könnten auf die Gemeinde Bettenfeld zukommen. Das wäre ihr Anteil an den Schulden der Jagd. Die Kommune musste diese in den vergangenen zwei Jahren in Eigenregie betreiben, da sie keinen Pächter finden konnte. Das war Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Hans-Peter Linz

Bettenfeld. Es war ein Modell, das aus der Not heraus geboren wurde: Die Gemeinde Bettenfeld, die mit einem außerordentlich hohen Waldbestand bestückt ist, musste vor zwei Jahren die Jagd selbst in die Hand nehmen. Ursache war der Rückzug des ehemaligen Jagdpächters. Damals hatte sich kein Nachfolger gefunden, da in Bettenfeld hohe Wildschäden anfallen. Wildschäden entstehen, wenn Tiere landwirtschaftliche Flächen verwüsten. Dafür ist der Jagdpächter verantwortlich und muss den Landwirten Schadensersatz zahlen.Erlös für Schäden und Jagdleiter

Deshalb entwickelten die Bettenfelder das Modell einer Regiejagd, die in Form einer Jagdgenossenschaft betrieben wurde. Die Gemeinde beauftragte einen Jagdleiter, Albert Stobbe aus Nordrhein-Westfalen, für interessierte Jäger Begehungsscheine auszustellen. Damit erwerben die Jäger die Erlaubnis, Wild zu schießen. Mit dem Erlös sollten die anfallenden Wildschäden und der Jagdleiter bezahlt werden. Das Modell war für einen Zeitraum von drei Jahren befristet. Ortsbürgermeister Meuers sagt dazu: "Es ging uns darum, den Tierbestand so herunterzufahren, dass die Wildschäden abnehmen, um langfristig wieder einen Pächter für die Jagd zu finden." Allerdings waren die Voraussetzungen nicht günstig. "Um die Jagd selbst zu übernehmen, mussten wir allein für 32 000 Euro neue Hochsitze anschaffen", sagt Meuers. Zumindest sei es gelungen, den Wildbestand herunterzufahren, erklärte der Ortsbürgermeister in der Gemeinderatssitzung. Die Abschusspläne seien im vergangenen Jahr annähernd erfüllt worden. Soweit die guten Nachrichten, denn Meuers musste auch mitteilen, dass das Modell der Bettenfelder Jagd keineswegs kostenneutral geblieben ist. Im Jagdjahr 2013/14 (ein Jagdjahr geht immer vom 1. April bis zum 31. März des Folgejahres) und im noch laufenden Jagdjahr 2014/15 seien in der Jagdgenossenschaft insgesamt Kosten von etwa 43 000 Euro angefallen, die von den Einnahmen nicht gedeckt werden konnten. Darin sind die Bezahlung von Wildschäden und die Kosten für die Jagdleitung enthalten. Aus dem Rat kam daraufhin die Frage, wie mit diesem Fehlbetrag umgegangen werden soll. Dazu sagte Wolfgang Schmitz, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Wittlich - Land: "Der Rat hatte damals richtig entschieden. Wir hatten überproportional hohe Wildschäden. Das Ziel war es, das Revier so zu bearbeiten, das es wieder verpachtet werden kann." Das Defizit von 43 000 Euro müsse ausgeglichen werden. Wie Reinhold Meuers auf TV-Nachfrage erläutert, könnte der Betrag auf Gemeinde und Jagdgenossenschaft aufgeteilt werden. Hintergrund ist, dass die gesamte Bettenfelder Jagd aus Gemeindewald und Privatgrundstücken besteht. Das wären bislang 21 500 Euro, die letztlich im Gemeindehaushalt verbucht werden müssten und weitere 21 500 Euro, die die Jagdgenossenschaft übernehmen müsse. Sei diese zahlungsunfähig, müssten die einzelnen Jagdgenossen, also die Grundstückseigner, bezahlen. Aber das Jagdjahr sei noch nicht zu Ende, so der Ortsbürgermeister, und es gebe bereits Interessenten, die die Jagd pachten möchten: Albert Stobbe und zwei weitere Jäger. HPMeinung

Gute Bedingungen aushandelnAls das Projekt startete, war ungewiss, wie es letztlich ausgeht. Niemand konnte voraussehen, ob sich genügend Jäger finden, die in Bettenfeld auf die Pirsch gehen. Deshalb kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden. Vor Abschluss eines neuen Pachtvertrages sollten nun gute Bedingungen ausgehandelt werden - insbesondere in Hinblick auf die Haftung für alle anfallenden Wildschäden. Jetzt gilt es, Pflöcke einzuschlagen, um weitere finanzielle Belastungen von der Gemeinde fernzuhalten. hp.linz@volksfreund.de