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Bitburg auf dem Weg des Erinnerns

Bitburg. Zum Gedenken an die Ermordung jüdischer Mitbürger: Der Stadtrat hat sich einstimmig dafür entschieden, dass die Gedenkstelle mit Bronzeband und Stele des Bildhauers Sebastian Langner aus Wittlich realisiert wird. Maria Adrian

Bitburg Die Stadt Bitburg hat nun ihre Form des Gedenkens an die Opfer des Holocaust gefunden. Der obere Bereich am Markt, der zurzeit als Parklatz dient und nicht gerade zum Verweilen einlädt, soll zur Gedenkstelle für die jüdischen Bürger Bitburgs werden, die von Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Der Platz, der ohnehin neu gestaltet wird, eigne sich besonders gut, weil er früher Marktplatz und zentraler Treffpunkt für alle Bitburger war, so Bildhauer und Steinmetz Sebastian Langner, der seinen Entwurf dem Stadtrat präsentiert. Nach den Vorstellungen des Künstlers wird ein 9,5 Meter langes und 30 Zentimeter breites Bronzeband in den Boden eingelassen, dass sich dann zwischen den Bäumen zu einer 1,5 Meter hohen Stele "aufrichtet".
Das Band ist von einem Riss durchzogen, der sich auch in der Stele fortsetzt. Dem Künstler schwebt auch eine zweifarbige Pflasterung vor, die einen Teil des Platzes umgrenzt. Der Riss schneidet den spitzen Teil des Bereiches ab und kann laut Langner als willkürliche Abspaltung, Ausgrenzung, gewalttätige Abbruch und Absonderung einer Minderheit von der Mehrheit empfunden werden.
Der Riss könne auch als Symbol des historisch erfolgten Zivilisationsbruchs verstanden werden wie in dem Zitat: "Die Decke der Zivilisation ist eine dünne Haut, die jederzeit reißen kann".
Ratsmitglied Rudolf Rinnen (Liste Streit) regt in der Sitzung an, dieses Zitat in das Denkmal einzubinden. Langner würde lieber darauf verzichten, weil damit das Planmäßige des Holocaust nicht deutlich werde. Auch werde das Zitat mehreren Personen zugeschrieben. Am Riss entlang werden Begriffe zu lesen sei wie verachtet, entrechtet, vertrieben und zuletzt: ermordet - am Fuß der Stele mit den Namen der Ermordeten. Auch eine Menora (siebenarmiger Leuchter) wird auf der Stele angedeutet.
"Die alten Bäume sollen erhalten bleiben und sind auch inhaltlich einbezogen. Es wächst auf beiden Seiten etwas, das sich mit den Kronen berührt und somit eine Brücke bildet", erklärt Langner. Er schlägt vor, eine halbhohe Hecke zur stark befahrenen Straße hin zu pflanzen. Parken wird am unteren Rand des Platzes möglich sein. Eine Befahrbarkeit zur Garage oder zum Be- und Entladen bleibe erhalten.
Ratsmitglied Stephan Garçon (SPD) hat zwei Einwände zum Entwurf. Zum einen sei das Mahnmal nicht modern genug, es müsste zum Beispiel durch QR-Codes ergänzt werden mit Verweis auf die Website "Bitburg gedenkt".
"Man kann QR-Codes ergänzen, die Nachfrage danach ist aber sehr gering", antwortet der Künstler. Zudem erweise sich die moderne Technik oft als Dauerbaustelle. Das sieht auch Hermann-Josef Fuchs (Freie Bürgerliste, FBL) so. Er will keinen "modernem Schnickschnack".
Inge Solchenbach (FBL) ist begeistert von dem Entwurf und betont; der Platz muss sich dem Denkmal unterordnen, und der Arbeitskreis soll die Details klären, denn: "der Arbeitskreis macht gute Arbeit", findet Solchenbach. "Der Entwurf darf nicht verwässert werden", betont auch Waltraud Berger (Bündnis/Die Grünen). Michael Ludwig (CDU) ist angetan und angenehm überrascht von Langners Ideen. Auch er ist der Meinung, dass sich der Platz dem Mahnmal unterzuordnen habe.
Aus den Reihen der Grünen tauchte die Frage auf, ob denn die Frage nach Stolpersteinen nun ganz verworfen sei? Dazu meinte Garçon, dass das Mahnmal kein Ersatz sei für die Stolpersteine, es stehe ihnen auch nicht im Weg. Die Diskussion komme später, kündigte Garçon an, der auch Mitglied des Arbeitskreises ist.
Bürgermeister Joachim Kandels sagt, dass es einen starken Symbolcharakter habe, wenn sich die Bürger mit Spenden an der Finanzierung des Denkmals beteiligen. Dazu werde eine Haushaltsstelle eingerichtet. Es würden auch Spendenbescheinigungen ausgestellt. Er stellt den Entwurf schließlich zur Abstimmung. Und noch einhelliger als der Arbeitskreis "Aufarbeitung der Geschichte und Gedenken", der dem Entwurf Langners mit neun Stimmen zugestimmt hatte, bei einer Neinstimme, stimmten alle Stadtratsmitglieder für die Verwirklichung von Langners Ideen. Nach Auskunft von Projektleiter Ralf Mayeres von der Stadtverwaltung wird das 2019 geschehen, wenn der gesamte Platz neugestaltet wird.