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Bürger haben entschieden: Jetzt wird Wittlicher Parkplatz umgebaut

FOTO: Klaus Kimmling
Wittlich. Wittlichs erster Bürgerentscheid wird ab Dienstag, 6. Juni, in der Karrstraße umgesetzt. Insgesamt werden für die Umgestaltung des Geländes mehr als eine Million Euro kalkuliert, davon entfällt ein Drittel auf Deponiekosten. Sonja Sünnen

Hainbuchen so hoch wie das St.-Markus-Haus spenden entlang der Mauer Schatten. Wer will, nimmt auf den Bänken davor Platz. Daneben liegen in Längsrichtung zur Mittleren Kordel hin orientiert Parkplätze, und in Richtung Klosterstraße gegenüber stehen weitere Bäume. Hier wachsen Winterlinden himmelwärts. Soweit der Plan.

In Wirklichkeit liegt der Parkplatz Karrstraße schattenlos, staubig und buckelig so da, wie er einmal provisorisch hinterlassen wurde, nachdem die Markusschule, die einst hier stand, abgerissen war. Betonkübel stehen wie hingewürfelt am Rand. Dazwischen Autos. Schön ist anders. Per Bürgerentscheid haben die Wittlicher durchgesetzt, dass der Platz nicht bebaut wird.

Denn es gab schon viele Projekte: zuletzt Rat- beziehungsweise Wohn- und Geschäftshaus. Doch viele Wittlicher wollen es anders und setzten sich erfolgreich dafür ein, dass er als Parkplatz erhalten bleibt, jedoch in einer begrünten Form (der TV berichtete mehrfach).

Diese Idee umzusetzen, die zunächst nicht von der Stadtpolitik unterstützt wurde, die sich nun aber dem Bürgerwillen beugen musste, wird nun Wirklichkeit. Nach Pfingsten beginnen am Dienstag, 6. Juni, die Arbeiten. Der Platz wird zur Baustelle, komplett gesperrt und umgestaltet. Dorothea Jüttermann, Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens und Bürgerentscheids, die mit ihrem Modegeschäft auch direkte Anliegerin ist, sagt: "Ich denke, es ist gut, dass jetzt ein Anfang gemacht wird, das sollte schnellstmöglich durchgezogen werden. Und ich freue mich, wenn dann alles in Ordnung ist, nicht mehr nur Beton und Blech! Etwas Grün tut dem Platz gut. Ich denke, das wird sehr dekorativ."

Ein Problem für die nun anstehenden Arbeiten war unter anderem die Topografie: Das Gelände hat einen Buckel. Es muss viel Untergrund abgetragen werden, und der muss auf die Deponie. Das wird teurer als gedacht: Die Entsorgungskosten für den Boden, der als belastet gilt, sind zwischenzeitlich gestiegen.

Dazu sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage: "Es fallen etwa 3750 Kubikmeter Aushub an. Es handelt sich bei dem Abtrag überwiegend um Erdreich, das mit Bauschutt gemischt ist. Entsprechend der Klassifikation muss dieses Material auf einer zugelassenen Deponie entsorgt werden. Hinzu kommt, dass im Bereich des Abtrags auch noch eine alte teerhaltige Asphaltschicht vorhanden ist." Die reinen Baukosten lägen "auf etwas über einer Million Euro. Der Anteil an den Kosten für Aushub, Transport und Deponierung beträgt fast ein Drittel der Gesamtkosten." Das muss die Stadt aus eigener Tasche zahlen.

Zuschuss-Programme wie "Aktive Stadtzentren", mit denen die Innenstadt durch Finanzspritzen belebt werden soll, greifen nicht (der TV berichtete). Zunächst wird nun am Dienstag die Baustelle eingerichtet. Auch muss alles von der Beschilderung bis zu den Kübeln abgeräumt werden. "Mitte der Woche geht es dann mit den Aushubarbeiten weiter. Der öffentliche Parkplatz steht ab dann nicht mehr zur Verfügung", so Jan Mußweiler und: "Wir gehen von einer Bauzeit von vier Monaten aus, Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein." Dann können die zwölf Hainbuchen und vier Winterlinden wachsen, so hoch, wie der Plan sie schon jetzt zeigt.

Und das, was den Wittlichern so wichtig war, wird neu gestaltet zur Verfügung stehen: 70 öffentliche Parkplätze, davon drei behindertengerecht. Hinzu kommen 15 Parkplätze an der Klosterstraße, die laut Mußweiler verpachtet werden. Darüber hinaus gibt es drei private Parkplätze.

Einschränkungen während der Bauzeit


Der Platz bleibt bis vermutlich Ende September komplett gesperrt. Dadurch entfallen öffentliche Parkplätze. "Die privaten Stellplätze entlang der Klosterstraße stehen eingeschränkt zur Verfügung. Hierzu erfolgt eine Absprache mit den Anliegern", so die Stadtverwaltung. Die Baustellenzufahrt ist über die Karrstraße, die Abfahrt über Mittlere und Untere Kordel. Damit die LKW durchkommen, soll es zeitweise erweiterte Halteverbote geben. Für Fragen stehen die Stadtwerke Wittlich unter Telefon 06571/171850 zur Verfügung.