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Landwirtschaft
„Dagegen ist kein Kraut gewachsen“

Sie harren der Seuchen, die da kommen: Insgesamt 70 Bauern, Winzer und Jäger informieren sich im Kurhaus in Manderscheid über aktuelle landwirtschaftliche Themen. Die Afrikanische Schweinepest ist dabei immer wieder im Gespräch.
Sie harren der Seuchen, die da kommen: Insgesamt 70 Bauern, Winzer und Jäger informieren sich im Kurhaus in Manderscheid über aktuelle landwirtschaftliche Themen. Die Afrikanische Schweinepest ist dabei immer wieder im Gespräch. FOTO: Adrian Froschauer / TV
Manderscheid. 70 Landwirte, Winzer und Jäger haben den Vorträgen bei der Aschermittwochstagung des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich gelauscht. Aber eine Schweinerei überschattete alle Diskussionen. Von Adrian Froschauer

Wussten Sie, dass ein Kreiselgruber zur Reparatur von Wildschäden an Grünland wesentlich besser geeignet ist als ein Wiesenhobel? Klar, wird schon stimmen. So erklärt es zumindest Raimund Fisch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel. Wenigstens die 70 Bauern, Winzer und Jäger im Kurhaus im Manderscheid haben das verstanden und nicken zustimmend. Fisch spricht bei der Aschermittwochstagung des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich darüber, wie Landwirte ihre Böden wieder in Ordnung bringen können, wenn zum Beispiel Wildschweine sie aufgewühlt haben.

In erster Linie geht es bei der Tagung dieses Jahr um das (nicht so) liebe Vieh – nicht etwa um Kühe, Schafe und Hausschweine, sondern um Hirsche, Fasane und Wildschweine. Die zwei großen Themenbereiche der Tagung im Kurhaus in Manderscheid: Jagd und Wildschäden.

Neben Fisch halten drei andere Redner Vorträge: Herbert Metternich ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften (IGJG). Er wirbt für eine Mitgliedschaft in der IGJG und bittet darum, sich in Jagdgenossenschaften zu engagieren. Rechtsanwalt Marcus Hehn vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau stellt aktuelle Entwicklungen im Jagdrecht vor. Nina Weil, Justiziarin der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, beleuchtet hingegen das Thema Wildschäden aus juristischer Sicht.

Doch auch wenn es nicht ausdrücklich im Mittelpunkt der Tagung steht, ein Thema wird immer wieder angesprochen  – in den Vorträgen, in Publikumsfragen, in Diskussionen an den Tischen: die Afrikanische Schweinepest (siehe Info).

Vor allem Manfred Zelder, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich, warnt eindringlich: „Dagegen ist kein Kraut gewachsen, es gibt keinen Impfstoff, die Seuche ist sehr hartnäckig. Wenn sie hier ausbrechen sollte, dann haben wir Jahrzehnte damit zu kämpfen.“

Dieses Jahr sei ganz besonders viel Wild unterwegs, sagt Zelder. Dass die Wildschweinpopulation so stark ansteigt, liegt unter anderem an den milden Wintern der letzten Jahre. „Die vielen Tiere richten momentan massive Wildschäden an, vor allem im Grünlandbereich“, sagt Zelder. Dazu komme noch die aktuelle Seuchengefahr. Darum habe der Vorstand des Bauern- und Winzerverbandes beschlossen, bei der Tagung dieses Jahr den ganzen Tag den entsprechenden Themen zu widmen. „Mit unseren Rednern haben wir alle wichtigen Institutionen abgedeckt, die sich in irgendeiner Form damit beschäftigen.“

Ein Landwirt im Publikum hat gehört, dass bei einem Ausbruch der Schweinepest die Jagd im betroffenen Gebiet mehrere Monate verboten ist. Das stimmt so nicht, beruhigt Anwalt Hehn: „In den Notfallplänen ist ein Jagdverbot von zwei bis drei Wochen vorgesehen.“ Sinn des Jagdverbots sei, dass die Schweine an Ort und Stelle bleiben und nicht weiterziehen. In dieser Zeit soll dann ein Zaun um das betroffene Gebiet gezogen werden; dann beginnt die Jagd auf jedes Wildschwein innerhalb des Zauns.

Zelder sieht diese Pläne kritisch. Er glaubt nicht, dass ein Zaun die Ausbreitung tatsächlich aufhalten kann. Denn: „Die Schweine wandern auch ohne Jagd weiter, bevor der Zaun steht. Das zeigt meiner Meinung nach, wie dramatisch die Situation ist und wie hilflos die Politik damit umgeht.“

Was kann man stattdessen tun? Der Deutsche Bauernverband fordert den Abschuss von 70 Prozent des gesamten Wildschweinbestandes. Viele Jäger halten das für unmöglich. „Das ist natürlich hoch gegriffen“, gesteht Zelder ein. „Aber die Zahl kommt ja nicht aus dem Nichts. Veterinärmediziner gehen davon aus, dass sich die Seuche in einer so viel kleineren und vor allem weniger dichten Population verlaufen könnte.“ Man suche Möglichkeiten, um die Jäger zu unterstützen. Wildschweine dürfen in Rheinland-Pfalz nun das ganze Jahr gejagt werden; eine Schonzeit gibt es bis auf Weiteres nicht mehr. (Davon ausgenommen sind Bachen, also weibliche Schweine.) Im Gespräch sind außerdem Nachtsichtgeräte und andere technische Hilfsmittel für Jäger. Ob ein Ausbruch der Seuche so tatsächlich zu verhindern ist, ist noch unklar.