| 20:35 Uhr

Das beste Stück für den Herrn Pastor

Die Blasius-Statue über dem Haupteingang der Schladter Kirche: Der Bischof aus dem 4. Jahrhundert wirkte in der römischen Provinz Armenien. Er wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt.TV-Foto: Christina Bents
Die Blasius-Statue über dem Haupteingang der Schladter Kirche: Der Bischof aus dem 4. Jahrhundert wirkte in der römischen Provinz Armenien. Er wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt.TV-Foto: Christina Bents
Schladt. Der heilige Blasius ist der Hauptschutzpatron in Schladt (Kreis Bernkastel-Wittlich). Früher wurde die Kirmes am 3. Februar gefeiert - dem Gedenktag des Heiligen. Dazu pilgerten auch die Menschen aus den umliegenden Orten nach Schladt. Besonderheit der Kirmes: Frisch geschlachtete Schweinsköpfe wurden gesegnet und versteigert. Christina Bents

Schladt. Aus Gipperath, Laufeld, Oberöfflingen und Karl kamen früher die Menschen am 3. Februar zu Fuß nach Schladt. Mit im Gepäck hatten viele einen frisch geschlachteten Schweinskopf. Der wurde in der Messe, auf dem Seitenaltar liegend, gesegnet und anschließend versteigert.Dorf Geschichte(n)


Wie lange es den Brauch in dem 110-Einwohner-Ort gab, ist nicht ganz klar. Einige Einwohner sagen bis zum Ersten Weltkrieg, andere meinen bis 1938. Woran sich aber noch viele Schladter erinnern, ist, dass das für den kleinen Ort immer ein besonderer Festtag war. Edwin Heck, ehemaliger Ortsbürgermeister, berichtet: "Damals wurde der Blasiustag noch auf den Tag genau gefeiert. Angefangen hat der Tag mit einem Gottesdienst und dem Blasiussegen. Dann wurde bei den Verwandten oder in der Gastwirtschaft zu Mittag gegessen, und am Nachmittag führten die Schladter ein Theaterstück auf. Damals war hier der Lehrer Reden, der das einstudiert hat. 300 Leute kamen damals in den Ort."
Auch über die Versteigerungen ist noch einiges bekannt, beispielsweise steht in der Chronik von Jakob Gessinger: "Der beste Schweinskopf war für den Herrn Pastor, der zweitbeste für den Küster und die übrigen wurden versteigert, was zwischen zwanzig und dreißig Mark einbrachte. Der Erlös war für die Schladter Kirche. Die Messdiener, die von der Pfarrkirche Laufeld mit zur Filiale nach Schladt gekommen waren, mussten dem Pastor und dem Lehrer am Nachmittag die Schweinsköpfe wieder nach Laufeld tragen." Woher der Brauch der Schweinsköpfe für den Blasiustag kommt, erklärt Pastor Jürgen Fuhrmann: "Der heilige Blasius hat während der Christenverfolgung eine Zeit lang in einer Einsiedlerhöhle gelebt, und hatte von daher einen guten Kontakt zu Tieren. Als ein Wolf nun einer Witwe ihr einziges Hausschwein raubte, erhielt die Frau durch die Gebete des heiligen Blasius das Schwein zurück. Als Dank brachte sie ihm, der inzwischen im Gefängnis war, Lebensmittel und Kerzen. Daher kommt wahrscheinlich der Brauch", so der Pastor. Wie wichtig Blasius für die Schladter ist, kann man daran sehen, dass er im Wappen des Ortes und zweimal an der Kapelle verewigt ist.
Heute wird die Kirmes in Schladt im Oktober, am Festtag des heiligen Lukas gefeiert. Aber zu Blasiussegen und anschließendem Glühwein kommen immer noch um die 30 Menschen aus anderen Orten nach Schladt.
Am Montag, 3. Februar findet zum Patronatsfest um 19 Uhr ein Hochamt mit Blasiussegen in der Kirche in Schladt statt.Extra

Der heilige Blasius ist einer der 14 Nothelfer der katholischen Kirche. Er wurde im Spätmittelalter zum Schutzpatron der Haus- und Wildtiere, der Halskranken, Ärzte, Bäcker und weiterer Berufe. An seinem Gedenktag wird mit zwei gekreuzten oder ineinander geflochtenen Kerzen der Blasiussegen erteilt. Gedenktag ist in der katholischen Kirche der 3. Februar, in den orthodoxen Kirchen der 11. Februar. chbExtra: Nachricht für Kinder

Jetzt schließt mal die Augen und stellt euch eine Welt ohne Fotos, Filme, Fernsehen, Computerspiele, Zeitschriften und so weiter vor. So war das vor Hunderten von Jahren. Bilder mussten gemalt werden und waren sehr, sehr kostbar. Und von besonderen Menschen gab es ebenso kostbare Abbildungen aus Stein oder Holz, die man zum Beispiel in den Kirchen bewundern konnte, so wie heute noch. Und damit man auch wusste, wer dargestellt ist, gab es zum Beispiel bei den Heiligenfiguren eine Zeichensprache, an denen man sie erkennt. Es gibt Symbole wie einen Hahn (Apostel Petrus), eine Gans (Bischof Martin), ein Schwert (Apostel Paulus), eine Säge (Simon) oder eben auch ein Schwein wie beim Heiligen Blasius. sos