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Denkmal
Das Hansenkreuz ist zwar wieder da, aber das Rätsel bleibt

Der Finder des Hansen-Kreuzes, Volker Römer (links) und Ortsbürgermeister Dirk Laudwein mit dem Hansenkreuz, das leichte Beschädigungen nach dem Diebstahl aufweist.
Der Finder des Hansen-Kreuzes, Volker Römer (links) und Ortsbürgermeister Dirk Laudwein mit dem Hansenkreuz, das leichte Beschädigungen nach dem Diebstahl aufweist. FOTO: Christina Bents
Dierscheid/Heidweiler. Der obere Teil des Hansenkreuzes, der rund zwei Monate lang verschollen war, ist unverhofft wieder aufgetaucht. Ein aufmerksamer Traktorfahrer hat ihn im Wald gefunden.

So oder so ähnlich hat es sich einst, vor mehr als 300 Jahren, zugetragen im Wald nahe Dierscheid: In einer dichten Dornenhecke sitzt Johann Wilhelm von Dischet und hält den Atem an. Dicht an ihm vorbei gehen Männer mit kläffenden Hunden. Sie suchen ihn. Sie wollen sein Geld, das er bei einem Viehhandel an der Mosel verdient und mit dem er nach einigen Gläsern Wein im Gasthof in Hetzerath geprahlt hat.

Die Räuber gehen mit ihren Hunden vorbei, und Johann Wilhelm von Dischet atmet auf. Er ist noch einmal davongekommen. Zum Dank errichtet er ein Kreuz, das Hansenkreuz. Inzwischen ist das Wegekreuz den Dierscheidern sehr ans Herz gewachsen, einige Bürger des Dorfs nennen es sogar liebevoll „de Hannes“. Der ehemalige Ortsbürgermeister Hermann Loßbrand erklärt: „Es hat eine besondere Bedeutung für den Meulenwald und Dierscheid. Es ist eines der wenigen, bei denen der Korpus und das Kreuz aus einem Stück gefertigt sind.“

In den vergangenen Wochen hat das Kreuz den Dierscheidern einige Rätsel aufgegeben: Das Kreuz wurde von seinem Sockel genommen und war verschwunden (der TV berichtete). Einige Spaziergänger und Waldarbeiter hatten es bemerkt.

Manfred Junk berichtet: „Ich dachte erst, das Kreuz sei vom Sockel gefallen, aber dann habe ich gesehen, dass es weg war.“ In Windeseile hatte sich die Nachricht im rund 160-Einwohner-Ort herumgesprochen, die Empörung war groß. „Wer macht so etwas und warum?“, fragte sich nicht nur Ortsbürgermeister Dirk Laudwein. Es wurde spekuliert, ob es jugendliche Randalierer gewesen sein könnten, die das Kreuz ein paar Meter weiter wieder in den Wald geworfen hätten, oder Sammler, die den Diebstahl in Auftrag gegeben haben könnten.

Die Polizei wurde eingeschaltet. Sie nahm eine Anzeige auf und vermutete einen Auftragsdiebstahl. Die Feuerwehr des Ortes war zu einem Sondereinsatz ausgerückt und hat das Kreuz im Wald gesucht, aber nicht gefunden. Viele Dierscheider haben bei ihren Spaziergängen rund um den Ort immer wieder Ausschau nach dem Kreuz gehalten. „Ich bin sogar zur Kiesgrube gefahren und habe dort nach dem Kreuz geschaut, weil ich dachte, irgendjemand könnte es dort entsorgt haben“, berichtet Manfred Junk. So langsam schwand in der Gemeinde die Hoffnung, dass der „Hannes“ wieder auftauchen würde, und es wurde mit einem Steinmetz gesprochen, der eine Nachbildung anfertigen sollte.

Bis der Dierscheider Volker Röder mit seinem Traktor und Anhänger, der mit Äpfeln und Birnen beladen war, zwischen Heidweiler und Dodenburg durch ein Waldstück fuhr und das Kreuz entdeckte. Er berichtet: „Da mein Traktor nicht so schnell ist, hatte ich Zeit, mir die Umgebung anzusehen. Dann habe ich das Hansenkreuz gesehen, auf einem abgesägten Baumstamm lag es.“ Weiter sagt er: „Ich konnte das kaum glauben und habe mich erst einmal überzeugt, dass es tatsächlich der ,Hannes’ ist. Ich hab` ihn auf die Schulter genommen, zum Hänger getragen, auf die Äpfel gelegt und nach Dierscheid gebracht.“ Dort lagert das Kreuz in einer privaten Garage  und wartet nun darauf, dass es wieder auf seinen Sockel kommt. Ob die Menschen, die ihn gestohlen haben, wollten,  dass man das Kreuz findet, sorgt im Ort weiter für Spekulationen. Die Polizei hat das Verfahren wegen Diebstahls noch nicht eingestellt. Der Steinmetz hat  zugesagt, das Hansenkreuz wieder zu befestigen.

Wer es vom Sockel gestoßen und im Wald abgelegt hat, bleibt weiter ein Rätsel.