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Das Herz der Weinkönigin schlägt auch für Oranje

Wenn es um Fußball geht, ist Oranje der Favorit von Laura Gerhardt.
Wenn es um Fußball geht, ist Oranje der Favorit von Laura Gerhardt. FOTO: TV / Winfried Simon
Traben-Trarbach. Laura Gerhardt aus Traben-Trarbach freut sich ganz besonders auf den Besuch des niederländischen Königspaares. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Hoher Besuch kündigt sich in Bernkastel-Kues und Trier an. Das niederländische Königspaar, König Willem-Alexander und Königin Maxima, besucht am 10. und 11. Oktober die Mosel.

Ob auch die neue Gebietsweinkönigin Laura Gerhardt aus Traben-­Trarbach dabei ist, ist noch ungewiss. Die Termine sind ganz eng getaktet, das Protokoll sehr streng und die Gästeliste noch weitestgehend geheim. Dabei könnte Laura die hohen Gäste aus dem Nachbarland in perfektem Niederländisch mit „Harteliijke welkom aan de Moezel“ begrüßen.

Laura hat Wurzeln im Land der Tulpen und Grachten. Ihre Mutter Linda ist in Haarlem, Provinz Südholland, geboren und lebt seit 1993 in Traben-Trarbach. Dort führt Linda zusammen mit Ehemann Fritz erfolgreich das Weinhaus-Hotel Gräffs Mühle.

Die 19-Jährige war schon unzählige Male in den Niederlanden, bei ihren Verwandten, bei Oma Ans und Opa Jan, im Urlaub in Zandvoort oder zum Shoppen in Maastricht. Niederländisch ist also sozusagen ihre Muttersprache, obwohl zu Hause in Traben-Trarbach Deutsch als „Amtssprache“ galt. „Sollte ich dem Königspaar begegnen können, wäre das schon ein Traum, eine Riesenehre“, sagt sie. Sie verfolgt sehr genau, was im holländischen Königshaus passiert, „Ich bin eine kleine Royalistin“, bekennt sie schmunzelnd.

Wenn sie im elterlichen Hotel aushilft, kommt ihr die zweite Sprache sehr zugute. Viele Niederländer und Belgier aus dem flämischen Teil des Landes sind Stammgäste in der Gräffs Mühle. Und Laura führt Gäste in Traben-Trarbach durch die Unterwelt, also durch die riesigen Kelleranlagen - in niederländischer Sprache versteht sich.

Am Tag nach ihrer Krönung vor wenigen Tagen in Bernkastel-Kues hatte sie einen Auftritt in Graach. Der Veranstalter begrüßte dabei auch die Gäste aus Belgien und den Niederlanden. Und als Laura ans Mikrofon trat und spontan akzentfrei „Veel plezier met de wijnproeverij“ wünschte, war die Überraschung groß.

Holländer lieben die Geselligkeit. Das spürt sie ganz besonders, wenn die Verwandtschaft einmal im Jahr ein Wochenende in der Gräffs Mühle verbringt. „Vielleicht sind die Holländer etwas einfacher, nicht ganz so förmlich, vielleicht etwas lockerer drauf“, sagt sie.

Sie hat einen deutschen Pass, wenn es aber um Fußball geht, ist sie Holländerin. Sie drückt der „Elftal“ die Daumen, auch wenn es gegen Deutschland geht. Da ist sie sich mit ihrer Mutter einig. Vater Fritz ist dann zwar nicht fassungslos, aber zumindest etwas irritiert. Jetzt, im Oktober, beginnt sie an der Hochschule Geisenheim das dritte Semester im Studienfach „Internationale Weinwirtschaft“. Vor Studienbeginn hatte sie ein sechsmonatiges Weinbaupraktikum im Weingut Dr. Loosen in Bernkastel-Kues absolviert. Sie will das durchziehen, trotz der vielen Termine, die auf sie als Gebietsweinkönigin warten.

Und sicher wird sie als Repräsentantin auch in ihrer Amtszeit die Niederlande besuchen. Eine fachkundige halbe Holländerin wirbt in Holland für den Moselwein - besser geht’s doch kaum.