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Das Mammut kehrt zurück

Im Maarmuseum sind jetzt Teile der Wirbelsäule eines Mammuts zu sehen. TV-Foto: Christina Bents
Im Maarmuseum sind jetzt Teile der Wirbelsäule eines Mammuts zu sehen. TV-Foto: Christina Bents FOTO: Christina Bents
Manderscheid/Trittscheid/Trier. Recht unauffällig liegt der Hasenberg bei Trittscheid in der Landschaft. Doch er hat eine vulkanische Geschichte: Bei Gesteinsabbauarbeiten wurden hier Knochen eines fast ausgewachsenen, circa 2,50 Meter großen Wollhaar-Mammuts gefunden. Viele Jahre waren die Nachlässe im Landesmuseum in Trier zu sehen, jetzt ist ein Teil zurück in Manderscheid. Christina Bents

Manderscheid/Trittscheid/Trier. Auf den ersten Blick ist der Hasenberg bei Trittscheid nichts Besonderes. Er ist zwar ein Schlackenkegel mit Tuffgestein, aber er fällt in der Landschaft nicht weiter auf. Deshalb hatte der Naturschutz auch nichts gegen einen Gesteinsabbau am Hasenberg.
Genau dabei aber kam es 1965/1966 zu einer bedeutenden Entdeckung: Es wurden unter anderem fossile Mammutknochen gefunden. Sie lagen etwa 15 Meter unter der heutigen Oberfläche mitten im Schlot des Vulkans in einem Umkreis von 40 Metern. Einige Knochen waren bereits zerbrochen, bevor sie in den Tuffen abgelagert wurden. An ihnen befinden sich auch Fraßspuren. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Tiere - neben dem Mammut sind Reste von einem Maulwurf, einer großen Eiszeit-Schermaus, einem Eiszeit-Pferd und einem Waldnashorn gefunden worden, die sich bisher im Landesmuseum in Trier befunden haben - von der Wärme des Vulkans angelockt worden waren. Am Rand des Vulkankraters verendeten sie dann, entweder durch Altersschwäche, Krankheit oder noch aufsteigende vulkanische Gase. Dann kamen die Aasfresser und Raubvögel. Nach und nach rutschte das lockere vulkanische Gestein, auf dem die verendeten Tiere lagen, in den Krater des erloschenen Vulkans, wobei die Knochen durcheinandergewirbelt und verstreut wurden, bevor sie im Gestein eingebettet und somit konserviert wurden.
Die Altersdatierung der Fossilfunde fällt zusammen mit dem Ende des Vulkans Hasenberg vor vermutlich 100 000 Jahren. Damit ist er wesentlich älter als die Maare, die mit einem Alter zwischen 10 000 und 80 000 Jahren schon immer als die jüngsten vulkanischen Gebilde angesehen wurden. Über die Funde aus dem Westeifler Vulkan Hasenberg bei Trittscheid gibt es im Landesmuseum Trier ein von Siegfried Kuss und Gilbert Rahm veröffentlichtes Heft aus dem Jahr 1967.
Beim Lesen dieses Büchleins entstand bei Museumsleiter Martin Koziol die Idee, einige Stücke für das Maarmuseum Manderscheid auszuleihen: Schließlich liegt der Hasenberg bei Trittscheid nur elf Kilometer entfernt, außerdem passt das Thema gut ins Konzept des naturkundlichen Museums. Koziol setzte sich mit seinen Trierer Kollegen Marcus Reuter und Lothar Schwinden in Verbindung, einige Stücke werden nun für zunächst fünf Jahre nach Manderscheid ausgeliehen. "Meines Wissens ist das bisher der westlichste Nachweis eines Wollhaar-Mammuts in der Eifel", erklärt Koziol. Mammutknochen wurden laut dem Museumsleiter ansonsten noch in Polch bei Mayen und vor allem in den Kratermulden der Osteifel-Vulkane gefunden. Die Mammuts zogen auf der Suche nach frischen Gräsern und Moosen die Rheinschiene im Frühjahr Richtung Norden und im Winter wieder südwärts. "Es waren wohl die imposantesten Tiere der damaligen, kaltgemäßigten Steppentundra in Mitteleuropa", sagt Koziol, "viele Kinder und Erwachsene kennen das Mammut ,Manni\' aus den Ice-Age-Filmen. Somit ist das jetzt ein absolut neues Highlight für uns, diese Mammut-Knochen hier ausstellen zu dürfen."
Im Manderscheider Museum sind jetzt eine Rippe, ein Stück der Wirbelsäule und der Oberkiefer eines Eiszeit- beziehungsweise Mosbach-Pferds zu sehen.
Kosten entstehen dem Museum nur durch die Versicherung der Funde. Der Versicherungswert liegt bei 7000 Euro, alle Fossilien im Museum in einem Gesamtpaket versichert.Extra

Hasenberg und Vulkangruppe Üdersdorf : Der Hasenberg gehört zu der Vulkangruppe von Üdersdorf, die drei bis vier Kilometer südwestlich der Dauner Maare liegt und ein geschlossenes Vulkangebiet darstellt. Innerhalb dieser Gruppe ist der Hasenberg der Südöstlichste. Seine Höhe beträgt 480 Meter NN. Er hat nur vulkanisches Lockermaterial, aber keine Basalte. Die Vulkanischen Tuffe beginnen bei einer Höhe von 440 Metern NN, so dass der eigentliche Vulkan nur eine Höhe von 40 Metern erreicht. Die Basis des Hasenbergs besteht aus unterdevonischen Schiefern. chb