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Das Schicksal eines "Malerzwergs"

Bausendorf/Hinterweiler. Der in Bausendorf lebende Autor Gerd Bayer hat ein neues Buch herausgebracht. Der 76-jährige pensionierte Lehrer hat sich darin mit dem aus der Eifel stammenden, kleinwüchsigen Maler Jakob Lehnen beschäftigt. Petra Willems

Bausendorf/Hinterweiler. Jahrelange Arbeit, über Monate hinweg fünf bis sechs Stunden täglich, allein in diesem Jahr Hunderte Stunden: Der in Bausendorf lebende Autor Gerd Bayer (siehe Extra) hat ein neues Werk veröffentlicht. Darin beleuchtet er das Leben des in Hinterweiler nahe Daun geborenen Malers Jakob Lehnen, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebte. Lehnen, der nur 94 Zentimeter groß war, gehörte zu den bedeutendsten Stilllebenmalern seiner Zeit. Doch nur wenig wurde über den Eifeler, der auch in Koblenz und Düsseldorf lebte, geschrieben, weshalb sich die Gerd Bayers Recherche hinzog.
"Die schlimmste Arbeit aber haben mir die Museen aufgehalst", sagt Bayer. Ständig habe er das Verzeichnis der Abbildungen ändern müssen. "Texte zu suchen war nicht so kompliziert und zeitaufwendig wie das Klären der Formalitäten", sagt Bayer.
700 Euro alleine musste er bisher an Lizenzgebühren an die Museen zahlen, "und zwei kommen noch hinzu", die ihre Rechnungen noch nicht gestellt haben.
Finanziell lohne sich das Publizieren ohnehin nicht. "Ich zahle drauf", sagt der Autor schmunzelnd. Aber wie kam die Idee zum Buch zustande? "Ja, das ist so eine Sache", sagt Bayer. Der pensionierte Lehrer, der bereits etliche Bücher mit Bezug zu Heimat und Kunst veröffentlicht hat, wurde durch einen Bekannten auf die Geschichte von Jakob Lehnen (siehe Hintergrund) aufmerksam.
"Mein Bekannter hatte bereits etwas recherchiert und gab seine Erkenntnisse und Unterlagen an mich weiter", erzählt Gerd Bayer von den Anfängen, die fast vier Jahre zurückliegen. Seine Recherche gestaltete sich schwieriger als gedacht. "Es hat sich fast keiner mit dem Schicksal von Jakob Lehnen beschäftigt", sagt er. "Und das, obwohl ein Lehnen heute bis zu 30 000 Euro wert ist." Bei Recherchen in Lehnens Heimat sei zum Beispiel dessen Größe mehr in Erinnerung geblieben als sein künstlerisches Schaffen.
Viele Werke Lehnens findet man heute im Rheinland, wie Gerd Bayer erzählt. Eines hänge auf der Burg Lissingen in der Eifel.
Gerd Bayer möchte mit seinem Buch auch Sympathie für den Liliputaner Lehnen erzeugen. "Weil er es zu etwas gebracht hat, was nicht alle ,Zwerge' erreicht haben: Erfolg zu haben."
Gerd Bayer liest an drei Terminen aus seinem im Rhein-Mosel-Verlag erschienenen Buch am Donnerstag, 19. November, 17 Uhr, im Emil-Frank-Institut in Wittlich, Schlossstraße 10, Eingang Stadtbücherei, Anmeldung unter Telefon 06571/29267; am Sonntag, 22. November, 14 Uhr, im Gemeindehaus Kirchweiler, und am Freitag, 27. November, ab 18 Uhr in der Gemeindehalle Bausendorf. Bei den Veranstaltungen ist "Jakob Lehnen, der "Malerzwerg - das besondere Schicksal" für 14,95 Euro erhältlich. Zudem kann es im Buchhandel erworben werden, ISBN 978-3-89801-077-1.Extra

Gerd Bayer wurde 1939 in Koblenz. Moselweiß als drittes von fünf Kindern geboren und studierte Geschichte und Deutsch in Bonn. Von 1964 bis 2004 war Gerd Bayer Lehrer an der Realschule Zell. Bayer lebt seit 1990 in Bausendorf. will/redExtra

Jakob Lehnen wurde laut Urkunde des Standesamtes am 17. Januar 1803 als eines von zehn Kindern in der Eifel geboren. Er lebte mit seinen Geschwistern, sieben Jungen und zwei Mädchen, sowie den Eltern Johann Nikolaus Lehnen und Anna Margareta Lehnen in Hinterweiler im heutigen Vulkaneifelkreis. Sechs Jungen, darunter Jakob, sind kleinwüchsig, die Gründe dafür sind heute nicht mehr feststellbar. Die Eltern Jakob Lehnens waren in der Landwirtschaft tätig. Jakob Lehnen besuchte später das Königliche Gymnasium in Koblenz, sein Bruder Johann lebte ebenfalls in der Stadt und machte eine Ausbildung bei der Verwaltung. Später studierte, lebte und arbeitete Jakob Lehnen in Düsseldorf und in Koblenz. red/will