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Freizeit
Vorhang auf für fünf Leinwände in Wittlich

So soll das Lichtspielhaus aussehen: Skizze der Architekten.
So soll das Lichtspielhaus aussehen: Skizze der Architekten. FOTO: Manfred Müller & Partner Architekten
Wittlich/Daun. Nach acht Jahren ohne Lichtspielhaus bekommt die Kreisstadt wieder ein Kino. Ein Dauner Kinobetreiber will 3,5 Millionen Euro investieren. Von Christian Moeris

Wittlich/Daun Was für eine Stadtratssitzung und was für eine Präsentation: Denn brandenden Applaus hört man in städtischen Gremien eher selten. Doch nachdem Kurt Römer und seine Lebensgefährtin Heike Müller am Donnerstagabend gemeinsam mit ihrem Architekten Michael Feisthauer den Wittlicher Ratsmitgliedern ihr Konzept für ein neues Kino in der Kreisstadt präsentiert hatten, konnten die Ratsmitglieder ihre Begeisterung nicht mehr im Zaum halten und klatschten laut in die Hände. Ein Ausdruck dafür, wie schmerzlich viele Wittlicher ein Kino vermissen. Im letzten Lichtspielhaus in der Säubrennerstadt ging vor acht Jahren das Licht aus.

Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung machte das Gremium dann auch gleich Nägel mit Köpfen und stimmte dem Projekt sowie der Vergabe eines dafür nötigen Grundstücks an die Investoren zu. Der „Kinopalast Wittlich“ ist damit beschlossene Sache. Bürgermeister Joachim Rodenkirch: „Wir bohren dickere Bretter. Deshalb dauert es schon mal länger. Aber das Ergebnis kann sich dafür sehen lassen.“ Mit dem Kino gehe ein lang gehegter Wunsch von Jung und Alt in Erfüllung.

Investoren Kurt Römer und seine Lebensgefährtin Heike Müller, die Besitzer und Betreiber des Kinopalastes Daun, wollen in der Säubrennnerstadt für 3,5 Millionen Euro ein Kino bauen.

Standort Der Neubau soll auf dem Gelände des Postverteilzentrums nahe dem Eventum erfolgen. Die Fläche wird im Sommer frei, wenn die Post nach Wengerohr umzieht. Mit dem Abriss der bestehenden Gebäude, der nach der Säubrennerkirmes beginnen soll, entsteht Raum für den Kinoneubau.

Konzept „Wir befassen uns schon drei Jahre damit, in Wittlich ein Kino zu betreiben“, sagte Römer, der  2012 das Kino in Daun übernommen hat, im Wittlicher Stadtrat. „Wir haben die Entwicklung der Stadt genau beobachtet und das Projekt wirtschaftlich geprüft: Es gibt einen Nährboden für ein Kino in Wittlich.“ Die Dauner wollen in Wittlich bis zu 100 000 Zuschauer jährlich in ihren geplanten  „Kinopalast Wittlich“ locken.  Die Planer stellen sich einen hallenartigen Baukörper vor, der sich zum Parkplatz hin mit einem hellen gläsernen Foyer präsentiert. Römer: „Wir wollen uns nicht verstecken, sondern zeigen, was wir können. Das Gebäude soll optisch ansprechend und einladend werden.“ Auf der 4000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche soll ein Kinogebäude mit fünf Sälen entstehen. Wie der Architekt Michael Feisthauer erklärte, sollen vier Säle für 100 Zuschauer und ein großer Saal für 200 Zuschauer darin Platz finden. Außerdem entstehe im Foyer eine Lounge, „in der man zur Vor- oder Nachbereitung des Films einen handgemachten Cocktail, Kaffee oder ein Glas Wein trinken kann.“ Hinter dem barrierefreien Gebäude entstehen zu den 1500 Parkplätzen, die bereits im Umfeld des Eventums und der Stadtverwaltung existieren, 70 weitere Stellplätze.

Angebot „Wir sind keine Kette und auch keine Kinofabrik “, betonte Römer während seiner Präsentation mehrfach. „Wir möchten uns den Bedürfnissen, den Verhältnissen und dem Markt in Wittlich anpassen.“ Für Werktage seien vier Filmvorführungen um 14, 16, 18 und 20 Uhr geplant. Am Wochenende werde es eine zusätzliche Spätvorstellung ab 22 Uhr geben. Doch neben dem „Popcornkino“ beabsichtigen die Dauner auch ein Programmkino mit „Auslesefilmen“ abseits des Mainstreams sowie Senioren- und Schulkino anzubieten. „Aber natürlich spielen wir alle Deutschland­premieren, bieten mittwochs Vorpremieren an und setzen auf neueste Laser-, 3D- und Soundtechnik.“ Zudem kann sich Römer Autorenlesungen, Kleinkunst, Theatervorstellungen Live-Musik, Firmenevents sowie Fußball-Live-Übertragungen im Kinopalast vorstellen.

Zeitplan „November 2019 – Kinopalast Wittlich“ ist auf dem Filmplakat zu lesen, das die Planer am Freitagmorgen mit zur Pressekonferenz ins Rathaus gebracht haben. „Die Premiere des Disneyfilms ‚Eiskönigin 2’ wollen wir in Wittlich zeigen“, sagte Römer. Nach der Säubrennerkirmes und dem Umzug der Post sollen im Sommer die Abrissarbeiten beginnen. Rodenkirch: „Im Herbst übergeben wir das Grundstück baureif.“ Wie Römer erklärte, herrsche jedoch kein Zeitdruck. „Wenn es Frühjahr 2020 wird, dann spielt das auch keine Rolle.“ Das allerdings dürften einige Wittlicher Kinofans, die für Kinoerlebnisse nunmehr seit acht Jahre nach Trier, Daun, Bitburg und Bernkastel-Kues fahren, etwas  anders sehen.

Meinung

Christian Moeris

Meilenstein der Stadtentwicklung

Ein neugestaltetes Lieserufer, weitere Industrie- und Gewerbeansiedlungen, der Hochmoselübergang und dann auch noch ein Kino: Die Stadt Wittlich ist zweifelsohne auf Erfolgs- und Wachstumskurs. Das Kino, das die Kundenfrequenz für Handel- und Gastronomie in der Stadt weiter erhöhen dürfte, wird als Publikumsmagnet noch mehr Menschen in die Säubrennerstadt locken. Mit der Ansiedelung eines Kinos, das ein privater Investor in Wittlich bauen möchte, wird ein weiterer bedeutender Meilenstein in der Stadtentwicklung gelegt und das kulturelle Angebot in Wittlich erheblich gesteigert. Es bleibt zu hoffen, dass die Wittlicher den Betreiber nach der Eröffnung nicht hängen lassen, sondern ihr neues Kino auch rege nutzen.

c.moeris@volksfreund.de