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Den Unternehmen in der Region gehen die Fachkräfte aus

Mülheim/Wittlich. Benninghoven, Dunlop, Procontur: Viele Unternehmen in der Region sind dringend auf Facharbeiter angewiesen, können aber immer weniger einstellen. Schuld ist nicht nur die Konkurrenz aus Luxemburg, sondern auch eine eigentlich gute Entwicklung. Benedikt Laubert

Wenn ein Unternehmen fast zehn Prozent seiner Stellen nicht besetzen kann, ist das schon eine Hausnummer. Beim Wittlicher Blechhersteller Procontur ist das zurzeit der Fall. Geschäftsführer Jens Pohlmann sagt: "Uns fehlen immer mehr Facharbeiter, das schwächt den Betrieb." Und mit diesem Problem steht Procontur nicht alleine da: Laut Pressesprecher der Trierer Arbeitsagentur finden Arbeitgeber "vermehrt keine Bewerber". Vor allem nicht solche, die zur ausgeschriebenen Stelle passen. Laut statistischem Bundesamt gibt es Engpässe vor allem in technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen.

Auch beim deutlich größeren Mülheimer Baumaschinen-Hersteller Benninghoven bleiben offene Fachkräfte-Stellen lange unbesetzt - trotz der Anzeigen, mit denen das Unternehmen um neue Mitarbeiter wirbt. Genaue Zahlen kann das Unternehmen aber nicht nennen. Um die Jobs bewerben sich nicht nur weniger Interessenten, auch die Qualität der Bewerbungen lasse nach.

Weniger Bewerber - das ließe sich auch positiv ausdrücken: weniger Arbeitslose. Während im Kreis 2008 noch vier Arbeitslose auf eine dem Amt gemeldete freie Arbeitsstelle kamen, sind es dieses Jahr nur noch zwei (siehe Grafik). Auch wenn diese Zahlen der Trierer Arbeitsagentur nicht verraten, wieviele der Arbeitslosen Fachkräfte sind: Sie zeigen, dass sich die Unternehmen immer weniger aussuchen können, wen sie anstellen. Die Gründe für den Fachkräftemangel liegen aber auch an der Konkurrenz der luxemburgischen Unternehmen, die bessere Löhne zahlen. Das jedenfalls schätzt man beim Reifenhersteller Goodyear Dunlop in Wittlich, der ebenfalls verzweifelt nach Fachkräften sucht. Der demografische Wandel verstärkt das Problem: Die Jahrgänge, die gerade mit dem Arbeiten anfangen, sind kleiner als die, die gerade in Rente gehen.

Die betroffenen Unternehmen gehen zwei Wege, um dem Notstand Herr zu werden: Einerseits werben sie mehr als bisher um neue Mitarbeiter. Procontur schaltet zum Beispiel seit einigen Monaten Stellenanzeigen für Konstruktionsmechaniker und Schweißer im europäischen Ausland. Dunlop wirbt nun stärker auf Messen in Deutschland für seine Jobs. Diese Strategie mag den jeweiligen Unternehmen helfen, sie beseitigt das Problem jedoch nicht - die Betriebe schnappen sich nur gegenseitig die Interessenten weg. Es gibt aber noch einen anderen Weg, nach dem Motto: Wenn es nicht genug Menschen gibt, die unsere Maschinen bedienen können, dann helfen wir eben nach. Dunlop hat zum Beispiel seine Ausbildungsberufe um den Maschinen- und den Anlagenführer erweitert. Benninghoven rekrutiert Mitarbeiter über Leiharbeitsfirmen. Und Procontur bildet Mitarbeiter, die keine Ausbildung haben, für die leer stehenden Jobs weiter.

Meinung: Nicht für alle schlecht

Was für manche Unternehmen richtig lästig ist, versetzt Arbeitnehmer in eine komfortable Position: Unternehmen buhlen um die wenigen Interessenten, zahlen ihnen bessere Löhne und Gehälter, sorgen sich um ein besseres Betriebsklima. Solange sich der Facharbeitermangel nicht ausweitet und die Wirtschaft deutlich schwächt, besteht kein Anlass zur Panik. Arbeitnehmer können sich über ihre gute Verhandlungsposition freuen, und Unternehmen müssen potenziellen Mitarbeitern gute Angebote machen, die sie nicht ablehnen können. b.laubert@volksfreund.de