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Nahverkehr
Schlechte Karten für Bettenfelder Busfahrer

Ein Bus der Regiolinie 300 hält im Wittlicher Busbahnhof. Die Bettenfelder wünschen sich, dass diese Linie auch ihren Ort anfährt.
Ein Bus der Regiolinie 300 hält im Wittlicher Busbahnhof. Die Bettenfelder wünschen sich, dass diese Linie auch ihren Ort anfährt. FOTO: Christoph Strouvelle
Bettenfeld. Die Gemeinde will, dass die Regiolinie 300  künftig durch ihren Ort führt. Doch ein Sprecher des Zweckverbandes lehnt das Ansinnen ab.

Der öffentliche Nahverkehr auf dem Land ist in vielen Dörfern ein Problem. Auch im Vulkaneifelort Bettenfeld sind die Busverbindungen unzureichend. „Wir haben keine Post, keine Bank, kein Geschäft. Und wer kein Auto hat und nach Manderscheid will, hat eine aufwendige Busfahrt vor sich“, sagt der Bettenfelder Ortsbürgermeister Reinhold Meuers. Aufgrund der schlechten Bustaktung sei man einen halben Tag auf Tour. „In Bettenfeld und Meerfeld sind die Verbindungen sehr schlecht.“

Das führe zum einen dazu, dass die Bettenfelder Schüler lieber das Gymnasium in Daun als in der Kreisstadt Wittlich besuchten. Und auch Auszubildende hätten Probleme, zu ihren Lehrstellen außerhalb von Bettenfeld zu kommen. Günter Weins, Fachbereichsleiter Bauen bei der VG Wittlich-Land, sind Fälle bekannt, wo junge Leute aus Bettenfeld wegen der schlechten ÖPNV-Verbindungen ihre Ausbildung im Gewerbegebiet Großlittgen gar nicht erst begonnen haben.

Doch geht es in der knapp 700 Einwohner zählenden Gemeinde nicht nur um die Daseinsvorsorge der Bürger, sagt Weins. Es ginge auch um die Stärkung des Tourismus. Denn Bettenfeld sei mit seinen knapp 40 000 Übernachtungen pro Jahr ein besonderer Fall, der mit anderen Ortsgemeinden nicht vergleichbar sei. Gäste, die von Bettenfeld nach Wittlich oder Daun wandern und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückfahren wollen, haben schlechte Karten, sagt er. „Die kommen bis nach Manderscheid, und dann stehen sie da“, sagt Weins. Dabei könnte es eine relativ einfache Lösung geben: Die Regiolinie von Daun über Wittlich nach Bernkastel-Kues und zurück, die im Zwei-Stunden-Takt täglich bis zu neunmal fährt, könnte zwischen Manderscheid und Großlittgen statt auf der L 62 an Karl vorbei einen Schlenker über Bettenfeld und Meerfeld fahren, sagen Weins und Meuers. Laut Routenplaner würden für die neun Kilometer längere Fahrt elf Minuten mehr Fahrzeit benötigt.

Doch stehen die Chancen für dieses Ansinnen offensichtlich nicht gut. Denn auf einer Informationsveranstaltung, bei der laut Weins 60 Bürger anwesend gewesen sind, hat Dr. Thomas Geyer vom zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord das Ansinnen abgelehnt. Seine Begründung: Zum einen sei eine Genehmigung der Änderung des Linienwegs durch den Landesbetrieb Mobilität wegen angekündigter Widerstände der Konzessionäre, also Busunternehmer, wenig wahrscheinlich. Weiterhin wäre die Änderung der Fahrtstrecke mit Mehrkosten in nahezu sechsstelliger Höhe verbunden.

Nicht ganz so resolut fällt die Stellungnahme des Landkreises aus. Sprecher Manuel Follmann sagt, es sei zugesichert, dass das Anliegen in Zusammenhang mit der Umsetzung des ÖPNV-Konzeptes erneut geprüft werde. Die betroffenen Konzessionen laufen 2021 aus und werden für diesen Zeitpunkt dann neu vergeben, sagt Follmann. Eine Vorwegnahme des Prüfungsergebnisses sei derzeit nicht möglich.

Für Ortsbürgermeister Meuers bleibt eine Änderung der Linienführung die vernünftigste Lösung. Sonst könnte der Ort erst wieder in zehn Jahren den derzeitigen Zustand ändern. Meuers: „Mein Empfinden ist, dass der ländliche Raum abgehängt wird.“