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Die Hirschkäfer krabbeln wieder in der Region

Ein männlicher Hirschkäfer – gut erkennbar an seinem großen „Geweih“. Foto: Markus Rink
Ein männlicher Hirschkäfer – gut erkennbar an seinem großen „Geweih“. Foto: Markus Rink FOTO: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Alf. Der Schutz des imposanten Insekts steht im Fokus eines Vereins. Naturfreunde aus der Region werden gebeten, Vorkommen zu melden. Winfried Simon

Wer schon einmal einen gesehen hat, ist beeindruckt. Mit einer Länge von bis zu neun Zentimetern und ausgestattet mit einem gewaltigen, großen "Geweih", ist der Hirschkäfer der größte Käfer in Mitteleuropa. Wer Glück hat, kann jetzt ein Exemplar entdecken. Die Hirschkäferzeit ist in vollem Gange. Das schwül-warme Wetter hat das imposante Insekt angespornt, um aus dem dunklen Erdreich an die Oberfläche zu krabbeln.

Der Monat Juni gilt als der Hirschkäfermonat. Es gibt aber noch eine aktive Zeit davor und danach, die ganz wichtig für den Erfolg dieser letzten und entscheidenden Phase im langen Leben der Hirschkäfer ist. Die Männchen schlüpfen bis zu einer Woche früher als die Weibchen. Von Mitte Mai an ist regelmäßig mit dem Auftreten von Männchen zu rechnen. Anfang Juni schlüpfen die letzten Weibchen.

Und überall in der Region gibt es jetzt Menschen, die jeden Hirschkäfer, den sie sehen, melden. Die Daten sammelt Förster Markus Rink aus Alf. Der Hirschkäfer ist sein liebstes wissenschaftliches Objekt - und das seit über 15 Jahren. Rink zählt die Tiere, vermerkt den Ort ihres Auftretens und ihre Eigenarten. Inzwischen hat er die Forschung, die er zuvor an der Mosel und in der Eifel betrieben hat, auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Rink hat vor sechs Jahren den "Verein Hirschkäferfreunde-Nature two" gegründet. Vereinszweck ist die Erforschung und Erhaltung des Lebensraums des Hirschkäfers in Europa und Kartierung und Ermittlung der Bestände. Weiterhin verfolgt der Verein den Zweck, eine natürliche und gesunde Umwelt für Mensch, Tier und Pflanzen zu erhalten. Heute hat der Verein 80 Mitglieder, ist in mehreren Bundesländern präsent und kooperiert mit dem Bundesland Bayern bei der Erfassung von Hirschkäfervorkommen.

Rink ist für seine Untersuchungen auf die Mithilfe vieler Naturfreunde angewiesen. Wer einen Hirschkäfer entdeckt, kann dies über die Internetseite www.Hirschkä fer-Suche.de melden.

Außerdem gibt es im sozialen Internet-Netzwerk Facebook die Seite Hirschkäfersuche . Dort hat beispielsweise Sonja Müller aus Bengel, Leiterin der Tourist-Information Mittelmosel-Kondelwald in Kröv, am 26. Mai gepostet: "Hirschkäferweibchen gestern aus dem Schlafzimmer ins Freie entlassen".

Heinz Jobs aus Alf schreibt: "Ich habe gerade ein Hirschkäferweibchen bei uns vorbeifliegen gesehen." Der Hirschkäfer ist auf der Roten Liste Deutschlands als "stark gefährdet" geführt. Dabei ist sein Schutz ganz einfach, erklärt Förster Markus Rink. Hirschkäfer leben zwei bis sieben Jahre in verrottenden Baumstümpfen. Dort entwickeln sie sich und recyceln den Baumstumpf zu wertvollem Humus. Und dort müsse der Schutz ansetzen, sagt Rink. Ein Baumstumpf mittlerer Stärke (etwa 40 Zentimeter Durchmesser) kann 15 Jahre lang und länger Hirschkäfer beherbergen. Man muss also nur etwas Rücksicht auf alte Baumstümpfe nehmen, besonders auf solche, die an sonnigen Stellen gelegen sind.Extra: GRÖßTER KÄFER IN MITTELEUROPA

Hirschkäfer sind bis zu neun Zentimeter groß und damit die größten Käfer in Mitteleuropa. Nur die Männchen haben die gewaltigen, großen "Geweihe", mit denen sie sich gegenseitig bekämpfen. Die etwas kleineren Weibchen kann man aufgrund ihrer Größe von sechs Zentimetern trotzdem sofort als Hirschkäfer erkennen. Mit den "Geweihen", den rund drei Zentimetern langen Oberkiefern, nehmen die Männchen keine Nahrung auf. Nur bei Rivalenkämpfen und zum Festhalten der Weibchen während der Paarung werden sie gebraucht. Hirschkäfer lieben besonders alte Eichen. Männchen und Weibchen brauchen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft, der bestimmte Pilze enthält. Den finden sie an Wundstellen eines Baumes, der durch Frostrisse, Windbruch oder Blitzschlag beschädigt worden ist.