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Kunst
„Nur die Schönheit kann die Welt retten“

Die Kunsthistorikerin Dr. Barbara Mikuda-Hüttel erläutert einem interessierten Publikum die Ausstellung.
Die Kunsthistorikerin Dr. Barbara Mikuda-Hüttel erläutert einem interessierten Publikum die Ausstellung. FOTO: privat / TV
Wittlich. „Die Schönheit der Dinge“: Vernissage der Ausstellung Michael Triegel begeistert rund 150 Gäste.

So viele Menschen wollten dabei sein, als die neue Ausstellung der Städtischen Galerie im Alten Rathaus eröffnet wird, dass die Organisatorinnen aus Platzmangel im historischen Rathaus am Marktplatz erneut auf die großzügige Fläche der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge zurückgreifen mussten. 150 Personen fanden Platz und genossen die einzigartige Atmosphäre mit der stimmigen Projektion von Triegel-Gemälden in die Apsis des großen Raumes.

„Auch als Kontrapunkt zu der Ausstellung ‚Kunst und Politik – Die Sammlung Friedel Drautzburg‘ sei die wunderschöne aktuelle Ausstellung Michael Triegels zu sehen“, erläuterte Bürgermeister Joachim Rodenkirch in seiner Begrüßung. Damals wurden wesentliche Vertreter der „Düsseldorfer Schule“ gezeigt und nun mit Michael Triegel einer der größten Maler der „Leipziger Schule“.

Beide Kunstakademien fungierten als Richtungsgeber im Kunstbetrieb der Nachkriegszeit und waren für die unterschiedlichen Ausrichtungen in West und Ost maßgebend. Rodenkirch freute sich über das große Interesse an der Vernissage und den Besuch vieler Kunstkennerinnen und -kenner aus nah und fern.

 Mit Johann Sebastian Bach begann die Formation „Fliegendes Holz“ die musikalische Gestaltung der Vernissage, wofür der Leipziger Michael Triegel den Musikerinnen Dr. Anne Kaftan und Ulrike Zavelberg dankte. „Er habe sich mit der Musik des Leipzigers Bach direkt so liebevoll begrüßt gefühlt“, meinte der Maler.

 Doch zuvor sprach der Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung, Herr Dr. Richard Hüttel, über Michael Triegel und sein Werk, das sich von der Mainstream-Kunst des 20. und frühen 21. Jahrhunderts so unterscheide. „Nur die Schönheit kann die Welt retten.“ Diesen Satz Dostojewskis zitiert Triegel gerne und nimmt ihn als Leitfaden für seine Bilder.

Schönheit, Ästhetik seien wichtig, Kunst solle den Betrachter erfreuen. Und eben die Schönheit sei von vielen Bildenden Künstlern der vergangenen 100 Jahre bewusst ignoriert worden. Kunst sollte provozieren und Fragen aufwerfen, auf keinen Fall gefällig sein. Dass dieser Ansatz teilweise absurde Spitzen hervorrief, veranlasste den Philosophen Peter Sloterdijk zu der Aussage, „so manchem Künstler interessiere nicht das Herstellen, sondern ausschließlich das Ausstellen von Kunst“.

 Der Künstler Michael Triegel selbst erklärte nach freundlichem Dank für die Organisation und  Ausrichtung der  Ausstellung, Kunst und Kultur, Religion und Mythologie, Wissenschaft und Literatur seien unser aller Erbe, auf das wir uns mit jedem neuen Schaffen beziehen. Er sei dankbar über die vielen Einflüsse und Erkenntnisse jüdischer und islamischer Männer und Frauen, sei es auf die mittelalterliche Medizin und Mathematik, auf die Erläuterungen der Schriften Aristoteles‘ und so vieler wesentlicher Grundlagen unseres heutigen Wissens und Denkens. In seinem Werk versuche er, die pluralistische Geschichte Europas aufzugreifen und darzustellen.

 Fortgesetzt wurde die Vernissage in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus am Marktplatz, wo sich dann sehr viele Menschen über ein Glas Saft oder Sekt freuten, begeistert die Gemälde, Grafiken und Aquarelle betrachteten und noch lange im Gespräch verweilten.

Die Ausstellung „Michael Triegel – Die Schönheit der Dinge“ ist noch bis zum 20. Mail in der Städtischen Galerie im
Alten Rathaus in Wittlich, Neustraße 2, 54516 Wittlich, zu sehen.
Infos: Telefon 06571/171355 oder
info@kulturamt.wittlich.de.
Öffnungszeiten: dienstags bis samstags: 11 bis 17, sonn- und feiertags: 14 bis 17 Uhr.