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"Dorfkern als Wohnquartier erhalten"

Ein Naturereignis sozusagen: Der Neuerburger Kopf kennzeichnet den Stadtteil. TV-Foto: Klaus Kimmling
Ein Naturereignis sozusagen: Der Neuerburger Kopf kennzeichnet den Stadtteil. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: klaus kimmling (m_wil )
Wittlich-Neuerburg. Serie zu den Stadtteilen: Neuerburgs Ortsvorsteher spricht über den Bürgermeisterwohnsitz mit Frauenpower. Sonja Sünnen

Wittlich-Neuerburg Einst selbstständige Dörfer, seit 1969 durch Eingemeindung Stadtteile Wittlichs haben sich Wengerohr, Bombogen, Lüxem, Neuerburg und Dorf doch ihre Besonderheiten erhalten. Der TV hat den Ortsvorstehern identische Fragen gestellt und druckt die Antworten nun in Form einer kleinen Serie. Allein beim optisch durch seinen "Kopf" herausragenden Stadtteil Neuerburg hofft Ortsvorsteher Udo Reihsner, dass sich zwei Verkehrsprobleme lösen lassen: Die viel befahrene B 49 und die brenzlige Situation am Kindergarten, wo oft gerast wird. Aktuell wird an Chronik und Internetauftritt gearbeitet. Welche Entwicklungen in Ihrem Stadtteil halten Sie aktuell für besonders bemerkenswert?Udo Reihsner: Die Nachfrage von jungen Leuten nach Baugrundstücken und Wohngebäuden trotz gegenteiliger demographischer Entwicklung. Damit kommen junge Leute ins Dorf, die wir dringend auch für unsere Vereine brauchen, die ein Großteil unseres Kulturlebens ausmachen und das Ehrenamt hochhalten, ohne das vieles in unserer Gesellschaft nicht möglich wäre. Wo haben Sie eventuell noch Kapazitäten in welchen Größe oder inwieweit sind sie an örtliche Grenzen des Wachstums angelangt?Reihsner: Leider haben wir keine Baugrundstücke mehr im Neubaugebiet. Ich habe momentan fast wöchentlich Anfragen. Hin und wieder werden aber bebaubare Grundstücke im Dorfkern angeboten. Mir ist es wichtig, dass auch der Ortskern als Wohnquartier erhalten bleibt und so Stück für Stück modernisiert wird. Einige gelungene Sanierungen kann man ja bereits erkennen. Mit unserer Website, die demnächst ins Netz gestellt wird, möchte ich eine Grundstücksbörse ermöglichen, damit Interessenten schnell aktuelle Angebote finden können. Darüber hinaus erwirbt die Stadtverwaltung im Bereich der Tannenstraße Land für eine weitere Baulandentwicklung, die der Flächennutzungsplan dort vorsieht. Eine weitere Möglichkeit besteht im Bereich der Lindenstraße. Ich denke, damit sind wir für die nächsten 20 bis 30 Jahre gewappnet. Zuhause alt werden ist ebenfalls ein Thema: Was glauben Sie, hat Ihr Ort im Hinblick auf diese Thematik Besonderes zu bieten?Reihsner: In Neuerburg gibt es viele ältere Mitbürger, die noch in ihren Häusern und Wohnungen leben und sich selbst versorgen. Das funktioniert natürlich dort besonders gut, wo noch beide Partner präsent sind und deren Kinder in der Nähe wohnen. Der neue Rufbus ermöglicht auch den weniger mobilen Neuerburgern Arztbesuche oder Einkäufe in der Innenstadt. Nicht zuletzt tragen die Seniorennachmittage zum Wohlbefinden bei. Und für die Zukunft ist die Jugend wichtig: Was kann in Ihrem Stadtteil noch für junge Menschen geboten werden?Reihsner: Durch das Neubaugebiet sind in den vergangenen Jahren viele junge Familien mit Kindern zugezogen,was sich auch in unserem sehr gut besuchten Kindergarten widerspiegelt. Ich schätze den Anteil der unter 18-Jährigen auf etwa 15 bis 18 Prozent. Man trifft sich aber kaum noch im Ort mit Gleichaltrigen. Ich wünsche mir, dass sie mehr die Angebote unserer vielen Vereine wahrnehmen. Was steht in unmittelbarer Zukunft an nennenswerten Projekten noch an?Reihsner: Wir sind dabei, eine Chronik zu erstellen. Neuerburg hat durch den Burgkopf und die ehemalige Burg eine interessante und spannende Geschichte. Die Finanzierung des Projektes wird zum Teil aus dem Ortsvorsteher-Budget und zum Teil aus Fördermitteln und Spenden bewältigt. Ein weiteres Projekt ist, wie schon erwähnt, die Erstellung der Website. Welche ehrenamtlichen Aktionen und Engagements zeichnen Ihren Stadtteil besonders aus?Reihsner: Hier ist neben den vielen Vereinsvorständen besonders das Engagement der Frauen,die den Seniorennachmittag regelmäßig ausrichten, zu erwähnen. Diese Treffen sind immer sehr gut besucht. Diese Frauen bilden darüber hinaus bei Kirmes und Nikolausmarkt immer wieder ein verlässliches Team. Welches Ärgernis gibt es noch aus Ihrer Sicht, was leider nicht - oder doch - behoben werden kann?Reihsner: Ein großes Ärgernis ist der Autohandel am Fuße des Neuerburger Kopfes direkt am Entré zum Dorf. Der Neuerburger Kopf, Wahrzeichen des Wittlicher Tales, ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Umso unverständlicher ist, dass dieser Autohandel gegen den Willen des Ortsbeirates und des Stadtrates genehmigt wurde. Ich lasse zurzeit die Zulässigkeit des Bauvorhabens rechtlich überprüfen. Inwieweit sind Sie eigentlich von der Flüchtlingsthematik betroffen?Reihsner: Es gibt wohl ein paar Familien, aber außer, dass man hin und wieder jemanden im Dorf sieht, treten sie nicht in Erscheinung. Man stelle sich vor, Sie können sich etwas für Ihren Stadtteil wünschen, es darf auch unrealistisch sein. Was wäre es denn?Reihsner: Bei einem Bürgertreffen war der am meisten geäußerte Wunsch der nach einer Reduzierung des Verkehrsaufkommens auf der B 49. Der Ruf nach einer Ortsumgehung wurde wieder laut. Nun, dieser Zug ist wohl abgefahren. Aber schauen wir mal, was die Hochmoselbrücke und vielleicht die Verbindungsspange Wengerohr-Bombogen für Änderungen in den Verkehrsströmen bringt. Vielleicht ergibt sich ja daraus eine Lösung des Problems.Es gibt ja immer unendliche Geschichten, also Projekte, die seit Jahren geplant sind, aber einfach nicht in die Gänge kommen: Was wäre da zu nennen?Reihsner: Eine unendliche Geschichte, die immer wieder für Schlagzeilen sorgt, ist die Verkehrssituation am Kindergarten. Seit über 20 Jahren wird eine Lösung für eine Verkehrsberuhigung gesucht. Inzwischen ist durch den Ausbau der Kita noch das Parkplatzproblem für das Personal hinzugekommen. Alle bisherigen Versuche haben weder die Akzeptanz der Bevölkerung noch den gewünschten Erfolg gebracht. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigen immer wieder Geschwindigkeitsmessungen mit Ergebnissen bis zu 120 Stundenkilometern. Ich hoffe, es wird eine Lösung gefunden, bevor ein Unfall dort passiert.Bitte vervollständigen Sie die Sätze: ,Ich lade gerne mal die sogenannten Urwittlicher in meinen Stadtteil ein…Reihsner: … zur Kirmes, weil unsere Kirmes ebenfalls Tradition hat und wir gerne feiern. Außerdem sind die Neuerburger Böllerschützen fester Bestandteil des Wittlicher Kirmesschauspiels.Und: ,An Wittlich finden wir gut,…REIHSNER: ….dass die Wege kurz sind, die Verwaltung unkompliziert ist und der Bürgermeister in Neuerburg wohnt. Interview Udo Reihsner DER STADTTEIL NEUERBURG

Extra

Der Stadtteil soll Wittlichs jüngster sein und auf eine Siedlung am Fuße des Burgbergs zurückgehen, die Ende des 13. Jahrhunderts entstand. Der kegelförmige Neuerburger Kopf mit 287 Metern ist Wahrzeichen auch der gesamten Wittlicher Senke. Laut Statistik zählt man rund 834 Einwohner. Unter anderem das 2010 eingeweihte Vereinshaus inklusive neuem Feuerwehrgerätehaus sind seit 2011 entstanden. Udo Reihsner (CDU) hat die Nachfolge von seinem Parteilkollegen Reinhold Westhöfer angetreten. Er ist Jahrgang 1955 und Diplom-Ingenieur.