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Ein Fall fürs Altmetall

 Seit Jahren fahren keine Züge mehr auf den Gleisen zwischen Wittlich und Wengerohr. Jetzt wurde die Strecke entwidmet. TV-Foto: Harald Jansen
Seit Jahren fahren keine Züge mehr auf den Gleisen zwischen Wittlich und Wengerohr. Jetzt wurde die Strecke entwidmet. TV-Foto: Harald Jansen
Während mit der Entwidmung eines Teilstücks der Bahnstrecke von Wengerohr nach Wittlich dem Bau des Kreisels am Missionshaus St. Paul nichts mehr im Weg steht, ist die Zukunft der Bahnbrücke Wengerohr unklar. Die Stadt hat den Landesbetrieb Mobilität gebeten, das Bauwerk abzureißen. Von unserem Redakteur Harald Jansen

Wittlich. Falls es einen Interessenten für die Bahnstrecke von Wengerohr bis in die Stadt Wittlich gebe, könne der sich ja melden, macht Bahn-Pressesprecher Hartmut Lange Werbung für die zum Verkauf stehende frühere Bahnanbindung Wittlich an die große, weite Welt. Dabei gibt es bereits einen potenziellen Käufer. "Die Strecke von der L 141 bis zur Brücke in Wengerohr soll in städtisches Eigentum übernommen werden", berichtet nämlich Wittlichs Stadt-Pressesprecher Ulrich Jacoby. "Über einen Kaufpreis für die Bahntrasse wurde noch nicht gesprochen." Anders als beispielsweise in Bitburg, wo die Stadt Besitzerin der Schienenbverbindung von der DB-Strecke in die Stadt geworden ist, werden in Wittlich-Stadt nie mehr Züge halten. Denn die Trasse wird in Wittlich für andere Zwecke gebraucht. Der letzte Personenzug machte sich im September 1988 von Wengerohr aus auf den Weg zum Bahnhof in der Innenstadt, im Juli 2001 fuhr dann der letzte Güterzug auf den Schienen. "Im Juli 2003 wurde die Strecke stillgelegt", sagt Bahnsprecher Lange. Und seit Mai dieses Jahres ist die Verbindung von Wengerohr ins Stadtzentrum entwidmet. Diese Entwidmung ist noch nicht rechtskräftig, da derzeit noch die Rechtmittelfrist gegen die Änderung des Planfeststellungsbeschlusses für die Umgehung Wengerohr läuft. Und diese Änderung beinhaltet nach Worten von Ulrich Jacoby auch die Entwidmung der Bahnstrecke Wittlich-Wengerohr. Kreisverkehr am Missionshaus St. Paul

So richtig ins Rollen gebracht wurde die Entwidmung durch die Pläne für die B 50 neu. Ursprünglich sollte in dem Bereich, in dem die B 50 alt beim Missionshaus St. Paul an die L 53 neu anschließt, ein Kreisverkehr gebaut werden und eine Brücke über die Bahngleise entstehen (der TV berichtete). Die L 53 neu ist Teil der Ortsumgehung Wengerohr. Diese Brücke über die nicht mehr genutzten Gleise wollte der LBM einsparen. Hintergrund für den Brückenbau ist, dass laut Eisenbahnkreuzungsgesetz bei neuen Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen die Fahrbahnen als Überführungen herzustellen sind.Wie und wann der Verkauf des Reststücks der Bahnlinie letztendlich über die Bühne geht, ist derweil nach Ansicht des Stadtsprechers nicht entscheidend. "Die Frage des Eigentumsüberganges ist unanhängig vom Bau der Verkehrskreisels vor St. Paul zu sehen, die hierfür benötigten Flächen werden dem Land im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens zugeteilt", teilt Jacoby mit. Zwischen der Autobahnbrücke A 1 und Wengerohr sei vom DLR Mosel vorgesehen, im Rahmen der Unternehmensflurbereinigung die ehemalige Bahntrasse mit einer Bitumendecke zu versehen und für die Landwirtschaft und den Radfahrverkehr freizugeben. "Die Asphaltierung der ehemaligen Bahnstrecke ist für die Stadt Wittlich kostenneutral", sagt Jacoby.Und was geschieht mir der Bahnbrücke in Wengerohr? Deren weitere Verwendung war lange Zeit ungewiss. Eine Mehrheit im Stadtrat (CDU, FDP) sah keine vernünftige Verwendungsmöglichkeit eine für die frühere Eisenbahnüberführung und hat sich gegen den Kauf entschieden. Genauso hatte auch der Ortsbeirat Wengerohr entschieden. Dennoch hatten sich Ratsmitglieder von SPD, FWG, Grüne für eine Übernahme der Brücke stark gemacht. Ihr Argument: Man könne sie für Fußgänger und Radfahrer als gefahrlose Überquerung der B50 nutzen. Was die Bahn mit der Brücke mache, sei deren Entscheidung, teilt der Pressesprecher der Stadt mit. "Wir haben den LBM über den Beschluss des Stadtrates informiert und gebeten, die Brücke abzureißen."