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Ein ganz besonderer Tropfen

Dreis. Von alters her sind in Dreis Austritte von Mineralwasser bekannt gewesen. Um 1900 drückte sich das perlende Wasser an mehreren Stellen im Ort aus dem Boden. In den 60er Jahren kamen viele Menschen zur St.-Martin-Quelle und zapften sich kistenweise Wasser ab, dem heilende Wirkung nachgesagt wurde. Christina Bents

Dreis. Das Wort Drees, nachdem der Ort Dreis benannt ist, sagt eigentlich schon sehr viel aus, denn es bedeutet sprudelnd, drehend oder wirbelnd. Damit ist das Wasser gemeint, das so aus der Erde kommt. Schon im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Quelle in Urkunden erwähnt. Die chemischen Werte des Wassers weisen einen hohen Anteil an Arsen, Eisen und CO aus.
Charakteristisch für Grundwasser, dass viel CO enthält, ist, wie Dr. Stefan Jentsch in seiner Beschreibung der Quelle erklärt: "Das Herauslösen von Eisenverbindungen aus den durchflossenen Gesteinen. Durch das CO-haltige Wasser werden kalkige Bindemittel herausgelöst und als Hydrogenkarbonat wegtransportiert. Die besonders in Grauwacken vorhandenen Alkalien gehen dabei ebenfalls in die Lösung ein."TV-Serie Landmarken



Er fasst die Besonderheit der Quelle so zusammen: "Solche Mineralwasser sind nicht an jeder Stelle zu erwarten, sondern sind an Aufstiegszonen von CO gebunden. Es ist ein Produkt von Fließ- Misch und Lösungsvorgängen." In der näheren Umgebung der St.-Martin-Quelle in Dreis gibt es noch fünf weitere Mineralquellen, die man auch Säuerlinge nennt. Es sind die Quelle im Hexengraben bei Salmtal, die Quelle am Bendersbach in Heckenmünster, die Viktoriaquelle in Heckenmünster, die Quelle im Wald bei Hetzerath/Erlenbach und eine Quelle bei Naurath.
Dem Dreiser Wasser wurde heilende Wirkung nachgesagt. Bei Übersäuerung des Magens, Erkrankung der Gallenwege oder äußerlich angewendet, soll es bei zu hohem Blutdruck geholfen haben. Nach durchzechten Nächten wurde dem Wasser zugeschrieben, es würde wieder zu einem klaren Kopf verhelfen, und zum Sense schärfen setzten die Bauern es ein.Heilwasser und Sensenschleifer


Paul Stoffel, Verfasser der Dreiser Chronik, berichtet: "Das Wasser griff das Metall der Sensen an, und man konnte sie so besser schärfen." Kistenweise haben sich die Menschen aus der Umgebung früher das Wasser mitgenommen. Ursprünglich lief das Wasser der Quelle aus einem einfachen Auslauf an der Mühlenstraße. Dann gab es bis Mitte der 60er Jahre einen offenen Brunnen im Gemeindegarten. Bei Bohrungen konnte 1965/1966 eine Quelle ausgemacht werden. Schließlich wurde das Wasser unterirdisch in die Brückenstraße geleitet, wo der Brunnen heute noch vor der Sparkasse steht.
In den 1960er Jahren überlegte der Gemeinderat, das Wasser kommerziell zu nutzen. Dazu ist es nicht gekommen, weil man den Fremdenverkehrsbedarf für die Region durch die Mosel gedeckt sah. Man befürchtete außerdem, dass der Grundwasserspiegel durch die Wasserförderung sinken könnte. Das Projekt war damals sehr weit vorangeschritten, es gab intensive Bohrungen, ein Etikett war schon ausgesucht und das Wasser sollte als Besonderheit in Dosen abgefüllt werden.
1997 gab es eine weitere Untersuchung der St.-Martin-Quelle, bei der überhöhte Werte von Eisen, Arsen, Mangan und Natrium nachgewiesen wurden. Dem Quellwasser wurde die Trinkwasserqualität abgesprochen. Aber noch immer wird aus der Quelle getrunken. Ein Mann, der regelmäßig aus dem "Drees-Boar", wie ihn die Dreiser nennen, getrunken hat, ist 105 Jahre alt geworden, wie der ehemalige Ortsbürgermeister Klaus Steffgen wusste.