| 15:26 Uhr

Wie könnte das Plastikverbot in der Praxis aussehen?
Ein Verbot als Chance für die Gastronomie

ARCHIV - ILLUSTRATION - 24.05.2018, Brandenburg, Sieversdorf: Einwegbesteck - Messer und Gabeln aus Plastik - stehen in einem Kunststoffbecher. (zu dpa «Supermärkte und Discounter verbannen immer mehr Plastikprodukte» vom 04.07.2018) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - ILLUSTRATION - 24.05.2018, Brandenburg, Sieversdorf: Einwegbesteck - Messer und Gabeln aus Plastik - stehen in einem Kunststoffbecher. (zu dpa «Supermärkte und Discounter verbannen immer mehr Plastikprodukte» vom 04.07.2018) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Patrick Pleul
Wittlich. Die EU-Kommission strebt ein Plastikverbot an. Aber wie soll das in der Praxis aussehen – wie trinkt man Milch-Shakes, woraus und womit löffelt man sein Eis? Der TV hat sich bei verschiedenen Wittlicher Gastronomen umgehört.

Eisdielen ohne Plastikbecher, Cafés ohne Strohhälme, Fleischereien ohne Plastiktüten – sieht so bald die Realität aus? So will es zumindest die EU-Kommission, denn sie möchte ein Plastikverbot einführen, um die Umwelt nicht weiter zu belasten. Der TV hat sich in Wittlich umgehört, wie Gastronomen und Gewerbetreibende die Vorgaben umsetzen wollen.

Osvaldo Livan (37), Besitzer des Eiscafés Livan, sieht die Debatte gelassen. „Man muss es so nehmen, wie es kommt. Wir können sowieso nichts daran ändern.“ Im Falle eines Verbots werde die Eisdiele künftig nur noch auf Papp- statt Plastikbecher setzen, sagt Livan.

Celal Bayindir (44), Mitarbeiter des Sultan Kebabhaus, gibt sich entspannt und sieht bei einem Plastikverbot keinen Nachteil. „In meinen Augen wäre es kein Verlust. Wir haben kaum Plastik im Laden und aus diesem Grund wäre es für uns auch kein Problem, auf Plastik zu verzichten.“  

Dieselbe Ansicht hat Irmgard Zügner (58), die das Café Schuler betreibt. „Meiner Meinung nach gibt es da kein Problem. Wir sind vor Kurzem auf Papiertüten umgestiegen und bieten außerdem auch Papiertragetaschen an.“ Julia Rauen (29), die bei der Bäckerei Überbrot am Kurfürstenplatz arbeitet, sieht ein mögliches Verbot von Plastik kritisch. „Das hätte einen großen Einfluss, wir als Bäckerei wären sehr davon betroffen.“ Man müsse sich dann nach Alternativen umschauen, so Rauen.

Für den Fleischermeister Andreas Haep (47) von der Fleischerei Haep wäre der Wegfall von Plastik kein Problem. „Vor etwa 30 Jahren gab es in Wittlich noch circa 15 Fleischereien, mittlerweile sind es nur noch zwei. Der Grund ist, dass durch die Großmärkte der Fleisch- und Wurstbedarf der Menschen bereits abgedeckt ist. Jedoch wird in diesen Märkten fast ausschließlich Plastik verwendet, in den Fleischereien ist die Nutzung von Plastik begrenzter. In unserer Fleischerei verwenden wir im Verkauf Papier- statt Plastiktüten, aber das wissen viele nicht zu schätzen. Diese Entwicklung ist bedenklich.“ Jedoch sei ihm auch klar, dass ohne Plastik auch Nachteile auftreten. „Man muss immer schauen, um welche Branche es geht. Ich denke, dass die Fleischereien es ohne Plastik schwerer hätten als andere Gastronomien. Denn wir benötigen für Produkte wie Hackfleisch Frischhaltefolien. Mit so was muss sich etwa eine Bäckerei nicht auseinandersetzen.“

Café-am-Markt-Inhaberin Chrysanti Ntafopoulou (33) betrachtet die Idee der EU positiv. „Ich lebe umweltfreundlich und versuche schon seit Langem, den Plastikverbrauch zu reduzieren. In meinem Café betrifft es nur noch die Strohhälme. Würde es zu diesen eine geeignete Alternative geben, würde ich über eine Umstellung nachdenken. Aber anfangs wäre es wohl schwer, den Gästen zu erklären, dass sie ihren Latte Macchiato nicht mehr mit einem Strohhalm serviert bekommen.“ Sie sei sich allerdings nicht sicher, ob sich der Vorschlag der Europäischen Uniion umsetzen lasse.

Verschwinden Einweg-Trinkhalmen aus Plastik  bald von der Bildfläche? Wenn es nach dem Willen von Politik und Einzelhandel geht, ja.
Verschwinden Einweg-Trinkhalmen aus Plastik bald von der Bildfläche? Wenn es nach dem Willen von Politik und Einzelhandel geht, ja. FOTO: dpa / Patrick Pleul