| 16:50 Uhr

Hochwasser
Die Pegel an der Mosel und an der Lieser steigen

Am Dienstagmittag trennen die Fluten und den Balkon des Cafés an der Lieser in Wittlich nur noch 60 Zentimeter. Martin Schmidt, stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich, behält den Pegel im Auge.
Am Dienstagmittag trennen die Fluten und den Balkon des Cafés an der Lieser in Wittlich nur noch 60 Zentimeter. Martin Schmidt, stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich, behält den Pegel im Auge. FOTO: Christian Moeris
Wittlich. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich behalten den Wasserspiegel der Lieser im Auge. Auch die Mosel führt mehr Wasser. Von Christian Moeris

/ Regen, Regen und noch mehr Regen: Im Einzugsgebiet der Lieser in der Eifel gab es in den letzten Tagen sintflutartige Wolkenbrüche und Überschwemmungen – wobei die Ausmaße von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ausfielen. Dabei blieb der Landkreis Bernkastel-Wittlich im Gegensatz zum Eifelkreis und der Vulkaneifel bis auf wenige überspülte Straßen an der Mosel bislang verschont. Doch nun steigen auch die Pegel der Mosel und Lieser unerwartet schnell. Führte die Lieser am Montag noch relativ wenig Wasser mit sich, bot sich am Dienstag dagegen schon ein anderes Bild. In der Nacht auf Dienstag und am frühen Morgen stieg der Pegel deutlich an. „Allein von Dienstagmorgen bis hin zum Mittag ist der Pegel an der Messstelle in Plein von 1,45 auf 1,85 Meter gestiegen“, sagt Martin Schmidt, stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich. Alle zwei Stunden steht Schmidt am Dienstag mit Fotokamera auf der Lieserbrücke, um den Anstieg des Pegels zu beobachten und dokumentieren. „Weil das Ufer hier mit dem Umbau verbreitert wurde, tappen wir noch etwas im Dunkeln, wie sich die von der Pleiner Messstation gemeldeten Pegel hier in Wittlich auswirken“, sagt Schmidt. Deshalb gelte es jetzt, Erfahrungswerte für die Zukunft zu sammeln.

Unter der Lieserbrücke, auf der Schmidt steht, präsentiert sich der Fluss am Dienstag weitaus reißerischer als am Montag. Die durch Schlamm getrübten Fluten führen Unmengen Treibholz mit sich. Von Zeit zu Zeit treiben ganze Baumstämme flussabwärts. „Wenn der Pegel weiter ansteigen würde, wovon wir derzeit allerdings nicht ausgehen, wäre das Café im Pavillon als erstes Gebäude in der Innenstadt bedroht“, sagt Schmidt. Am Dienstagnachmittag trennen die braunen Fluten und den Balkon des Cafés noch etwa 60 Zentimeter. „Wenn es nötig wird, müssen wir die Fensterscheiben des Cafés mit einer Holzkonstruktion schützen und von innen zusätzlich mit Sandsäcken stabilisieren“, sagt Schmidt. Denn die Baumstämme, welche die Lieser mit sich führt, könnten am Gebäude große Schäden anrichten. Die Stadt Wittlich hatte bereits am Montag den mobilen Hochwasserschutz aufgebaut – allerdings auch aus anderen Gründen.

Stadt Der Pressesprecher der Stadt Wittlich, Rainer Stoeckicht, erklärt: „Der Hochwasserschutz wurde am Montag aufgestellt. Es handelt sich dabei um eine Übungsmaßnahme, die schon seit längerem geplant ist, bei der die Feuerwehr zusammen mit den Stadtwerken den Aufbau des Hochwasserschutzes für den Ernstfall üben kann. Den Prognosen für die nächsten Tage nach zu urteilen, ist der Schutz nicht unbedingt notwendig. Nach den Erfahrungen am Wochenende in Lüxem, wo entgegen der Erwartungen der Sterenbach über das Ufer getreten ist, kann man den Aufbau auch als Vorsichtsmaßnahme ansehen.“ Der TV hat auch die Wehrleitung der Verbandsgemeinde Wittlich-Land um eine Beurteilung der Lage gebeten:

Verbandsgemeinde Stephan Christ, Wehrleiter der VG Wittlich-Land, spricht von einer angespannten, aber nicht dramatischen Lage: „Montagmittag gab es für eine knappe Stunde eine Hochwasserwarnung für die VG Wittlich-Land. Diese Warnung wurde aber rasch wieder zurückgezogen und jetzt sieht es so aus, dass wir hier verschont bleiben. Im Moment herrscht die Bereitschaftsstufe 2 von 4 vor, also sind die Feuerwehrleute in gewöhnlicher Bereitschaft.“

Mosel Auch an der Mosel sieht es bislang noch recht harmlos aus, sagt Michael Beer, Ortsbürgermeister von Kesten. Der Moselort ist mit anderen Anrainergemeinden bekanntlich meist zuerst betroffen, wenn die Mosel über die Ufer steigt. „Die Mosel sieht zwar derzeit so braun aus wie der Amazonas und führt viel Treibgut mit sich, aber bis es wirklich gefährlich wird, sind noch 1,5 Meter Platz nach oben“, sagt Beer. Derzeit seien in Kesten nur die Uferwiesen etwas überflutet und alles noch im „grünen Bereich“.

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