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Himmeroder Kirche wird wiedereröffnet
Endspurt für die Orgelpfeifen

Dominik Haubrichs (hinten), Annika Hilgendorf und Horst Hoffmann mit einer der großen Pfeifen der Klais-Orgel in der Himmeroder Abteikirche.
Dominik Haubrichs (hinten), Annika Hilgendorf und Horst Hoffmann mit einer der großen Pfeifen der Klais-Orgel in der Himmeroder Abteikirche. FOTO: Petra Willems
Großlittgen. Zwei Millionen Euro hat die Renovierung der Himmeroder Kirche nach einem Brand gekostet. Ende Mai wird sie wiedereröffnet – auch wenn ein wichtiges Teil nicht komplett fertig sein wird.
Petra Willems

Derzeit sieht es noch etwas wüst aus in der Abteikirche Himmerod. Doch in gut zwei Wochen soll das Kleinod in der Eifel mit einem Fest und einem Gottesdienst mit Bischof Stephan Ackermann wieder offiziell eröffnet werden. Dann sind die Arbeiten in der Kirche, die bei einem Brand im Sommer 2017 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde (der TV berichtete) weitgehend abgeschlossen.

Rund zwei Millionen Euro hat die Renovierung gekostet, mit der nur wenige Wochen nach dem Brand am 26./27. Juli 2017 begonnen wurde – und damit mehr als zu Beginn angenommen. „Ich musste meine Reserve immer mal wieder etwas antasten im Laufe der Zeit“, erklärt Rolf Wallraff, Architekt und Großschadensregulierer der Provinzial-Versicherung, die den Schaden behob.

Die größten Zerstörungen hätte dabei nicht das Feuer, das in einem Abstellraum unter einer Treppe zur Orgelempore ausgebrochen war, ausgelöst, sondern der dadurch entstandene Ruß. Unter anderem sei die Treppe stark zerstört gewesen und habe komplett erneuert werden müssen. Der neue Aufgang wurde nach Vorbild des zerstörten Originals gebaut:

„Die Treppe hat so, wie sie da steht, ein Volumen von vier Kubikmetern Holz“, erklärt Architekt Hans-Joachim Heck (Irrel), „zur Fertigstellung waren acht Kubikmeter astfreies Eichenholz nötig.“ Gebaut habe sie ein Schreiner aus Bitburg. Ohnehin habe man fast komplett mit Firmen aus der Region gearbeitet.

Die Treppe war allerdings nicht das einzige Großprojekt in den vergangenen neun Monaten innerhalb der Kirchenmauern. Die komplette Kirche musste gereinigt und vollständig von innen eingerüstet werden, das gesamte Inventar wie Bänke, alte Grabplatten, Statuen, der Hochaltar, Beichtstühle und das Chorgestühl musste ebenfalls gesäubert werden. Die Bänke wurden zum Beispiel ausgebaut und im Kloster zwischengelagert. Chorgestühl und Hochaltar wurden nach der Reinigung zum Schutz während der restlichen Arbeiten eingehaust.

Die Mauern wurden komplett neu gestrichen, das dazu aufgestellte Gerüst wurde zudem genutzt, um die Fenster zu renovieren, die ebenfalls beschädigt waren. „Die Fenster wurden in einer sogenannten Foliensanierung abgesichert“, sagt Professor Reinhold Bohlen, der in Himmerod zuständig ist für die Feier der Gottesdienste und die Spendung der Sakramente. „So konnten wir die nötige Sicherheit herstellen.“ Denn die vielfach gerissenen Fenster drohten abzustürzen. Kostenfaktor: 80 000 Euro.Das Einrüsten der Kirche habe Kosten in sechsstelliger Höhe verursacht, teilt das Bistum mit.

Das größte Einzelprojekt war jedoch die Orgelsanierung. Die rund 4000 Pfeifen der wertvollen Klais-Orgel wurden abmontiert und nach Bonn zur Firma Klais-Orgelbau transportiert. Derzeit sind Mitarbeiter des Unternehmens damit beschäftigt, die Orgel vor Ort wieder einzubauen und zu stimmen. Seit vier Wochen arbeiten sie daran, bis zum 27. Mai werden sie jedoch „nicht komplett fertig sein“, wie Orgelbauer Dominik Haubrichs sagt. „Aber man wird darauf spielen können, es werden nur wenige Teile fehlen.“

Das Instrument in Himmerod vergleicht Haubrichs mit dem im Trierer Dom. „Dem kommt sie in der Größe schon sehr nahe.“ Und er hat noch einen Vergleich parat: „Im Vergleich zur Elbphilharmonie in Hamburg ist das hier in Himmerod eine totale Ruheoase.“

Denn während der sechs Wochen, in denen er und sein ebenfalls in Himmerod tätiger Kollege Horst Hoffmann in dem berühmten Hamburger Konzerthaus an einer Klais-Orgel gearbeitet haben, hätten immer wieder Geräusche von Besuchern die Arbeit mit dem Instrument gestört. „Das ist hier Gott sei Dank nicht so.“ Denn bis zur offiziellen Wiedereröffnung am 27. Mai ist die Kirche, die bis dahin wieder vollständig auf- und eingeräumt sein wird, noch für Besucher gesperrt.


Hans-Joachim Heck, Rolf Wallraff und Reinhold Bohlen auf der frisch renovierten Treppe zur Klais-Orgel in der Abteikirche. 
Hans-Joachim Heck, Rolf Wallraff und Reinhold Bohlen auf der frisch renovierten Treppe zur Klais-Orgel in der Abteikirche. 
Figuren in der Abteikirche
Figuren in der Abteikirche FOTO: Petra Willems
Ordentlich aufgereiht liegen die Orgelpfeifen rund um den Altar der Abteikirche.
Ordentlich aufgereiht liegen die Orgelpfeifen rund um den Altar der Abteikirche. FOTO: TV / Petra Willems
Ordentlich aufgereiht liegen einige Pfeifen derzeit noch auf dem Kirchenboden.
Ordentlich aufgereiht liegen einige Pfeifen derzeit noch auf dem Kirchenboden. FOTO: TV / Petra Willems