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| 21:53 Uhr

Ex-Gangster ruft nach Sheriffs

Einst Lifestyle-Gangster mit Hass auf Deutsche: Am Beispiel seiner Autobiographie „Türken-Sam“ warnt der Autor Cem Gülay bei seiner Lesung vor den fatalen Folgen einer gescheiterten Integrationspolitik. TV-Foto: Sybille Schönhofen
Einst Lifestyle-Gangster mit Hass auf Deutsche: Am Beispiel seiner Autobiographie „Türken-Sam“ warnt der Autor Cem Gülay bei seiner Lesung vor den fatalen Folgen einer gescheiterten Integrationspolitik. TV-Foto: Sybille Schönhofen
Radikale Thesen, bedrohliche Szenarien. Der deutsch-türkische Autor Cem Gülay hat in der Wittlicher Realschule plus zur interkulturellen Woche seine Autobiografie "Türken-Sam" vorgestellt. In einer angeregten Diskussion mit dem Publikum hat er sich zur verpassten Integration geäußert. Von unserer Mitarbeiterin Sybille Schönhofen

Wittlich. Cem Gülay, 1970 in Hamburg als Sohn türkischer Einwanderer geboren, wollte nach dem Abitur eigentlich Jura studieren. Stattdessen wurde er Gangster. Wie es dazu kommen konnte, versucht er den 90 deutschen und türkischen Zuhörern am Dienstag in der Realschule plus begreiflich zu machen.

Als er beinahe zum Mörder geworden wäre, besann sich Cem Gülay und krempelte sein Leben um. Seitdem mischt er sich in die öffentliche Integrationsdebatte ein und versucht jugendliche Migranten zu erreichen. Ihm ging es wie ihnen. Oft habe er das Gefühl gehabt, nicht dazuzugehören. Bis er dachte "scheiß auf die Deutschen". Gülays Prognose ist düster, seine Schilderung der Zustände in deutschen Großstädten beängstigend. "Wir haben wieder die Verhältnisse der frühen 80er Jahre, nur dass jetzt auch noch die Mädchen gewalttätig werden." Sie hätten den "Hass der Väter" in sich, die damals "aus dem tiefsten Anatolien" ohne Ausbildung nach Deutschland kamen, um hier die "Drecksarbeit" zu erledigen und ihre Kinder erst als Jugendliche nachziehen ließen.

Gülay warnt vor dieser nachgezogenen "Generation Wut" wie er sie nennt. Und er fordert, in der öffentlichen Debatte deutlich zwischen ihnen und anderen Einwanderern zu unterscheiden. Denn diejenigen, die in der ersten Einwanderungswelle als Facharbeiter kamen, sich in Deutschland etwas aufbauten und ihre Kinder hier zur Welt brachten, seien nicht das Problem. Gülay wirft der Politik der 80er Jahre vor, die Integration versäumt zu haben. Als Opfer sieht er neben den Migranten auch die deutsche Bevölkerung. Für ihn ist der Frieden im Land gefährdet. "In den Großstädten hab ich keine Hoffnung", so Gülay. Berlin, Frankfurt, Hamburg seien "verlorene Städte". Wenn sich in den nächsten zehn Jahren nichts ändere, werde der Rechtsradikalismus zunehmen. Es sei mit Anschlägen auf Moscheen zu rechnen, prognostiziert Gülay, der einen Teufelskreis von Rassismus und Gewalt voraussieht. Thilo Sarrazins Thesen und den Zuspruch, den er dafür erhält, deutet Gülay als Signale in diese Richtung.

EXTRA Cem Gülays Thesen zur Integration: Damit Integration gelingen kann, plädiert Cem Gülay für Ganztagsgemeinschaftsschulen gegen die Folgen der Ghettoisierung und fordert für Schulen mindestens einen 70-Prozent-Anteil deutscher Schüler. Von der Justiz erwartet er hartes Durchgreifen und vom Gesetzgeber ein Antidiskriminierungsgesetz. Hierbei sowie bei der Einstellung von "Schulsheriffs" denkt er an den Schutz deutscher Lehrerinnen, die von männlichen Migranten angespuckt oder als "Hure" bezeichnet würden. "Weg mit der Sozialromantik", fordert der Deutsch-Türke. Nicht jeder Jugendliche sei zu retten. Eine Quote für mittelständische Unternehmen sollte notfalls garantieren, dass Betriebe Migranten die Chance zur Berufsausbildung gewährten. Gülay ist für einen Zuwanderungsstopp, bis die Integration gelungen sei. (sys)