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Unwetter
Experte stellt Konzepte gegen Wetterkapriolen vor

Ende Juni hat ein durch Starkregen verursachtes Hochwasser in einem Haus in Niederkail hohen Schaden angerichtet.
Ende Juni hat ein durch Starkregen verursachtes Hochwasser in einem Haus in Niederkail hohen Schaden angerichtet. FOTO: privat
Wittlich/Niersbach. Rinnsäle werden zu reißenden Bächen: Das Ausmaß von extremen Wetterlagen nimmt zu. Ein Experte hat nun im VG-Rat Wittlich-Land vorgestellt, wie sich Gemeinden gegen Unwetter und ihre Folgen wappnen können. Von Petra Willems
Petra Willems

Hochwasser in der Eifel, ist das möglich? Müssen Gemeinden, die nicht an  großen Flüssen wie der Mosel liegen, sich vor Hochwasser schüzen?  Ja, meint Christof Kinsingetr vom  Informations- und Beratungszentrum Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz. Denn gegen die lokal heftigen Unwetter, wie sie im Juni über die Region gefegt sind, könne man direkt nichts unternehmen. Sie können an jedem Ort auftreten und lokal auf kleinem Raum heftige Schäden anrichten.  Und gegen  diese Schäden kann man sich  wappnen. Zum Beispiel mit Hochwasservorsorge.  Das verdeutlichte Kinsinger in der Sitzung des Verbandsgemeinderats Wittlich-Land, in deren Gebiet die Unwetter im Frühsommer ebenfalls Schäden angerichtet haben (der TV berichtete).

Vorbereitung: Laut Kinsinger können  Gemeinden durch eine Anpassung  beziehungsweise Optimierung der Bebauungspläne des Orts auf die Folgen der Unwetter vorbereiten.  Zum Beispiel müssen sich die Orte künftig  in den Bebauungsplänen an den Hochwassergefahren orientieren und darauf  achten, dass die Pläne  so aufgestellt werden, dass mögliche Überschwemmungsflächen und Abflusswege von Sturzfluten aus oberhalb liegenden Flächen freigehalten werden oder Bauherren hochwasserangepasst bauen.

Vorsorge: Bei Starkregen  sind Kanalisation (Kinsinger: „Auch das größte Abwasserrohr hält einem 100-jährigen Ereignis nicht stand.“)  und die Bäche in den Orten überlastet. Sie können die Wassermengen, die abfließen, nicht aufnehmen. Bei Starkregen läuft das Wasser deshalb  in die Straßen und sorgt, wenn es nicht abfließen kann, dort für  Überschwemmungen. Das bedeutet: Die Aufgabe der Starkregenvorsorge ist es, dem Wasser oberirdische Abflusswege zu schaffen, ohne dass große Schäden in Gebäuden entstehen. Weitere Mittel ist die Sicherstellung der Ver- und Entsorgung (Strom, Telekommunikation, Wasser und Abwasser und so weiter), die Organisation von Selbsthilfe wie die Unterstützung der Feuerwehr durch die Bürger, oder Nachbarschaftshilfe und die Einrichtung von Notwasserwegen.

Konzepte: Christof Kinsinger erklärte, dass Gemeinden bei der Erstellung eines Hochwasserschutzkonzepts unterstützt werden. Sie werden durch Experten begleitet und von den Fachbehörden unterstützt. Zudem gibt es vom Land eine Förderung in Höhe von 90 Prozent der Kosten. Auf die Gemeinden entfallen dann, je nach Größe der Kommune, Kosten in Höhe von 10 000 bis 15 000 Euro.

Christof Kinsinger  appellierte  an die Gemeinden, sich der Thematik anzunehmen und über die Erstellung  eines Hochwasserschutzkonzeptes  zu beraten und  dieses zu beschließen.