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Falscher Mehltau schmälert Ernte: Biowinzer wollen wieder spritzen dürfen

Vertrocknete Beeren in der Traube sind ein Zeichen für den Schädling falscher Mehltau. TV-Foto: Christa Weber
Vertrocknete Beeren in der Traube sind ein Zeichen für den Schädling falscher Mehltau. TV-Foto: Christa Weber
Trier. Der falsche Mehltau hat in den Weinbergen große Schäden angerichtet. Vor allem bei Biowinzern. Sie fordern, dass das Spritzmittel Kalium-Phosphonat wieder zugelassen wird - und bekommen Rückenwind aus Mainz. Katharina de Mos

Statt praller grüner Beeren hängen vielerorts schwarze Gerippe am Stock. Auch in die Weinblätter frisst der Pilz sich hinein. Peronospora, der Falsche Mehltau, hat an Mosel, Saar und Ruwer im nassen Sommer 2016 große Schäden angerichtet.

Insbesondere Biowinzer hat es hart getroffen. Denn sie dürfen im Kampf gegen den Pilz lediglich Kupferpräparate spritzen - und die wurden vom Regen oft gleich wieder abgewaschen. Laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium verzeichnen Biowinzer Ernteverluste von bis zu 30 Prozent, in Einzelfällen sogar Totalverluste.

Einzelne Betriebe geben dem Bundesverband Ökologischer Weinbau Ecovin zufolge sogar ihr Biosiegel auf, um ihre Trauben wieder mit Kalium-Phosphonat spritzen zu können. Ein Mittel, das von der Biobranche selbst entwickelt wurde und bis 2013 auch als traditionelles Pflanzenstärkungsmittel erlaubt war. Vor drei Jahren jedoch trat eine EU-Verordnung in Kraft, die das Mittel im Bio-Weinbau nicht mehr gestattet. "Dabei ist es ökologisch absolut unbedenklich", sagt Ecovin-Geschäftsführer Ralph Dejas. Er fordert die EU vehement auf, es wieder zuzulassen.
Auch Weinbauminister Volker Wissing und Umweltministerin Ulrike Höfken haben sich bei einem Gespräch in der EU-Generaldirektion Landwirtschaft für die Wiederzulassung von Kalium-Phosphonat eingesetzt. "Ökologisch wirtschaftenden Winzern muss ein geeignetes Mittel gegen Peronospora-Befall zur Verfügung stehen", sagen sie. Aufgrund des Klimawandels sei verstärkt mit extremen Witterungsbedingungen zu rechnen.

Dejas fordert, dass Ökowinzer mehr Kupfer spritzen dürfen. Die EU erlaube sechs Kilogramm pro Hektar im Jahr, Deutschland jedoch nur drei.

Die Mengen, die die Biobetriebe 2016 ernten, sind zwar gering. "Aber die Weinqualität wird sehr gut", sagt Dejas. Dem goldenen Frühherbst sei Dank. Mos