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Falschparker
Falschparker in Wittlich: „Niemand hält sich mehr an Regeln!“

Bin mal kurz Blümchen kaufen: Ein  besonders dreister Falschparker stellt seinen Wagen vor der Schloßgalerie in der Kurfürstenstraße in Wittlich mitten auf der Querungshilfe für Fußgänger ab.
Bin mal kurz Blümchen kaufen: Ein  besonders dreister Falschparker stellt seinen Wagen vor der Schloßgalerie in der Kurfürstenstraße in Wittlich mitten auf der Querungshilfe für Fußgänger ab.
Wittlich. Die Stadt Wittlich hat ein Problem mit Falschparkern, was nach Einschätzung der Stadtverwaltung insbesondere vor Wittlichs Schulen und Kitas zu brenzligen Situationen führt. Von Julia Nemesheimer und Christian Moeris

Wer denkt, Sitzungen des Bau- und Verkehrsausschusses seien zum Einschlafen, der ist auf dem Holzweg. Die der Stadt Wittlich sind meist sogar ein Garant für beste Unterhaltung. Auf den Besucherplätzen fehlt dann nur noch das Popcorn.  In den letzten Sitzungen des Gremiums sorgte abseits der Tagesordnung vor allem ein Thema für ordentlich Wallung: Das Falschparken!

Problem „Niemand hält sich mehr an Regeln. Überall wird quer und falsch geparkt“, schimpft Bürgermeister Joachim Rodenkirch. „Es wird geparkt, wo Platz ist, sogar auf den Querungshilfen.“ Insbesondere vor den Schulen und Kindergärten habe sich die Parksituation drastisch zugespitzt, sagt Rodenkirch. „Eltern parken zwischen den Pollern und auf den Gehwegen, wo es ihnen gerade passt. Die Eltern sind mittlerweile die größte Gefahr für die Verkehrssicherheit ihrer Kinder.“ Wo eine Lücke sei, dort werde geparkt. „Andere sehen das und denken sich: Da stelle ich mich morgen auch hin.“

 Der tägliche Bring- und Abholservice der Eltern insbesondere an Kindertagesstätten und Grundschulen führe in Wittlich so tagtäglich zu prekären Verkehrssituationen.  Der TV hat die Stadtverwaltung gefragt, wo es besonders schlimm  zugeht. „Selbst inzwischen installierte Poller vor der Grundschule Friedrichstraße können die Eltern nicht davon  abhalten, zwischen diesen zu halten oder zu rangieren“, antwortet die Stadtverwaltung. Damit entstehen für die Kinder zusätzliche Gefahrsituationen. Doch auch für den übrigen Verkehr birgt es Risiken. Autos im Halteverbot, die knapp hinter der Kreuzungseinfahrt stehen oder gar in zweiter Reihe „kurz mal halten“, stellen eine Gefahr für den fließenden Verkehr dar.

Sieht man sich zu den Stoßzeiten zu Schulschluss vor den jeweiligen Schulen und Kindergärten um, bietet sich ein Bild von Autofahrern, die so nah wie möglich vor dem Ausgang warten, um ihre Kinder direkt einsteigen lassen zu können. Dass sie damit im absoluten Halteverbot stehen, scheint einige Eltern wenig zu stören. Ist alles besetzt, hält man auch mal mitten auf der Straße, um den Rucksack des Sprösslings in den Kofferraum zu laden.

Daneben gibt es auch Eltern, die zu Fuß unterwegs sind und vor der Schultür darauf warten, ihre Kinder abzuholen und womöglich auf einem ausgewiesenen Parkplatz ein Stück entfernt parken. Wie Rodenkirch erklärt, sei das Parkchaos insbesondere morgens, wenn alle Schüler zu einem Zeitpunkt gebracht werden, am größten. Rodenkirch: „Wenn ein Parkplatz 20 Meter weit entfernt ist, dann ist das vielen Menschen schon zu weit.“

Eltern Doch wieso nimmt das Parkchaos weiter zu? Ist es ein allgemeiner Werteverfall, der die Falschparker zu solch egoistischem Verhalten verleitet, oder hat das Falschparken in der Säubrennerstadt vielleicht andere Ursachen? Patrick Schenk, stellvertretender Sprecher des Regionalen Elternbeirates Trier, beobachtet das Parkverhalten der Eltern und auch der Schüler bereits seit Jahren argwöhnisch. Vor den Gymnasien, sagt Schenk, seien beispielsweise auch die Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stünden, und mit Erhalt des Führerscheins mit dem eigenen Auto unterwegs seien,  an der Situation beteiligt. Schenk: „Das bemerkt man daran, dass das Parkchaos vor den Gymnasien etwa im Laufe des Schuljahres zunimmt, bis die Abiturprüfungen stattgefunden haben. Danach entspannt sich die Situation wieder etwas, weil die betreffenden Autofahrer die Schule verlassen.“

Durch die Zusammenlegung von Schulen und auch durch zu kleine Parkplätze, deren Größe nicht an die wachsende Schülerschaft angepasst werde, komme es immer wieder zu Engpässen, sagt Schenk. Dafür würden auch  Arbeitnehmer Wittlicher Unternehmen sorgen, die ihre Fahrzeuge auf Schulparkplätzen abstellen würden. Schenk: „Dadurch entstehen zwangsläufig Situationen, in denen verkehrswidrig geparkt wird.“

Daneben bemängelt Elternbeirat Schenk auch das dürftige Angebot des öffentlichen Nahverkehrs. „Insbesondere zur Zeit des Nachmittagsunterrichts stünden oftmals nur wenige Verbindungen zur Verfügung. „Eine Stunde auf einen Bus warten zu müssen und damit auch noch lange unterwegs zu sein, das ist für viele Kinder eine Zumutung.“

Lösungen Beim Cusanus-Gymnasium, wo man insbesondere Probleme mit Fremdparkern hat, die die schuleigenen Parkplätze blockieren, werden die Falschparker mit Hinweiszetteln am Auto auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, erklärt die Schulleitung. Auch den in der Kurfürstenstraße ansässigen Firmen möchte man schriftlich mitteilen, dass die jeweiligen Kunden auf ein verantwortungsvolleres Parken achten sollen. Viele Schulen gehen ähnlich vor. Sie weisen in Elternbriefen immer wieder darauf hin, die Kinder durch das eigene Fahr- und Parkverhalten nicht zu gefährden und die bestehenden Verbote zu achten.

Doch das scheint kaum zu fruchten. Die Stadt Wittlich plant deshalb die Zahl der Mitarbeiter für die Überwachung des ruhenden Verkehrs aufzustocken. Derzeit sind in Wittlich dazu drei Hilfspolizeibeamte im Einsatz sowie zwei weitere Beamte, die sich neben ihren eigentlichen Aufgaben auch um die Überwachung kümmern. Rodenkirch: „Mit baulichen Maßnahmen gegen Falschparker stößt man irgendwann an Grenzen. Wir können nicht jeden Quadratmeter Freifläche in der Stadt mit Pollern und Blumenkübeln versperren.“ Deshalb könne man nur immer wieder an die Vernunft der Autofahrer, „die ihr Unrechtsbewusstsein verloren haben“, appellieren.