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Fenster in die Erdgeschichte

Blick auf Meerfeld und das Maar, das jedes Jahr Tausende Touristen anzieht. Das Dorf liegt innerhalb des Maarkessels. TV-Foto: Christina Bents
Blick auf Meerfeld und das Maar, das jedes Jahr Tausende Touristen anzieht. Das Dorf liegt innerhalb des Maarkessels. TV-Foto: Christina Bents
Bettenfeld/Meerfeld. Das Meerfelder Maar ist eines der bekanntesten Maare in der Vulkaneifel. In der Gruppe der Mosenberg-Reihenvulkane ist das Hinkelsmaar eine weniger populäre, aber nicht weniger interessante Landschaftsform. Christina Bents

Bettenfeld/Meerfeld. Landschaftlich ist die Vulkaneifel sehr reizvoll. 75 Maare - die meisten davon ausgetrocknet - sind weit über die Grenzen der Region in ganz Deutschland bekannt. Allein der kleine Ort Meerfeld mit 400 Einwohnern zählt jährlich 30 000 Übernachtungen von Touristen, die wegen der Natur und ihrer Geschichte ins Dorf kommen. Denn das Meerfelder Maar, das Hinkelsmaar und der Windsborn - kein Maar, sondern ein Kratersee - geben Aufschlüsse über die landschaftliche Entwicklung unserer Region, gegen die die Zeit eines Menschenlebens wie ein Wimpernschlag wirkt.
Die vulkanische Geschichte der Mosenberggruppe begann vor 83 000 Jahren mit dem ersten Ausbruch. Heute kann man unter anderem noch das Hinkelsmaar bei Bettenfeld sehen. Es ist vermoort und wird von einem flachen Wall umgeben. In regenreichen Zeiten steht noch Wasser im Trichter des Maars.
1840, als die Vulkaneifel sehr arm war, wurde an der flachsten Stelle des Walls ein Stollen gegraben, um das Wasser abzulassen. Dr. Martin Koziol, Leiter des Maarmuseums, erklärt: "Man stach Torf, um ihn beim Vieh einzustreuen, denn das Stroh wurde verfüttert, das war damals zu wertvoll, um es in den Stall zu streuen." Heute ist das Hinkelsmaar ein Naturschutzgebiet, in dem seltene Pflanzen wie Wollgras, Sumpfblutaugen oder Fieberklee wachsen.
Das Hinkelsmaar ist mit der Mosenberg-Vulkangruppe, zu der es gehört, und dem Meerfelder Maar 2006 in die Liste der 77 bedeutendsten Geotope Deutschlands aufgenommen worden. Wo bis 1993 in Bettenfeld Lava abgebaut wurde, ist heute der Vulkanerlebnispark. Die Grube wurde nicht wieder - wie sonst üblich und vorgeschrieben - verfüllt. Freiliegende vulkanische Förderschlote, Lava- und Schlackenschichten bieten einen Einblick in die Erdgeschichte.
Das Meerfelder Maar, auf das man vom neuen Aussichtsturm Landesblick einen herrlichen Blick hat, ist mindestens 30 000 Jahre, nach neueren Erkenntnissen bis zu 80 000 Jahre alt. Ursprünglich war der Maarsee 125 Hektar groß - dreimal so groß wie heute.
Zwei Drittel des Sees wurden vom Meerbach aufgeschüttet oder durch Landgewinnung verlandet. Rund um das Maar wurde in den 50er Jahren noch intensiv Ackerbau betrieben. Dr. Martin Koziol kennt noch die jüngere Vergangenheit des Maars. "In den 1980er Jahren war das Maar ein ziemlich brauner stinkender See, weil Abwässer reingelaufen sind. Aber mit einer Kläranlage, der Verlegung des Meerbachs und einer Tiefenwasserableitung ist der Maarsee wieder ansehnlich." Heute kann im Maarsee gebadet werden. "Aber in 40 000 bis 60 000 Jahren wird es den See nicht mehr geben, dann ist er komplett verlandet", so der Experte. Bis dahin kann hat man aber noch viel Gelegenheit, die Natur und das Wasser dort zu genießen.

Extra

Die erste Phase des Eifel-Vulkanismus setzte vor 45 Millionen Jahren ein. Zu dieser Zeit gab es dort einen subtropischen Urwald, wie Funde aus dem Eckfelder Trockenmaar belegen. Vor einer Million Jahre begann erneut eine Phase vulkanischer Aktivität. Die Mosenberggruppe entstand in mehreren aufeinanderfolgenden Ausbrüchen, der erste ereignete sich vor etwa 80 000 Jahren. Beim bislang jüngsten Vulkanausbrauch in der Eifel vor 11 000 Jahren entstand das Ulmener Maar. Ob, wann und wo weitere Eruptionen zu erwarten sind, lässt sich nicht vorhersagen. chb