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Frank Rosin in Großlittgen: „Wir haben ein Bildungsproblem“

FOTO: Nora John
Großlittgen. Frank Rosin ist in Deutschland und der Welt unterwegs, um Restaurants zu retten. Jetzt ist er nach Großlittgen ins Gasthaus zum Eck gekommen. Doch Rosin kümmert sich nicht nur um Küche, Wirte und Gasträume, er übt auch heftige Kritik am Ausbildungssystem in der Gastronomie. Nora John

Im Restaurant Zum Eck in Großlittgen ist eine Menge los. Tische werden eingedeckt, Kamerateams sind aktiv, und in der Küche wird geschnibbelt und gekocht. Mitten drin Sternekoch Frank Rosin. Er ist hier, um dem Restaurant von Lydia Agheghi zu mehr Gästen und damit zum Erfolg zu verhelfen.

Die notwendigen Veränderungen werden dann in einigen Wochen im Rahmen der Sendung "Rosins Restaurants" im Fernsehen bei Kabel eins zu sehen sein. Rund zehn Tage brutto sei man mit einem Betrieb beschäftigt, schildert Rosin den Ablauf. Dabei gehe es um Einkäufe, Planung, Umgestaltung außen und innen und vieles mehr. Rund 25 Menschen sind an einer solchen Sendung beteiligt.

Wo genau die Probleme im Gasthaus Zum Eck liegen, will der Gastronom nicht sagen. Damit nehme er der Sendung zu viel vorweg. Aber etwas verrät er dann doch. "Das Haus war eine einzige Baustelle."

Obwohl die Renovierungsarbeiten nach dem Kauf der Immobilie noch nicht abgeschlossen waren, habe man schon Gäste bewirtet und übernachten lassen. Die Besitzerin sei etwas naiv an die Sache herangegangen, bemängelt Rosin.

Und damit ist er auch schon bei seinem Kernthema, das er nicht nur auf den Betrieb in Großlittgen sondern generell auf die Branche bezieht. "Wir haben ein Bildungsproblem", sagt er. Jeder könne sich mit einem Betrieb selbstständig machen, ohne Ahnung davon zu haben. Nicht nur die Ausbildung sei mangelhaft, es fehle vielerorts auch an der Bereitschaft, sich weiterzubilden. Rosin hält dies jedoch für unbedingt notwendig und für eine Investition in die Zukunft.

Auch die Prüfungen der jungen Köche seien heute weniger anspruchsvoll als bei seiner Prüfung. Er habe damals einen Warenkorb bekommen und musste daraus ein Menü kreieren mit Kalkulation und Rezepten und allem, was dazu gehört. Heute hatten die Auszubildenden vier Wochen Zeit, sich auf das Prüfungsmenü vorzubereiten.
Jungen Köchen empfiehlt er, auch im Ausland zu arbeiten. Um weltmännisch agieren zu können, müsse man die Welt gesehen haben. Und als Gastwirt habe man eben mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun.

Ein weiteres Manko in der Branche sieht Rosin beim fehlenden Vermarktungsbewusstsein der Gastronomen: "Es gibt den typischen Gastwirt nicht mehr." Man dürfe den Beruf nicht nur machen, man müsse ihn leben und verkörpern.
Ansonsten setzt Rosin auf regionale Küche und eine kleine Speisekarte mit reellen Preisen. Nur so könne man frisch und gut kochen. "Zuhause bietet man ja auch nicht drei Gerichte zur Auswahl an und wirft dann zwei weg", sagt Rosin.

Ein Gastwirt müsse auch das Selbstbewusstsein haben, seine Preise dem Gast gegenüber zu rechtfertigen. Denn bei diesen spielt nicht nur der Materialwert eine Rolle, sondern auch Gehälter, Strom, Heizung und vieles mehr.
Im Gasthaus zum Eck gehen die Drehtage zu Ende. Im Inneren des Gasthauses und im Biergarten hat sich viel verändert und eine Malerei an der Wand zeigt, wie es bald auch von außen aussehen soll.

Rosin versichert, dass er auch in Zukunft mit dem Team des Gasthauses Zum Eck in Verbindung bleiben wird, so wie mit anderen Betrieben, die er zuvor schon gecoacht hat. "Wir drehen nicht und helfen, sondern wir helfen und drehen", sagt der Fernsehkoch.

Zur Person

Frank Rosin ist 1966 in Dorsten geboren. Seine Ausbildung hat er von 1982 bis 1985 in Gelsenkirchen absolviert, bevor er als Jungkoch auf Wanderschaft im Ausland unterwegs war. Seit 1991 ist Frank Rosin mit seinem Restaurant "Rosin" in Dorsten selbstständig. Sein Restaurant ist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit Michelinsternen. Seit 2007 ist Rosin in zahlreichen Fernsehformaten zu sehen.