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Für die Stadtsanierung: Gutschein als Starthilfe

Die Altstadt im Rücken, das Herz der Stadt und auch gute Geschäfte im Blick: Edmund Schermann (Sparkasse MEMH), BürgermeisterJoachim Rodenkirch und Rudolf Schmitt (Vereinigte Volks- und Raiffeisenbank, von links) sind für die Innenstadtentwicklung zum Schulterschluss bereit.
Die Altstadt im Rücken, das Herz der Stadt und auch gute Geschäfte im Blick: Edmund Schermann (Sparkasse MEMH), BürgermeisterJoachim Rodenkirch und Rudolf Schmitt (Vereinigte Volks- und Raiffeisenbank, von links) sind für die Innenstadtentwicklung zum Schulterschluss bereit. FOTO: Sonja Sünnen
Wittlich. Wittlich ebnet mit einem eigenen, neuen Modell den Weg zu Sanierungszuschüssen: Die Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel Hunsrück (MEMH) und die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank finanzieren ab sofort Beratungsgutscheine im Wert von 250 Euro für mehr als 250 Immobilienbesitzer im Zentrum. Ziel ist, mit diesem Angebot die Innenstadtsanierung ins Rollen zu bringen. Sonja Sünnen

Wittlich. Drei Herren im Anzug teilen sich den großen Tisch im Alten Rathaus. In der Mitte Bürgermeister Joachim Rodenkirch, flankiert von zwei Konkurrenten: Die Bankvorstände Rudolf Schmitt (Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank) und Edmund Schermann (Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel Hunsrück). Ihnen gegenüber sitzen Verwaltungs- und Bankmitarbeiter, Architekten. Alle wissen schon, worum es geht: Um Geld, eine gute Nachricht und nicht zuletzt die Innenstadt. Deshalb liegt auch ein Stapel Bücher mit Stadtwappen drauf vor dem Trio: Darin steht, wie man die Zukunft des Wittlicher Zentrums sichern kann - was viel kostet - und darauf steht "Innenstadtentwicklungskonzept" (der TV berichtete). Und das ist der Schlüssel zu Fördertöpfen.
Denn wer im Einklang mit dem Konzept saniert und modernisiert, dem schenkt die öffentliche Hand bis zu 80 000 Euro (siehe Extra). Profitieren soll die ganze Stadt, denn für alle ist ein lebendiges Zentrum wichtig.
Und Geld zieht Kreise: Bei der Stadtsanierung 1971 bis 1996 wurden aus 2,45 Millionen Euro Fördergeld an Private Investitionen von mehr als neun Millionen Euro, der Wert des gesamten damaligen Verfahrens wird auf rund 17 Millionen Euro geschätzt.
Auf einen ähnlichen Effekt setzt man jetzt. Doch wer weiß schon, was genau er mit seinem Altbau sinnvoll anfängt und was das kosten kann? Um das zu klären, gibt es den Beratungsgutschein im Wert von 250 Euro, und der eint die beiden Regionalbanken, die ihn bezahlen. Eingelöst wird er bei den Architekten Assmann, Blasweiler, Brendle, van der Heyde, Hoffmann, Huther, Roders und Russell-Koglin. Sie sagen dann, was gemacht werden muss oder kann und was das kosten könnte.
Und warum bezahlen die zwei Geldinstitute das? "Immobilien sind ein Kerngeschäftsfeld unserer Bank", sagt Rudolf Schmitt. "Hier nehmen wir Geld in die Hand, weil wir überzeugt sind, dass das Früchte trägt." Und Edmund Schermann sagt: "Das ist keine Spendenveranstaltung. Wir sehen in der Innenstadt enormes Entwicklungspotenzial." Mittelsmann Joachim Rodenkirch freut das: "Es ist nicht normal, dass man hier gemeinsam am Tisch sitzt. Das ist ein Novum. Diese Gemeinsamkeiten brauchen wir, um die Stadt voranzubringen."
Weil die 256 Eigentümer, die es betrifft, im Alten Rathaus nicht dabei waren, bekommen sie jetzt Post von der Stadt mit einer Einladung zum Informationsabend am Mittwoch, 14. September, 19 Uhr, in der Synagoge.Meinung

Klingt nach einem Geschäft für alle
Die Beratungsgutschein-Idee wirkt praxisnah und unbürokratisch. Mit dem Angebot kann sich jeder Eigentümer in der Innenstadt ohne Verpflichtung einen Rat einholen, der Geld wert ist. Die Entscheidung, sich danach ums Förderprogramm zu bewerben, ins Eigentum zu investieren oder womöglich zu verkaufen, wird damit nicht vorweggenommen, aber als Option in den Raum gestellt. Wer sich beraten lässt, macht einen ersten Schritt in diese Richtung, ob er weiter geht, ist seine Sache. Natürlich wollen die beiden engagierten Banken, die acht Architekten auch ins Geschäft kommen, das ist aber wiederum jedem Eigentümer persönlich freigestellt. Gut ist, dass die, die im Wettbewerb um Kunden stehen, in Sachen Innenstadtentwicklung an einem Strang ziehen. Der Schulterschluss der Konkurrenten ist auch für die Kunden das, was man win-win-Situation nennt. Selbstverständlich ist das nicht. Und es zeigt, dass die, die was vom Geschäft verstehen, vom Konzept überzeugt sind, Geld zu verschenken haben sie nicht. s.suennen@volksfreund.de
Extra: Förderung


Im Wittlicher Fördergebiet (8,7 Hektar im Stadtzentrum etwa zwischen Schlosstraße und Feldstraße) kann es aus dem Programm "Aktive Stadtzentren" bei Sanierung/Modernisierung für private Eigentümer einen Zuschuss von 25 Prozent der förderfähigen Ausgaben je Immobilie geben, wobei 80 000 Euro Obergrenze sind. 256 Eigentümer werden über die Gutscheine informiert. sos